🦅 Colca Canyon Tour

Die gebuchte Colca Canyon Tour beginnt genau jetzt! Unser Hauptgepäck bleibt im Zimmer, da wir uns das mit dem Hotel so ausgeschnapst haben. Wir kommen nämlich nach der Tour in die selben Zimmer zurück und werden nur eine Nacht weg sein. Wir vier sind neben dem Fahrer Emanuel und dem Guide Henry die ersten im Kleinbus. Wie üblich sammeln wir noch ein paar andere Teilnehmer von drei weiteren Hotels ein und verlassen Arequipa durch einen Randbezirk, dessen Hauptstraße uns direkt in das naheliegende Hochland bringt.

Die Landschaft ändert sich und ist plötzlich so, wie ich es mir vor meiner Reise vorgestellt habe. Es zieht sich die lange, einspurige Straße durch die karg bewachsene Pampa auf über 3.000 Höhenmetern. Auffällig sind die vielen Lastwagen, die Güter auf dieser Hauptader transportieren. Die Berg- und Talformationen sind gigantisch! Schnee bedeckte Bergspitzen gucken hin und wieder durch die Wolkendecke.

Vicunjas grasen links und rechts von der Straße und scheinen ausreichend zu fressen zu finden. Viele Bauern haben ihre Herden freilaufend ausgesetzt und treiben sie bei Bedarf wieder zusammen. Auf der Strecke haben wir zweimal die Möglichkeit die Tiere am Straßenrand zu fotografieren. Schreckhaft sind sie nicht so sehr, da sie den Transit gewohnt sind.

Wir machen einen weiteren Stopp an einer Kreuzung, deren Straßen nach Puno, Cusco oder Arequipa führen. Währenddessen ziehen die Wolken immer stärker zu und Regen setzt ein. Ich nutze die Pinkelpause, um die vom Wind ausgeblasenen Felsen zu fotografieren und erwische auch ein Alpaca.

Auf unserer Route folgen wir ewig langen Straßen, die ein Ankommen in den nächsten Stunden gar nicht für möglich halten lassen. Immer wieder sichten wir Vicunja-, Alpaca- und Lamaherden in der Pampa rund um uns. Sie sind aber gar nicht so einfach auszumachen, da ihre Fellfarbe perfekt dieser Umgebung angepasst ist.

Die Bergstraßen sind gleich nach deren Bankett teilweise sehr stark abfallend und nur bei engeren Kurven und Serpentinen mit Leitplanken abgesichert. Der Vertrauensvorschuss, den man seinem Fahrer entgegenbringt ist hinsichtlich der steilen Hänge, die hunderte Meter in die Täler stürzen, enorm.

Der Regen hat kurz aufgehört, als wir einen Stopp an einem Pass mit vielen aufgetürmten Steinen machen. An dieser Stelle gibt es fast keine Vegetation und die Sicht auf die Vulkane rundherum ist wegen der Wolken stark eingeschränkt. Eine richtig düstere Stimmung.

Auf der anderen Seite des Plateaus beherrscht wieder sattes Grün die Färbung der Landschaft und außerdem bietet sich uns eine sensationelle Aussicht ins Tal, in dem wir zum Mittagessen im Ort „Chivay“ Halt machen. Das Essen des Buffets ist leider kalt, da es schon länger vorbereitet wurde und der Warmhalteeffekt der Wasserwannen ist quasi nicht vorhanden. Ich muss kurz austreten und als ich gerade durch die Tür wieder in den Speisesaal komme, spielt ein Alleinunterhalter mit Gitarre, Panflöte und singt. Er hat einen traditionellen Poncho umgehängt und trägt eine lustige, peruanische Ohrwasch‘l-Quasten-Mütze, wie sie Andi und ich am Dorfdiscoabend trugen. Da wir vor kurzem in unserer Lustigkeit in Puno schon eine CD einer Wirtshausband gekauft haben, werden wir den Tonträger dieses hochkarätigen Interpreten nicht in unser Regal stellen.

Nach dem weniger tollen Essen setzen wir unsere Tourkollegen an deren Unterkünften in Chivay ab. Wir haben uns mit weiteren Gästen wo anders einquartieren lassen. Das Hotel „Colca Lodge“ war beim Buchen die Höchstpreisvariante unter all den angebotenen Unterkünften. Die zum Hotel gehörigen heißen Quellen haben uns keine Alternative in Betracht ziehen lassen.

Wir checken nach dem Begrüßungsgetränk ein und werden zu unserem schönen Zimmer mit zwei extra Betten im Dachgeschoß geführt. Das Zimmer ist viel zu groß für uns und unter anderem deswegen auch so toll.

Eva und Andi melden sich leider nicht, als wir an deren Zimmer klopfen. Wir wollten sie eigentlich abholen, um zu den heißen Quellen zu gehen. Also spazieren Bernie und ich allein durch den Regen und sind auf der Suche nach den Becken. Ein Gast schickt uns in die falsche Richtung, aber wir kommen eh bald drauf. Bernie hat keine Schlapfen und muss barfuß durch den kalten Gatsch. Sie meint, es sei OK.

Direkt am Flussufer tritt eine heiße Quelle aus dem Berg und das Wasser wird über Kanäle in drei Becken geleitet. Die Temperaturen der Becken reichen von 22 und 35 bis zum wärmsten mit 40 Grad. Im 22 Grad „kalten“ Becken sitzt natürlich niemand und wir kommen auch nicht auf die Idee, da rein zu steigen. Stattdessen entscheiden wir uns für das mit den wenigsten Leuten drin.

Ein Kellner kommt und fragt, was wir trinken möchten. Bevor ich noch was bestelle, geht ein „Wow!“ durch meinen Kopf. Ohne die Karte gesehen zu haben frage ich, ob er mir einen Long Island Ice Tea bringen kann. Er sagt ja und Bernie ist auch dabei. Im hölzernen Tablett, das leider nicht schwimmt, serviert er die beiden Cocktails. Wir lassen uns von unseren mitbadenden Tourbekanntschaften fotografieren.

Ein herzliches „Prost!“ aus einem Thermalbecken in über 3.300 Metern Seehöhe in Peru bei Regen!

Eva und Andi kommen. Bernie und ich winken mit den Bechern schon aus der Ferne. Die beiden schließen sich mit jeweils einem Pisco-Sauer an und wir beide bestellen noch zwei weitere Long Islands. Nach einer Stunde gehen Andi und ich an die Bar und genehmigen uns noch einen Whisky, während die Mädls immer noch im warmen Wasser sitzen bleiben. Bei einem trinkbaren Chivas reden wir über jüngst und längst Vergangenes. Gemütlich ist es!

Andi und ich gehen inzwischen (jeder extra) duschen und lassen die Mädls allein im dampfenden Wasser. Sie haben sich noch einen weiteren Long Island genehmigt – dürften also auf den Geschmack gekommen sein.

Andi klopft bei uns an die Tür und nimmt derweil Platz, weil ich noch nicht ganz fertig bin. Während ich mir die Nägel zwicke schildert er, dass er gerade bei den zwei Nixen unten am Fluss war. Sie machen noch keine Anstände rauszukommen. Ich soll aber bitte doch die Flip-Flops für Bernie runterbringen. Das machen wir dann auch und informieren die beiden Damen, dass wir Herren inzwischen allein etwas essen gehen werden.

Bei strömendem Regen gehen Andi und ich wieder zurück auf die Hotelebene und gleich ins Restaurant. Es wird also ein Abendessen zu zweit am Tisch neben Jacky und Bernard aus Virginia. Die Speisekarte ist umfangreich. Ich entscheide mich für die Alpaca Filets mit selbstgemachten Pommes und Andi nimmt überbackenes Hendl auf Bandnudeln mit Sauce.

Obwohl uns Bernard zuvor etwas von seiner Vorspeise auf unsere Teller gelegt hat, sind wir nach diesem Gang ehrlich gesagt noch nicht satt. Irgendwas soll die Cocktails und den Whisky von vorhin auftunken. Deswegen muss noch einmal die Karte her. Andi bestellt eine Nachspeise und ich noch eine zweite Hauptspeise – hausgemachte Ravioli.

Die Mädls kommen. Sie setzen sich zu uns und bestellen auch etwas zu essen. Bei der Gelegenheit hüpf ich mit Schokokuchen und Vanilleeis als Nachspeise mit ins Boot.

Wer Asterix und Kleopatra kennt, kennt den Vorkoster, der mit starken Schmerzen in seinem dicken Bauch mit einer Trage abgeführt wird. So geht’s mir am nächsten Morgen.

Ulla! Ulla!

Trotz allem muss man frühstücken. Danach gehen wir mit Sack und Pack die Hotelnacht bezahlen. Es hat gestern so viel geregnet, dass die steile Zufahrt zu aufgeweicht ist, um vom Kleinbus befahren zu werden. Wir müssen mit unserem Klumpert zu Fuß nach oben zur Schotterstraße gehen, wo der Bus auf uns wartet.

Nach einer sehr kurzen Fahrt machen wir Halt an einem Aussichtspunkt. Einer der Vulkane, die Teil des fantastischen Panoramas sind, dampft in der Ferne vor sich hin. Wir machen Portraits mit dem Vulkan im Hintergrund, als urplötzlich und unerwartet Henry „Condor! Condor! Condor!“ ruft. Hinter uns kreist ein Condor seine Runde und auf der andere Seite werkt ein aktiver Vulkan. Man möchte sich zerreissen. Lustig ist, dass bei Andi und Evas Portrait-Fotos der Vulkan im Hintergrund schon beginnt, eine graue Aschewolke zu spucken, was wir aber erst im Nachhinein im Bus auf den Fotos feststellen.

Ich bin deswegen sofort unter Strom und möchte das ordentlich fotografieren. Doch der Fahrer bleibt nicht mehr stehen, obwohl uns ein Naturschauspiel mit freier Sicht dorthin geboten wird. Ich bin gezwungen, unter besonderem Grant die Fotos durch das Fenster des fahrenden Autos, auf einem Feldweg mit Serpentinen zu schießen. Als dann der Vulkan hinter einem anderen Berg verschwindet, murmle ich zusammengekauert auf meinem Sitz nur noch diverse Kraftausdrücke vor mich hin.

Das Aufsammeln unserer Tourkollegen erfolgt wieder in Chivay. Ich hab inzwischen das Vulkanfoto auf mein Handy geladen und zeige es Yves, einem fotobegeisterten Belgier, der mit uns unterwegs ist und gerade in den Bus steigt. Er ist aus dem Häus‘l und möchte das Spektakel auch live sehen, doch unsere Guides fahren mit dem Programm eisern fort.

Auf der Fahrt haben wir wunderschöne Ausblicke ins Tal, doch wir passieren einen Parkplatz nach dem anderen und bleiben erneut ohne Fotostopp grantig in unseren Sitzen. Henry sagt, dass wir beim Zurückfahren stehen bleiben und nun zum Condor Aussichtspunkt am Colca Canyon fahren müssen. Die Condore sind nämlich nur von circa acht bis zehn Uhr unterwegs, weil da die Thermik am besten passt.

Der Colca Canyon zählt zur Canyon-Elite der Welt und stellt mit seinen knappen 3.300 Metern Tiefe den Grand Canyon (1.800m) locker in den Schatten. Im Canyon leben neben kleineren Vögeln auch die Condore. Wir sehen zwei der Vögel schon beim Aussteigen von der Straße aus und werden von Henry nach vorne zu einem Aussichtspunkt geschickt. Von hier haben wir perfekten Blick in den tiefen Canyon, dessen massive Steilwand vis-a-vis ohne ordentlicher Kopfdrehung gar nicht auf einmal mit den Augen zu erfassen ist.

Die Tiere segeln dank der warmen, aufströmenden Luft entspannt dahin. Wir sichten mindestens drei verschiedene Exemplare. Papa sei Dank habe ich das 210er Objektiv mit, ohne dem bei diesem Shooting absolut nix gehen würde. Die Vögel haben eine Spannweite von circa drei Metern; sind also riesengroß! Leider gibt es keine Möglichkeit, deren Größe auf den Fotos rüberzubringen, weil kein vergleichbares, bekanntes Objekt in unmittelbarer Nähe der Tiere ist.

Ein Condor setzt sich nur ein paar Meter unter uns auf einen Stein. Er rastet sich kurz aus, wird dann von einem anderen arglistig touchiert und hebt daraufhin wieder ab. Wir sehen am Gefieder, dass es sich um ältere Tiere handelt. Wie alt genau kann ich natürlich nicht sagen. Die Aaßfresser können aber bis zu 80 Jahre alt werden.

Henry treibt uns weiter zum nächsten Punkt, wo man wunderbar in den Canyon sieht. Am Weg dorthin haben zwei Niederländer, die wir gestern schon gesehen haben, ihre beiden Motorräder abgestellt. Sie sind mit den gelben NL-Kennzeichen durch Peru unterwegs, worauf ich gleich ganz neidisch bin.

Henry macht noch geschwind Fotos von uns, bevor wir weiter zum Condor-Kreuz fahren, wo wir ein paar Minuten Zeit haben, um von einem anderen Punkt aus in den Canyon zu schauen.

Am Weg zurück nach Chivay hat das Wetter unerwarteterweise ausgehalten und wir können die Fotos machen, die uns beim Hinweg ausblieben.

In Chivay betreten wir ein anderes Lokal zum Mittag essen. An der Türschwelle verabschieden wir uns von Jacky und Bernard, die noch eine Nacht in der „Colca-Lodge“ gebucht haben und deswegen umsteigen. Das Buffet hier ist noch kälter und auch noch weniger gut als gestern. Das mit dem Warmhalten haben sie in diesem Eck anscheinend generell nicht im Griff. Nach dem Reinfall geht die Fahrt mit nur einem Stopp zurück nach Arequipa. Wir unterhalten uns auf der Fahrt mit dem lustigen Belgier „Yves“, der das Weingut Heinrich und natürlich auch Blaufränkisch kennt.

Teilweise Regen, Hagel, Wind – gut, dass keine Stopps mehr geplant sind und wir nicht mehr aus dem Auto „müssen“. Vor uns hat sich eine irre Wolkenformation über dem Hochland gebildet. Es sieht aus, als ob sich ein Tornado zusammenbraut. Gott sei Dank tut sich aber nichts weiter.

Wir kommen zurück nach Arequipa und beziehen im selben Hotel dasselbe Zimmer. Es wird einmal geduscht und die Rucksäcke werden wieder ausgepackt. Ich gehe danach allein in das Kaffeehaus, in dem wir vorgestern zu Gast waren und schlage mein Büro auf, um am Beitrag weiterarbeiten zu können.

Eva, Andi und Bernie holen mich später ab und wir machen einen kleinen Spaziergang durchs Zentrum von Arequipa. Danach suchen wir das Burgerlokal, welches Andi über Tripadvisor ausfindig gemacht hat. So richtig überzeugen kann das Essen nicht, satt sind wir dennoch. Am Nachhauseweg verspüre ich immer noch leichtes „Ulla“, obwohl ich gar nicht viel gegessen habe.

Heute haben wir wie erhofft das noch ausständige Nationaltier der Peruaner live und in voller Pracht gesehen und auf unserer Liste abgehakt. Wir werden den morgigen, letzten vollen Tag im Land der Inka gemütlich angehen.

7 Gedanken zu „🦅 Colca Canyon Tour“

  1. Hi Bauz, sehe mir gerade die sensationellen Fotos an und verliere mich in die Details.
    ? wow, nicht nur die spektakuläre Landschaft, Stimmung durch das Wetter mit den Lichtverhältnissen und die Tierwelt von Alpaca bis Kondor – sogar des Hündchen beim rausgucken. Selbst eine leere Straße in den Pampas habe ich gefühlte Minuten lang betrachtet.
    ? wow nochmal für das G´spür im richtigen Moment den Auslöser zu drücken und das Motiv optimal zu erwischen.
    D A N K E

    1. Hallo Papa! Nocheinmal danke, dass du mir das Obejktiv geborgt hast. Ohne dem wäre nur ein Drittel der Fotos in Peru möglich. Es ist super, aus der Distanz Leute zu knipsen, oder nahe an Tiere ranzukommen, ohne sie zu verscheuchen. Ich glaub‘ wir müssen uns wirklich über das 600er unterhalten ???‍♂️
      Bis bald!!!

  2. Hallo ihr peruanischen Burgenländer!
    Habe deinen Beitrag gerade jetzt gelesen. ?
    Noch mal von meiner Seite großes LOB und RESPEKT für die viele Arbeit die du in deinen Reiseblog legst.
    Es ist das Eine eine Doku bzw Filmbeitrag über die Länder im Fernsehen zu sehen oder das Andere zu wissen, dass da “drüben” jemand herumfährt, fotogrfiert und schreibt den man kennt. ?
    Da ich ja auch gerne Augenblicke knipse, finde ich eine riesige Anzahl deiner Aufnahmen erstklassig mit den jeweiligen Blickwinkeln die du wählst. ?
    Quasi wie mein Vorschreiber meint, einfach WOW! ?

    1. Vielen Dank, Ronny! Con mucho gusto!!
      Es macht viel Spaß, ist aber, wie du schon gesagt hast, viel Arbeit. Bald geht‘s nachhause und dann kommt noch einmal Arbeit, da ich alle Fotos durchschauen muss. In den zweienhalb Monaten ist einiges zusammengekommen ??

  3. Hallo!
    Als begeisterter Leser Deines Blogs (habe alles seit Vietnam nachgelesen) freue ich mich täglich auf die Fortsetzung. Du schreibst so, dass man das alles auch ohne Bilder schon richtig miterleben kann, die Super Fotos machen dann noch das Vergnügen komplett!
    Beonders faszinierend sind vor allem die Bilder vom Vulkanausbruch und vom Condor!
    Wünsche Euch noch viele schöne Reiseerlebnisse und tolle Fotomotive!
    Fritz

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