🧐 Hochkultur erkunden mit Cesar

Ich wache auf wie gerädert und Kopfweh hab ich auch. Der gestrige Tag mit vollem Programm auf enormer Seehöhe hat meinen Körper beleidigt. Es hilft aber alles nix – auch heute gibt’s Programm. Und das beginnt gleich um halb acht Uhr morgens. Unser Fahrer ist gleichzeitig Guide und heißt Cesar. Er holt uns pünktlich vom Hotel ab.

Wir haben heute einiges vor. Die private Tour wird den ganzen Tag dauern und wir werden einige Kilometer mit Cesars Auto zurücklegen. Hinten sitzen Eva, Bernie und ich und vorne sitzt unser Co-Reiseleiter Andi, der schon Peru-Erfahrung hat.

Moray

Die Anlage Moray besteht aus drei Senken, in denen in Kreisform Terrassen angelegt wurden, um Getreide und Kartoffeln anzubauen. Doch es war keine gewöhnliche Anbaufläche. Vielmehr handelte es sich um ein Versuchsgelände, in dem auf jeden Mikroklima der einzelnen Ebenen das Wachstum der Pflanzen studiert wurde.

Die Ebenen wurden erstaunlicherweise auch dazu benutzt, um die Saat an die sehr hochgelegenen Agrarflächen der Inka zu akklimatisieren. Denn jede Ebene schuf ein bestimmtes Mikroklima, das viel höhere Lagen imitierte, als die Terrassen eigentlich hatten. So wurden die Samen der Planzen jedes Jahr höher gesetzt, um sie später in den höchsten Bergregionen Perus anzupflanzen.

Cesar hat uns genügend Zeit gegeben, um das Gelände rund um die drei Dolinen zu erkunden. Alles passiert unter Aufsicht von Wächtern, die bei Betreten von gesperrten Bereichen mit der Trillerpfeife ermahnen. Uns muss man auch einmal anpfeifen, wobei man der Fairness halber sagen muss, dass der gesperrte Bereich nicht eindeutig als solcher gekennzeichnet ist.

Maras

Wir fahren nur ein paar Kilometer um‘s Eck in ein anderes Tal. Hier liegt der Ort Maras mit seinen über 1.000 dicht nebeneinander angelegten Salinen. Die Salzbecken wurden den Hang abwärts angelegt und von verschiedenen Familie betreut. Jede Familie besitzt drei oder vier Salinen, die von ihnen bewirtschaftet werden.

Interessant ist, dass das Salzwasser aus einer Quelle in den benachbarten Bergen gespeist wird. Durch ein aufwändiges Rinnensystem kann das Wasser zu allen Salinen geleitet werden.

Wir stecken die Finger in die Hauptrinne, die vom Berg kommt und testen dann mit der Zungenspitze den Salzgehalt. Das Wasser ist tatsächlich wahnsinnig salzig!

Wir sind sehr beeindruckt von der Größe bzw. Menge der Salinen, die an diesem unwirklichen Ort schon eine Ewigkeit bewirtschaftet werden. Der Tourismus bringt der Region nebenbei noch ein paar Extragroschen.

Andahaylillas

Wir hüpfen wieder ins Auto von Cesar. Er meint schon beim Wegfahren, dass wir nun länger unterwegs sind. Wir fahren circa eineinhalb Stunden durch das heilige Tal und passieren dabei interessante Dörfer.

Besonders aufgefallen ist uns ein Dorf, in dem sich alles um das Meerschweinchen dreht. Allerdings nicht als Haustier, sondern als Delikatesse. Am Straßenrand stehen Frauen, die ganze, gebratene Meerschweinchen am Spieß anbieten und damit den Autofahrern winken. Sogar eine große Meerschweinchenfigur steht bei der Einfahrt der Ortschaft.

Andahaylillas ist bekannt für seine Kirche, die dem Heiligen Petrus gewidmet ist. Ich bin komplett erledigt von einfach allem. Deswegen passe ich beim Besichtigen der Kirche. Bernie geht auch nicht mit. Cesar dreht mit Eva und Andi die Runde in der Kirche.

Bernie und ich rasten derweil draußen. Ich hole mir ein Inca-Kola, das mich zu meinem Erstaunen in wenigen Minuten ins Reich der Lebenden zurückholt. Es schmeckt wie ein trinkbarer Kinderkaugummi und die Farbe ist so neon-gelb, dass eigentlich alles Vernünftige in einem sagt: „Oida, trink das um Himmels Willen ja nicht!“. Geiles Teufelszeug!

Andi und Eva sind fertig und Cesar gibt uns eine Stunde, um etwas zu essen. Wir gehen ein paar Meter weiter in den Ort und sind sich einig bei der Auswahl des Lokals. Es hat einen schönen Gastgarten im Inneren und einen Wintergarten, in den wir uns an einen Tisch neben 16 US-Amerikanern setzen. Wir bestellen und merken, dass die Kellnerin nicht ihren besten Tag hat. Als die Amis aufstehen und gehen, serviert die Kellnerin fast volle Teller von deren Tisch ab. Sie haben nahezu alles übergelassen. Wir befürchten Schlimmes.

Doch zu Unrecht! Das Essen schmeckt spitze und wir lassen nicht einmal viel über. Wir bezahlen die mürrische Frau und gehen zurück zu Cesar, der die ganze Zeit auf uns gewartet hat.

Portada de Rumiqolqa

Ein ungeplanter Stopp auf der Route ist eines der Tore, durch die man damals nach Cusco reiste. Leider nicht mehr übergeblieben ist das Aquädukt, das über das Tor führte.

Ich versuche eine gute Position zum Fotografieren zu finden und gehe einen kleinen Hang nach oben. Nach ein paar Metern pfeift schon jemand in meine Richtung. Anscheinend hätte ich nicht hier rauf dürfen und muss deshalb wieder nach unten. Für ein Foto hat‘s wenigstens gereicht.

Piquillacta

Gleich neben dem großen Tor befindet sich Piquillacta. Der Name bedeutet übersetzt „Flohdorf“ und heißt deswegen so, weil die Bewohner so klein waren. Die müssen wirklich besonders klein gewesen sein, da die Peruaner generell klein gewachsene Menschen sind.

Wir können eine große Runde durch die Ruinen machen, währen Cesar auf uns wartet. Die Umgebung und die Ruinen selbst sind sehr tolle Fotomotive.

Nach einer Dreiviertelstunde sind wir durch und konnten drinnen auch ein paar der restaurierten Häuser bzw. Hütten ansehen. Das Areal ist riesig und es gibt sicherlich zu jeder Tageszeit einen optimalen Winkel für jeden Bereich. Ich kann Peru für Hobbyfotografen jetzt schon empfehlen.

Tipón

Cesar fährt uns zu einem weiteren heiligen Ort der Inka. Die Anlage Tipón wurde für Zeremonien benutzt und speziell dem Gott des Wassers gewidmet. Thematisch passend ist das Gelände mit Wasserrinnen verziert, durch die noch immer solches fließt.

Im oberen Bereich gibt es einen Brunnen, der den Zyklus des Lebens darstellt. Er ist aufwändig und symbolisch durchdacht gebaut. Die Inkas reinigten sich vor Zeremonien, wie z.B. vor Hochzeiten, an dieser Quelle und übernachteten in den Häusern gleich nebenan.

Es sind noch gut erhaltene Ruinen der Häuser zu besichtigen, wo wir uns mit dem Fotografieren austoben. Bis uns schließlich ein Aufseher bittet, langsam das Gelände zu verlassen, da bald Feierabend ist. Also gehen wir zurück zum Parkplatz und steigen wieder zu Cesar ins Auto.

Der heutige Tag war für mich persönlich extrem anstrengend. Ich hatte ehrlich gesagt zu kämpfen, all die schönen Plätze, die wir besucht haben, zu genießen. Ich bin natürlich unheimlich beeindruckt von all dem, was ich heute gesehen habe. Es ist erstaunlich, was das Volk der Quechua damals geleistet hat und wieviel Wissen bei Landwirtschaft und Bauwesen angewendet wurde. Hut ab!

7 Gedanken zu „🧐 Hochkultur erkunden mit Cesar“

  1. Hallo ihr 4! Ich bin total fasziniert von den grünen Bergen! Es ist so ein sattes grün an dem man sich bestimmt nie satt sehen kann! Es wirkt so unberührt und auch wie wenn es wenig Touristen dort gibt.

    Wo verstecken sich denn die Aufseher? Die hüpfen dann hinter einem Steinehaufen hervor?

    Zum gestrigen Standl…ich glaub ich hätte alle lustigen Hauben gekauft 🙂

    Ich wünsch euch weiterhin so spontan lustige Photomotive. Echt leiwand! Od wie Börnie es sagen würde saugeile Motive!

    Gibt es an tequillaähnlichen Schnaps auch???

    1. Servus Petra!! Die Aufseher stehen direkt am Gelände oder manchmal sind sie gerade ums Eck und kommen dann, wenn man sie grad nicht sehen will bzw. wenn sie einen nicht sehen sollten 😉
      Statt Tequilla gibts Pisco. Viel besser!

  2. PS: Der Macchu Picchu ist der bei dieser Reise auch geplant? Gute Besserung mit dem Kopfweh, lieber Pauli, das hängt sicher mit den Höhenmetern zusammen, wenn sich dein Körper mal “aklimatisiert” hat, vergeht auch das Kopfweh.

  3. Also das sind mal echt Hammer Fotos! :O Hut ab!

    Das macht wirklich Lust auf Peru, das hätte ich mir nicht so grün vorgestellt! Da kann eine Lamawanderung in der Steiermark wohl eher nicht mithalten. 😀

    1. Servas Werschi!
      Ich muss zugeben, dass ich mit all dem Grün nicht gerechnet habe. Ich habe mir Peru immer als karges Hochland vorgestellt, doch es ist ganz anders. Ich bin echt total positiv überrascht und gemeinsam mit dem kulturellen Hintergrund ist Peru absolut eine Reise wert. Das trau ich mich jetzt schon sagen.

      lg!!!

  4. Lieber Pauli, kann mir gut vorstellen, dass Du beeindruckt bist. Ich bin es auch, wenn ich nur darüber in Deinem Bericht lese. Und wieder so tolle Bilder!!! ???

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