⛪️ Puno -> Arequipa

Der Party-Poncho hat bei mir allergische Reaktionen ausgelöst und ich musste deswegen vor dem Schlafen gehen eine Allergietabletten einnehmen. Die Nacht habe ich ganz gut überstanden, wenn man ständiges Aufwachen als ganz gut empfindet. In der Früh gibt’s eine Überraschung.

Das, was wir gestern als Hagel empfunden haben, war tatsächlich einer. Der Hagelsturm fegte über die Insel, sodass sich die Dorfältesten bereits über das Unglück ausgetauscht haben. Zunächst bekommen wir von all dem nichts mit.

Unser Frühstück ist sehr zeitig angesetzt. Als ich aufstehe und vom Zimmer rausschaue, steht Andi in einem Haufen Hagelkörner, die wegen der Kälte die ganze Nacht erhalten blieben. Im Innenhof haben sich einige Hagelkornhaufen gebildet, die so gar nicht in unser halbwegs warmes Inselbild passen.

Zum Frühstück gibt es Palatschinken mit Marmelade. Ich esse natürlich nur die ledigen Palatschinken. Danach werden wir von Alfonso zum Hafen gebracht, wo wir auf unser Boot warten, das uns zurück nach Puno bringt. Wir verabschieden uns von den Gasteltern und steigen auf das Boot, das sich neben anderen im Hafen festgebunden hat.

Unsere Reisegruppe wird aber nicht direkt nach Puno übersetzen, sondern noch an einer Nachbarinsel anlegen. Bruno zählt nochmal sicherheitshalber durch und befindet die Gruppe für vollzählig. Es gibt also kein Halten mehr.

Eine Dreiviertelstunde fahren wir zu der Nachbarinsel, wo wir nur mit dem Notwendigsten vom Boot steigen. Nach einem kurzen Aufstieg, der an einem winzigen, lokalen Markt vorbeiführt, warten wir am Dorfplatz zusammen. Bruno meint, dass wir eine Fotoausstellung oder einen großen Textilverkaufsraum besuchen könnten, um ev. etwas zu kaufen. Wir entscheiden uns für das Kaffeehaus, in dem wir uns schwarzen, frisch gefilterten Kaffee, ein Inka-Kola und ein gepflegtes KitKat bestellen. Lange können wir die Ruhe aber nicht genießen, weil wir schon weitergehen. Bruno verspricht uns hoch und heilig, dass es von nun an nur mehr eben dahin oder bergab geht. Die Gruppe freut sich! Schließlich haben viele schlecht geschlafen und sind müde und matt.

Der Weg, den wir gehen, führt auf die andere Seite der Insel. Es ist ein gepflegter Weg, der bei jedem Schritt mit wunderschöner Aussicht glänzt. Seit es aufgehört hat zu regnen, hat nun die Sonne auch die letzten grauen Wolken über uns vertrieben.

Bruno hält hin und wieder an, um uns die Sträucher und Blumen zu erklären, die am Wegrand wachsen. Wir kehren bei einem Lokal ein, dessen Kulisse uns an Kroatien erinnert. Vor uns die vermeintlichen Inseln Krk und Cres. Passend dazu wird uns zuerst eine Suppe und dann Fisch serviert. Es gibt Forellen im See, die wir gegrillt mit Pommes und Gemüse bekommen. Für die Veggies gibt‘s Omelett, für die Veganer nix. Als wir auf‘s Essen gewartet haben, hat Wilson, der Chef des Wirtshauses, gezeigt, wie man Seife aus Kräutern selbst herstellt und diese dann verwendet, um frisch geschorene Schafswolle zu reinigen. Es hat bei seiner Demonstration super funktioniert!

Nach dem Essen bittet uns Bruno wieder auf unser Boot, das im Hafen ein paar Meter weiter angebunden ist. Es gibt bis Puno keinen Stopp mehr. Das bedeutet, dass wir zweienhalb Stunden ohne Pause unterwegs sein werden. Ich versuche auf der Fahrt ein bisschen Schlaf nachzuholen, doch mehr als eine halbe Stunde gelingt mir nicht.

Im Hafen von Puno verabschieden wir uns von Bruno mit Trinkgeld und werden von einem Shuttle zu unserem Hotel gebracht, wo wir unser Hauptgepäck zwischengelagert haben. Wir verhandeln mit dem Rezeptionisten, dass wir zu viert ein Zimmer bekommen, um uns duschen zu können. Wir können uns auf 32 Euro einigen und waschen uns nach der Reihe im Badezimmer.

Danach gehen wir zusammen auf die Touristenstraße von Puno. Hier gibt‘s einige Restaurants, von denen wir die Speisekarten vor den Eingängen studieren. Am Ende der Straße finden wir eines, das uns allen passt und nehmen Platz. Heute probiere ich ein Alpaka-Kotelette mit Gemüse und Pommes. Bei der Bestellung verlangen wir auch vier klare Piscos als Apperitiv. Zu unserer Verwunderung bekommen wir als Willkommensgetränk zusätzlich einen Pisco-Sauer serviert. Doppelt Spaß noch vor dem Essen!

Das Essen selbst schmeckt hervorragend und zählt nun zu einem meiner kulinarischen Highlights in Peru. Wir sind schon alle lustig drauf, als eine lokale Band den Raum betritt. Sie werfen ihre traditionellen Instrumente an und gleich die erste Nummer schiebt erstaunlicherweise komplett an. Andi und ich beschließen, der fünfköpfigen Band eine Runde Pisco zu schmeissen. Bei der Gelegenheit schließen wir uns selbstverständlich nicht aus. Als sie auch noch Guantanamera spielen ist fix, dass wir ihnen eine CD abkaufen.

Beim Zahlen der Rechnung fällt auf, dass all der Pisco soviel wie der Rest kostet. Wir gehen zurück zum Hotel, um unsere Sachen zu holen. Die heutige Nacht schlafen wir nämlich nicht hier. Wir werden mit einem Nachtbus nach Arequipa fahren. Ein Shuttle bringt uns um 21:00 Uhr zum Busbahnhof, wo wir unerwartet noch eine Stunde bis zur Abfahrt warten müssen.

Die sechs Stunden im Bus vergehen nicht so schnell wie gedacht. Trotz der weit zurückstellbaren Sitze mit Fußstütze können wir nicht so recht schlafen. Es ist viel zu heiß und gegen Ende der Fahrt sind auch noch Serpentinen zu bezwingen. Irgendwie überstehen wir auch die letzten Minuten im Stockbus und können in Arequipa an die frische Luft gehen. Mit unserem Gepäck setzten wir uns in das bereits wartende Taxi, das uns zum Hotel bringt. Die Unterkunft hat absolut perfekte Lage in unmittelbarer Nähe des Plaza de Amas.

Wir stehen alle vier neben unseren Schuhen und möchten nur noch irgendwie ins Bett. Das Einchecken bekommen wir hin und zu den Zimmern finden wir auch. Die sind samt Badezimmer sauber und schön. So können wir beruhigt ein paar Stunden schlafen.

Eva, Bernie und Andi gehen um halb zehn frühstücken, doch ich bleibe liegen. Die letzten 24 Stunden habe ich Schwierigkeiten mit meinem Darm und bin deswegen zusätzlich müde. Irgendwas habe ich bei der Gastfamilie nicht vertragen, das mein Körper nun loswerden möchte.

Kurz vor zwölf stehen Bernie (die sich nach dem Frühstück noch einmal dazugekuschelt hat) und ich auf und versuchen Eva und Andi über’s Handy zu kontaktieren. Da sie sich nicht zurückmelden, entscheiden wir, uns alleine in der Umgebung umzusehen. Am Plaza de Amas gehen wir fast eine ganze Runde unter den schönen Arkaden, bis wir bei einem netten Lokal einkehren, wo ich eine Kleinigkeit esse, um das versäumte Frühstück nachzuholen. Eine halbe Stunde später melden sich unsere beiden Freunde und kommen nach.

Da das Wetter noch schön ist und die Sonne scheint, wollen wir die Chance nutzen, um das berühmte, bunte Kloster von Arequipa zu besuchen. Gleich beim Eingang fängt uns eine Mitarbeiterin ab und bietet uns eine Führung auf deutsch an. Begeistert buchen wir die Dame sofort und lassen sich von ihr durch das Kloster führen. Der Bau wurde im 16. Jahrhundert von einer reichen Witwe initiiert und der heiligen Katharina gewidmet.

Nur zweitgeborene Töchter reicher Familien konnten und mussten Nonnen werden. Die Eltern gaben den Kindern wertvolle Mitgifte auf den Weg mit und mussten zusätzlich eine jährliche Gebühr bezahlen. Die ersten vier Jahre verbrachten die anfangs zwölfjährigen Mädchen in einem komplett abgeschotteten Bereich des Komplexes. Jede von ihnen hatte ein eigenes Zimmer, das für Klosterverhältnisse überdurchschnittlich groß ausfiel. Nach den vier Jahren kamen sie in den anderen, viel größeren Bereich der länger dienenden Schwestern. Sie erhielten eine eigene Wohnung und konnten je nach finanzieller Lage der Eltern auch bis zu drei Dienerinnen haben.

Der Alltag der Nonnen bestand hauptsächlich aus Beten. Für anstrengendere Tätigkeiten, wie z.B. Wäsche waschen oder Kochen, waren die Dienerinnen da. Die Nonnen selbst durften ihr Leben lang nicht nach draußen, da alles, was sich jenseits der Mauern befand, als unrein galt. Lediglich deren Dienerinnen konnten hinaus, um einzukaufen oder andere Dinge zu erledigen. Bei der Rückkehr mussten sie ihren kompletten Körper in einem Freiluft-Becken waschen. Bei kaltem Wasser, bei jeder Temperatur und auch bei jedem Wetter.

Im 19. Jahrhundert wurden durch eine Reform die Dienerinnen abgeschafft und die Nonnen mussten sich von nun an selbst um alles kümmern. Speziell bei höhergestellten Schwestern wurde dies geschockt aufgenommen.

Nach der ausführlichen Tour möchten wir noch einmal in Ruhe eine Runde drehen, um gemütlich Fotos zu schießen. Leider spielt das Wetter nicht mehr so toll mit, wie zuvor. Es hat zugezogen und deswegen ist nur wenig Licht verfügbar. Nachfolgend ein paar Eindrücke des „Santa Catalina“ Klosters:

Nun möchten wir einen zweitägigen Ausflug ins Colca-Tal buchen. Bei zwei Touristenbüros werden wir mit deren Angebot nicht zufriedengestellt. Bei manchen Touren wollen sie uns schon um 03:00 Uhr abholen, was für ein absolutes K.O.-Kriterium ist.

Andi hat im Vorfeld von unserem Hotel bereits zwei Angebote bekommen, die wir uns nach Rückkehr zu jenem noch einmal präsentieren lassen. Die Zwei-Tages-Tour hat uns mit dem Programm und vor allem mit dem tollem Hotel überzeugt. Mit Vorfreude buchen wir die Tour.

Nun möchten wir etwas essen gehen. Wir haben das Meerschwein schon so lange vor uns hergeschoben, dass wir uns heute selbst keine Ausreden durchgehen lassen. Noch im Hotel fragen wir die Dame bei der Rezeption, wo man das beste „Cuy“ der Stadt bekommt. Sie macht uns zwei Restaurant-Vorschläge, die wir nun aufsuchen, um deren Speisenauswahl und Preise zu studieren.

Im Endeffekt landen wir ganz wo anders. Das Lokal hat super ausgeschaut und auf der Speisekarte war eine ganze Seite nur mit Meerschweinchen-Gerichten. Das Restaurant ist groß, doch wir sind momentan die einzigen Gäste.

Bis die Getränke kommen, dauert es schon einmal ewig. Das bestellte Arequipeña Bier kann leider mit dem Konkurrenten aus Cusco nicht mithalten und wird bestimmt nicht mehr nachbestellt. Endlich kommt auch das Essen. Andi und Eva teilen sich ein Meerschwein im Ganzen, ich bekomme Stücke ohne Kopf in Champignonsauce serviert.

¡Aproveche!

Eva ist hellauf begeistert. Andi grausts schon beim Auslösen eines Grillhendls und ist deswegen nicht so angetan. Ich muss sagen, dass ich mir geschmacklich etwas anderes erwartet habe. Ich kann es mit nichts vergleichen, was ich schon einmal gegessen habe. Die Haut ist noch zäh, zwischen ihr und dem bisschen Fleisch ist viel Fett – es ist echt nicht mein Fall. Vielleicht liegt’s an der Zubereitung oder an der Küche. Bernies Nudeln mit Gemüsesauce schmecken ihr nämlich auch nicht. Trotz des möglichen Pechs werde ich es kein zweites Mal mehr versuchen. Eva hingegen hat es sich fest vorgenommen.

Für mich gibt es einen Pisco als Zertrümmerer, bevor wir zahlen und heimwärts gehen. Der halbe Tag in Arequipa war sehr gemütlich und daher eine willkommene Abwechslung der letzten Tage. Mit neuen Erfahrungen und Eindrücken kommen wir ins Hotel zurück. Wir hoffen, dass morgen das Wetter mitspielt und wir eventuell bei unserer Tour auch Condore sehen können. Die Tiere fehlen uns noch auf der Liste der Peru-Klassiker. Lamas und Alpakas wären auch toll – von denen kann man nicht genug sehen. Von den Meerschweind‘ln hab ich momentan genug.

7 Gedanken zu „⛪️ Puno -> Arequipa“

  1. „Alaba dos el santisimo sacra …“ aaaah da Alaba war a schon da. Hallo ihr 4 in einem Zimmer. Ein super Beitrag wieder und trotz wenig Licht spitzen Fotos. Bewundernswert, dass ihr euch über die „Meafaln“ drübertraut habt’s.
    Liebe Grüße

  2. Hey ihr lieben! Sag wie kalt ises da bei euch eigentlich? Mir ist jetzt schon öfters aufgefallen das ihr ja schon gut angezogen seit wo hingegegen die einwohner oft ziemlich wenig anhaben? Und vorallem wenns da sogar gehagelt hat ? und andererseits scheint so schön die sonne bzw ist es grün und blüht sogae das man glauben könnt es wär echt gemütlich warm 🙂

    1. Hi Ines! Es ist sehr unterschiedlich mit den Temperaturen. Manchmal glaub ich, ich erfrier und muss die lange Unterhose anziehen und manchmal wäre die Kurze auch OK. Momentan ist Regenzeit, deswegen ist das Grün gar so satt :))

    2. Hey Ines!
      Also im Rucksack hab ich immer alles mit, denn es passiert fast täglich, dass du mit zuerst mit Trägerleiberl rummrennst, dann is die Sonne weg und du brauchst eine Weste, mit Wind brauchst du dann auch noch die Daune, weils ordentlich frisch is & wenn der Regen auch noch kommt, holst die letzte Schicht auch aus dem Rucksack ?

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