😍 Machu Picchu

FĂŒr meine Reise habe ich zwei LĂ€nder wegen jeweils einer einzigen SehenswĂŒrdigkeit ausgesucht. Zum einen war das Kambodscha wegen Angkor Wat, das ich auf meiner Checkliste schon abgehakt habe. Peru war das zweite Land, das ich nur wegen einem besonderen Ort ausgesucht habe, um dorthin zu reisen: Machu Picchu!

Heute ist es endlich soweit. Wir werden von Gary sehr zeitig vom Hotel abgeholt und gehen mit ihm zur Bushaltestelle, von der aus im Minutentakt Busse zur alten Inka-Zitadelle fahren. Die Straße besteht lediglich aus planierter Erde und schlĂ€ngelt sich einspurig den steilen Hang hinauf. Bei entgegenkommenden Bussen muss auf etwas breiteren Stellen ausgewichen, oder gar zurĂŒckgeschoben werden. Alleine die Fahrt nach oben ist schon spektakulĂ€r wegen der steilen und hohen Berge, die das Tal einschließen. Der Weg ist neben der Fahrbahn dicht verwuchert und die vielen Luftwurzeln vermitteln Dschungelfeeling.

Die Anlage ist vom Eingang aus noch nicht zu sehen. Zuerst mĂŒssen wir in der Schlange stehen, um unsere Eintrittstickets scannen zu lassen. Dann steht noch ein fĂŒnfminĂŒtiger Aufstieg an, wonach wir zum ersten Mal Sicht auf diesen tollen, von Menschen auf nahezu unmöglichen Terrain gebauten Ort haben.

Machu Picchu – da bist du endlich! Ich habe schon so viele Fotos von dir gesehen und jede Menge Dokumentationen im Fernsehen. Doch hier zu stehen und mit dem natĂŒrlichen Weitwinkel meiner Augen auf dich runter zu schauen erfĂŒllt mich mit unglaublicher Zufriedenheit und Begeisterung.

Wir haben so seltenes GlĂŒck, in der Regenzeit genau am Tag unseres Besuchs strahlenden Sonnenschein zu haben. Ab und zu weht es Wolken ĂŒber die Ruinen, doch nach kurzer Zeit verschwinden sie auf der anderen Seite wieder. Wir haben die ersten Fotos hinter uns und steigen ĂŒber hohe Steintreppen auf einen höheren Bereich, wo uns Gary Hintergrundinfos ĂŒber Machu Picchu gibt. Dabei fĂ€llt mir seine Aussprache auf. Er sagt „Matschu Piktschu“. Ich frage ihn, was nun richtig ist, „Pitschu“ oder „Piktschu“. Gary meint, dass man das K unbedingt mit aussprechen sollte, da es sonst nicht „alter Berg“, sondern „alter Penis“ heißt.

Machu Picchu wurde im 15. Jahrhundert mit grĂ¶ĂŸtem Aufwand erbaut und nie fertig gestellt. Wieder stand der Kult des Sonnengotts im Mittelpunkt. Verschiedene Tempel und OpferstĂ€tten weisen darauf hin. Die Inkas legten großen Wert auf die Sonne und nutzten bestimmte Einstrahlungswinkel als Bestimmung eines Kalendertags. Den eigentlichen Grund, warum die Stadt ĂŒberhaupt errichtet wurde, bleibt bis heute ein RĂ€tsel. Fest steht, dass sie geheim war und deshalb von den zerstörungswĂŒtigen, ach-so-chistlichen Spaniern zum GlĂŒck nicht entdeckt wurde. Offiziell wurde die Stadt Anfang des 20. Jahrhunderts wiederentdeckt (lt. Wikipedia gibt es Aufzeichnungen, dass sie schon davor immer wieder Teil von Besitzkonflikten war und auch auf Landkarten eingezeichnet war).

Nach etlichen weiteren Fotos fĂŒhrt uns Gary hinunter, mitten ins Zentrum des damals bewohnten Bereichs. Wir sind beeindruckt von dem Komplex, den man an diesem Ort gebaut hat. Und immer wieder diese grandiose Aussicht auf die Berge rundherum – das, zusammen mit der exakten Baukunst der Inka und dem herrlichen Wetter, machen den Aufenthalt zu einem Erlebnis, das wir bestimmt nicht mehr vergessen.

Wir beenden die Tour mit Gary und dĂŒrfen nun die Ruinen auf eigene Faust erkunden. Andi besorgt uns dankenswerterweise GetrĂ€nke, um fĂŒr die zweite Runde fit zu sein. Das Inca-Cola schiebt mich die vielen Stufen zu dem Aussichtspunkt, an dem wir uns in die Wiese setzen. Doch bevor ich mich setze, sehe ich an einem anderen Aussichtspunkt die Möglichkeit, das Foto zu machen, das ich schon vor der Reise im Kopf hatte.

Also schnapp‘ ich schnell meine Fototasche und sprinte, entgegen dem Einbahnstrom der Menschen, ignorant an dem ermahnenden Aufseher vorbei, der gar nicht mehr zum Pfeifen kommt, dann durch‘s Bild einer brasiliansichen Reisegruppe zu dem Platz, an dem ich die perfekte Perspektive vermutet hatte. Ich wollte ein Weitwinkel der Inka-Stadt aus genau dieser Perspektive mit einem Lama im Vordergrund. Ich habe das Tier von dort drĂŒben genau da stehen gesehen. Es ist zwar nicht exakt das, was ich im Kopf hatte, aber nĂ€her werde ich dem kitschigen Bild in meinem Kopf nicht kommen. Hier ist das Foto, das meiner Meinung nach Peru auf ein paar Megapixel beschreibt:

Ich bin Ă€hnlich stolz wie bei dem Foto der Frau im Boot bei der Mekongdelta-Tour in Vietnam oder dem Zwergseepferdchen beim Tauchgang in Malapascua auf den Philippinen. Das waren auch Bilder, die ich im Vorhinein schon im Kopf hatte. Ich weiß, dass manche Leute nicht so viel Wert auf Fotos legen, aber es sind fĂŒr mich einige der wenigen Souveniers, die ich aufgrund des Gewichtlimits meines GepĂ€cks mit nachhause nehmen werde. Bitte entschuldigt daher die Selbsthuldigung und meinen lauten Stolz im Blog â˜ș

Als ich wieder zurĂŒck zu den anderen komme, laufen weitere Lamas auf der selben Terrasse herum. Andi und ich versuchen Fotos mit ihnen zu machen. Ein paar lustige Bilder gelingen!

Wir sitzen noch ein bisschen auf der Terrasse und genießen die Aussicht auf Machu Picchu. Dann gehen wir nach unten und nehmen den Abschneider zum Ausgang. Es war gut, dass wir das GelĂ€nde frĂŒher verlassen haben, denn vor der Bushaltestelle hat sich bereits eine lange Schlange gebildet. Es geht aber sehr flott vorwĂ€rts, da die Busse in hoher Frequenz zufahren.

In Aguas Calientes gehen wir gemeinsam mit Steve aus New York City etwas essen. Auf der Suche nach einem Restaurant sehen wir eine Frau mit einem Papagei auf dem Gehsteig sitzen. Wir gehen zu ihr hin und fragen, ob wir Fotos machen dĂŒrfen. Sie bietet uns gleich an, den Vogel auf uns zu setzen. Er heißt Otto. Otto kraxelt von einer Hand auf die andere und gleich bis auf die Schulter, wie bei einem Piraten. Auf mir sitzt er auch und zwickt mich ins Ohr! Danach macht er dasselbe bei Andi, nur stĂ€rker. Genug – Otto muss zurĂŒck zur Vogelmama. Wir sind nĂ€mlich hungrig.

Vom Hotel in Aguas Calientes holen wir unsere RucksĂ€cke und gehen zum Bahnhof. Im Zug haben Bernie und ich leider genauso wenig GlĂŒck wie beim Hinfahren – gegen die Fahrtrichtung und auf der Bergseite. Wenigstens spritzt es nicht beim Fenster rein. Endstation ist Ollantaytambo, wo wir vom Busfahrer empfangen werden. Diesmal geht es zwei Stunden ohne Sightseeing Stopp zurĂŒck nach Cusco in das Hotel, wo wir die großen RucksĂ€cke abgegeben haben. Die Fahrt nach Cusco ist ein Horror, weil der Chauffeur Ă€hnlich wie der auf den Philippinen fĂ€hrt und die Straßen noch schlechter sind. So ist der ganze Transfer eine einzige Katastrophe, die den nahezu perfekten Vormittag in den Schatten stellt, weil ich mich so Ă€rgere.

In Cusco beziehen wir wieder ein Zimmer mit getrennten Betten. Da ich schon so genervt von den letzten drei Stunden bin, bleiben wir in diesem und stehen fĂŒr eine Nacht drĂŒber. Eva, Andi, Bernie und ich gehen in das Lokal, in dem wir an meinem ersten Tag in Cusco zu Mittag gegessen haben. Als Starter gibt es Schnaps und Bier, um den halben Tag zu feiern und die andere HĂ€lfte zu vergessen. Es gibt Ölkreiden und Papierunterleger am Tisch, die wir ordentlich zukritzeln. Mit Tic-Tac-Toe, Hangman und sonstigen Zeichnungen. Das vorgenommene Meerschwein bleibt dabei nur am Papier und kommt nicht auf den Teller. Es ist keiner in Experimentierlaune.

Der Abend endet trotzdem lustig. Morgen werden wir schon wieder so frĂŒh abgeholt. Wir haben eine lange Fahrt mit dem Reisebus vor uns. Es geht von Cusco nach Puno. Diese Stadt liegt direkt am Titicacasee auf 3.800 Höhenmetern. Ich bin schon gespannt, weswegen uns die Luft mehr weg bleibt – wegen der schönen Landschaft oder dem Sauerstoffmangel.

14 Gedanken zu „😍 Machu Picchu“

  1. Waaaaahhh ich bin sowas von neidisch, wollte sagen freu mich fĂŒr euch .. hust. Und dann DAS Erlebnis noch mit so wunderschönen Fotos festgehalten! Chapeau! Und ich frag mich schon jetzt ob ĂŒberhaupt noch Platz is an euren vier WĂ€nden fĂŒr die vielen Mega-Fotos von all euren Reisen rund um die Welt! ???

  2. Saugeil!!!! Postkartenbilder!!! Ich fotographiere auch sehr gerne.

    Das erste Meerschweinchen geht auf mich! Wer traut sich? Oder ist noch niemand hungrig genug….Nein, ich weiß es gibt bestimmt auch andere, viel leckere Sachen, ich verstehe das natĂŒrlich. 🙂

    Viel Spaß euch 4 morgen auf dem nĂ€chsten steilen Berg!

  3. Hi, Pauli… du darfst dich selber huldigen ?! Du machst echt sau-gute Fotos. Ich kenn einige Fotografen, die damit Geld verdienen versuchen (seit es ein freies Gewerbe ist). Die sollten mal zu dir in einen Grundkurs gehen. Deine Fotos sind mir Inspiration, mir wieder eine Kamera zuzulegen ? Lg an alle

    1. Servas Roman!! Danke dir! Ich weiß, dass du schon lĂ€nger ĂŒberlegst, dir eine zu kaufen. WĂŒrd mich fĂŒr dich freuen, wenn‘s nun bald soweit ist ? Reden wir uns zusammen – wenn du magst, kann ich dir ein paar Tipps vor dem Kauf geben.??‍♂

  4. Bin auch der Meinung, Pauli, dass Du Deinen Beruf verfehlt hast: Du solltest Autor UND Fotograf sein. Deine Berichte und Deine Bilder sind unbeschreiblich!!! ?????

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