⛰⛰ Das heilige Tal

Unser Aufenthalt in Cusco ist vorübergehend um. Wir werden heute Morgen um 07:30 Uhr von unserem Hotel abgeholt, um unsere 6-Tages-Tour anzutreten. Ein weißer Kleinbus holt uns ab und sammelt auch noch andere Touristen ein. Insgesamt sind wir zwölf Personen, die zumindest die ersten beiden Tage an der Tour teilnehmen.

Unser Hauptgepäck müssen wir in einem Hotel in Cusco lassen, weil wir eine Nacht woanders verbringen und nur das Notwendigste mitnehmen dürfen. Bevor wir unsere Fahrt nach Machu Picchu antreten, werden wir noch ein paar Sehenswürdigkeiten besichtigen. Unser Guide „Gari“ begrüßt uns offiziell und kündigt schon den ersten Stopp unserer Tour an.

Awanacancha

Es handelt sich um ein sehr gepflegtes Lama und Alpaca Gehege, wo man die Tiere füttern kann und im Gegenzug ein oder zwei Sol in eine Trinkgeldbox wirft.

Die Tiere haben nichts anderes als fressen im Sinn und lassen sich so gut wie gar nicht streicheln, wie wir bei den Personen vor uns beobachten. Die Kameliden reissen an den saftigen Buschen Grünzeug, die wir ihnen hinhalten, als wäre es ihre Henkersmahlzeit.

Im dazugehörigen Museum zeigen Peruaner, wie die Wolle gesponnen und gefärbt wird und auch, wie die aufwändigen Muster in die Stoffe gewebt werden. Für den richtigen Kontrast sorgt ein kleines Kind, dass inmitten der sorgfältig hergerichteten Kulisse eines einfachen peruanischen Hauses auf einem sprechenden Lerncomputer herumdrückt. Wir finden es lustig.

Bevor wir wieder zum Bus gehen, werden wir wie selbstverständlich in einen Verkaufsraum gebeten. Jedoch alles, ohne aufdringlich zu sein oder dazu gezwungen zu werden.

Aussichtspunkt – Urubamba Tal

Bevor wir nach Pisac kommen, bleiben wir am Weg an einem Aussichtspunkt stehen. Das Panorama ist eine Wucht! Die Berge sind grün bewachsen und die Wolken liegen wie eine kuschelige Decke auf den Gipfeln.

Die peruanischen Souvenierverkäufer wissen auch, dass viele Touristenbusse hier Halt machen. Besonders nervig sind die, die Pfeifen anbieten. Leider keine zum Rauchen, die wären wenigstens leise. Diese Pfeifen sind in Form eines Vogels geschnitzt und wenn man sie richtig zu bedienen weiß, dann hört es sich auch wie Gezwitscher an. Mich nervt sowas und zu meiner besonderen Freude hat der Amerikaner aus unserer Gruppe so ein Klumpert gekauft. Zu meiner tatsächlichen Freude ist er unfähig, es richtig zu bedienen. Das Ding bleibt stumm.

Pisac

Nachdem alle wieder im Bus sind, fahren wir nach Pisac. Eine Bergstraße schlängelt sich Serpentine für Serpentine zum Eingang der alten Inka-Siedlung. Wie bei jeder dieser Stätten gibt es auch bei dieser Terrassen. Sie reichen bis ganz nach unten ins Tal. Es wurden Mais, Weizen und Erdäpfel angebaut. Durch das „Labor“ von Moray, bei dem wir gestern waren, wussten die Quechua ganz genau, welche Samen auf welcher Höhe gepflanzt werden mussten, um den bestmöglichen Ertrag zu erzielen.

Eine Besonderheit neben dem wahnsinnig tollen Ausblick, ist der Friedhof. Die Bewohner schlugen Löcher in die Steinwand vis-a-vis der Behausungen. Dort drinnen wurden die Angehörigen begraben. Für die höherrangigen Einwohner gab es vor dem Grab noch eine Art Häuschen.

Wir gehen gemeinsam mit Gari bis zum höchsten Punkt der Siedlung und genießen den Ausblick ins Tal und zu den umliegenden Bergen. Vielen Touristen, die ebenso nach oben kommen, bleibt die Luft weg. Es sind auch einige Stufen, die man rauf gehen muss und das ist auf dieser Höhe nicht so easy.

Urubamba

Es ist schon kurz vor zwölf, als wir Pisac verlassen. Deswegen halten wir in Urubamba um zu essen. Gari sagt uns, dass wir in ein Restaurant einkehren, in dem es ein Buffet geben wird. Der Preis pro Person soll zwischen 60 oder 90 Sol liegen. Das sind umgerechnet circa 20 bzw. 30 Euro und unserer Meinung nach viel zu teuer für Peru. Ich frage von ganz hinten nach vorne unseren Guide, ob wir uns trennen können und eine Gruppe in ein anderes Lokal mit authentischeren Preisen gehen kann. Gari ist natürlich einverstanden, da das Mittagessen sowieso nicht im Preis der Tour inbegriffen ist und fragt sicherheitshalber die Runde, wer denn zum (teuren) Buffet möchte und wer mit uns in das normale Lokal gehen mag. Da ich die günstigere Version aufs Tablett gebracht habe, zeigt niemand mehr für das Buffet auf.

Also checkt uns Geri ein Lokal mit ausreichend Sitzplätzen. Schon beim Bestellen gibt es Schwierigkeiten, obwohl es nur zwei verschiedene Speisen am heutigen Tage gibt. Der Kellner schafft es nicht, uns das ordentlich zu erklären – selbst auf Spanisch nicht. Wir bestellen etwas im Glauben zu wissen, was es ist. Für Bernie machen sie Nudeln mit Gemüse.

Als wir alle schon unser Essen haben und schon bei der Hälfte sind, hat Bernie immer noch nichts. Sie fragt den Kellner, wann die Nudeln kommen. Kurz darauf bringt er endlich den Teller, jedoch mit Champignon, die sie ausdrücklich abbestellt hat. Der Teller geht zurück und kommt nach 20 Sekunden wieder aus der Küche. Klar haben sie die nur rausgefischt – der Geschmack bleibt. Nachdem ich dann mit dem Teller zum Chef gehe und ihm klar mache, das wir nicht auf der Nudelsuppe dahergeschwommen sind, wird das Gericht frisch zubereitet. Es geht sich alles noch ganz genau aus, bevor wir weiterfahren. Als Entschuldigung wird Bernies Essen nicht verrechnet.

Ollantaytambo

Mit vollem Bauch bringt uns der Bus nach Ollantaytambo. Ihr fragt euch sicher, woher die komischen Ortsnamen kommen, da das vom Spanischen weit entfernt ist. Es sind die Ortsbezeichnungen in der Sprache der Quechua, die alle eine Bedeutung haben. An der Stelle möchte ich erwähnen, dass es das Inka-Volk so gar nicht gegeben hat. Das Volk wird nämlich als Quechua bezeichnet und nur die hohen Priester bzw. Könige sind Inka. Da Inka aber weiter verbreitet und allgemein gebräuchlich ist, werde ich in meinen Berichten darauf auch keine Rücksicht nehmen. Aber jetzt wisst ihr‘s auch ☺️

Ollantaytambo wurde vom Krieger Ollantay gegründet und der Tempel der Anlage wurde dem Gott der Sonne gewidmet. Auch hier gibt‘s freilich Terrassen, die wir gemeinsam mit Gari bis zum hochgelegenen Tempel hochwandern. Von da oben hat man einen guten Überblick über das Dorf und die Berge, die es umschließen. Auf einem Berg gegenüber sind Ruinen eines Speichers zu sehen, in dem früher Getreide und andere Nahrungsmittel gelagert wurden, da die Ventilation am Berg kaum etwas verderben ließ.

Auf der anderen Seite des Tals zeigt uns Gari den Berg, von dem die Steine zur Erbauung der Anlage geholt wurden. Eine extreme Distanz! Die Steinblöcke wurden auf Geröll und Holzstämmen herbeigeschleppt und über Rampen auch zu den höchsten Stellen des Tempels gebracht. Genau wie die Ägypter bei ihren Pyramiden.

Inca Rail

Als wir wieder von der Tempelanlage runterkommen, bringt uns Gari zum Bahnhof, von wo aus wir nach Aguas Calientes fahren. Der Bahnsteig erinnert gemeinsam mit den alten Zügen ein bisschen an Harry Potter. Wir reisen in der „Executive“-Klasse in Ledersitzen, die bereits vorreserviert sind. Andi und Eva sitzen glücklicherweise in Fahrtrichtung, während Bernie und ich an einem anderen 4er-Tisch in die entgegengesetzte Richtung schauen.

Wir würden uns damit abfinden, wenn es vom leicht gekippten Fenster nicht auch noch reinregnen würde. Bernie und ich tauschen Platz, dass es mich anregnet.

Um unser Unglück zu komplettieren sitzen wir auf der Bergseite der Zugstrecke. Bernie greift daher zum Buch und ich schreibe beim Beitrag weiter. Hin und wieder werfe ich einen Blick nach draußen und merke, wie nach einer Stunde Fahrt die Vegetation nach und nach auf Dschungel wechselt.

Der Wagon hat auch ein WC. Am Häus‘l sitze ich endlich mal in Fahrtrichtung und es spritzt nicht beim Fenster herein. Wäre es auch noch auf der Seite mit der schöneren Aussicht, würde ich am liebsten gleich sitzen bleiben.

Aguas Calientes

Am Ziel angekommen, werden wir von einer Frau abgeholt, die uns zum nahegelegenen Hotel bringt. Am Weg fällt Andi auf, dass seine Sonnenbrille weg ist. Also lassen wir die Mädls einchecken und sprinten in der Zwischenzeit zurück zum Bahnhof. Alles Suchen und Fragen hilft nichts, die Brille ist weg. Erfolglos kehren wir zurück zum Hotel.

Die Mädls haben bereits alles im Griff und wir bekommen unsere Zimmerschlüssel. Wir bringen nur unsere Sachen rauf und gehen gleich etwas Essen. Zufällig suchen wir uns ein Restaurant aus, in dem Steven aus unserer Reisegruppe bereits ein Meerschwein bestellt hat.

Wir heben uns die Regionalspezialität für die nächsten Tage auf. Nach dem Essen bestelle ich einen Pisco, der mir vom Chef empfohlen wurde. Er schmeckt gut und wird mich bestimmt sehr gut schlafen lassen. Genau das müssen wir jetzt auch. Morgen sehen wir einen von Perus größten Schätzen.

Ich muss den Beitrag korrigieren. Es kam doch noch ein Pisco dazu … 🍸🍸

3 Gedanken zu „⛰⛰ Das heilige Tal“

  1. Ich seh den Amerikaner mit der Vogel-Pfeife. ?

    Die Sitze im Zug schauen sehr gemütlich aus. Am Foto sieht man aber auch nicht, dass es zieht und rein regnet. ?

Antworte auf den Kommentar von Dieter Ramusch Antwort abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert