🌿 Der letzte Tag in CR

Lottie, Mati und ich essen noch gemeinsam zu Mittag in unserem „Stammlokal“. Danach schauen wir noch ein paar GeschĂ€fte durch und stoppen beim Supermarkt. Die beiden kaufen ein paar Sachen fĂŒr sich und begleiten mich dann zu meinem Hostel, das auf der selben Straße liegt. Der Abschied ist schon ein bisschen traurig, da wir uns womöglich nie mehr wieder sehen werden. Doch wir haben zwei lustige und interessante Wochen gemeinsam verbracht, die ich sicher nicht vergessen werde.

Im Hostel will mir das MĂ€dl eine FĂŒrhung geben und zeigen, wo alles ist. Doch ich sag ihr, ich kenn mich schon aus, weil ich vor zwei Wochen schon eine Nacht hier verbracht habe. Auch der Chef erkennt mich wieder und wir scherzen ein bisschen. Im Zimmer bekomme ich diesmal das untere Bett des Stockbetts, in dem ich schon geschlafen habe. Neben mir liegt Nick. Er ist Amerikaner und hat heute Abend noch nichts vor. Ich frage ihn, ob er sich mit mir ein Bier holen mag. Nick willigt ein und kommt mit.

Zuerst gehen wir etwas essen. Ich habe ihm vom herrlichen Burrito erzĂ€hlt, den es im „Lo Que Hay“ gibt. Er möchte ihn unbedingt probieren, deshalb gehen wir gleich dorthin. Das TischgesprĂ€ch wandert von Angkor Wat ĂŒber die Pyramiden von Gizeh bis hin zu europĂ€ischer FlĂŒchtlingspolitik. NatĂŒrlich enden wir dann doch noch bei Donald Trump. Wir bezahlen und gehen draußen an der „Micro Bar“ vorbei. Also nur kurz vorbei, denn dann drehen wir wieder um und kehren ein. Leider war die Bar immer geschlossen, als wir unsere Freizeit abseits des Schildkrötencamps in Samara verbracht haben. Deswegen muss ich da rein. Ich schicke Mati ein Foto, wie die Bar von innen aussieht. In Wirklichkeit ist es eine Garage, die zur Bar umgebaut wurde – aber mit Stil!

Die GetrĂ€nke sind auch sehr interessant. Alles ordentlich bierlastig, was mir auf Anhieb gefĂ€llt! Die Auswahl ist so groß, dass wir uns von der Kellnerin beraten lassen mĂŒssen. Was sich ausgezahlt hat, denn das Bier schmeckt super! Auf der Karte gibt es noch dreißig andere Biere und auch Cock- und Beertails. Ich bestelle als zweiten Drink einen Cocktail, der einem Long Island am nĂ€chsten kommt. Er heißt „Nicoya Peninsula Iced Tea“ und in der Beschreibung steht, dass es sich um einen Genickbrecher handelt. Da ist Nick auch dabei! Es dauert zwar, bis er serviert wird, aber das Warten hat sich gelohnt. Er schmeckt vorzĂŒglich!

Am Weg nachhause holen wir uns noch ein Bier in einer Sportsbar. Hier wird auf dem Fernseher nicht Fußball gezeigt, sondern Stierkampf. Wir bleiben nicht lange. ZurĂŒck im Hostel zeigt mir Nick ein Video, dass er ĂŒber seine Freiwilligenarbeit in Trinidad zusammengeschnitten hat. Im Gegenzug schaut er inzwischen das Neuseelandvideo. Nach der VorfĂŒhrung muss ich aber dringend ins Bett. Ich habe mich schon auf einen geschlossenen Raum gefreut, um windfrei schlafen zu können. Doch ganz so wohl fĂŒhle ich mich dann doch nicht. Mir fehlt das halb offene Schlafzimmer dann doch und auch die leichte Brise, die stĂ€ndig durchgeweht hat – selbstverstĂ€ndlich aber nicht der Sturm. Dementsprechend schlecht schlafe ich. Ich habe AlbtrĂ€ume von einem eigenartigen, kleinen Clown, der mir in einem unbekannten, großen und leeren GebĂ€ude in jeder finsteren Ecke auflauert. Der Bursch macht mich narrisch. Jedes Mal, wenn ich wieder einschlafe, trĂ€ume ich eine neue Episode, in der er vorkommt und mir auflauert und mich quĂ€lt.

Um halb sieben endet der Zirkus. Da steh‘ ich nĂ€mlich auf und packe meine Sachen. Ich habe ein Date, das ich mir gestern Nachmittag ausgemacht habe. Mein Date heißt Andy. Andy hat eine Tauchbasis in der NĂ€he, wo ich fĂŒr den Vormittag zwei TauchgĂ€nge gebucht habe. Er ist EnglĂ€nder und deswegen deutlich pĂŒnktlicher am vereinbarten Abholort. Sofort wird klar: Andy ist ein EnergiebĂŒndel und steht stĂ€ndig unter Strom. Der Wahl-Tico kommt ursprĂŒnglich aus London und hat schon ins Spanien und Thailand gelebt. Nun hat er seit zwei Wochen eine Basis in Carrillo, ein Ort neben Samara.

Ich hab‘ heute erstaunliches GlĂŒck! Wir werden nur zu dritt, plus KapitĂ€n am Tauchboot sein. Andy fĂ€hrt bis zu seinem Haus, wo sich vor seinem Wohnzimmer auch gleich der Tauchshop befindet. Er hat neues Equipment (allerdings no-name) und bereits alles fĂŒr mich vorbereitet. Hinzu kommt Rob, der der dritte Taucher im Bunde ist. Rob ist erst den zweiten Tag hier und von Holland aus angereist. Er schlĂ€ft in der Unterkunft neben der Basis.

Andy gibt Vollgas! Alles wird mit „fucking“ verbal unterstrichen. Er ist ein lustiger Kerl, der unĂŒbersehbar das liebt, was er tut. Wir beladen seinen Pickup und fahren an den Strand. Dort wartet ein kleines Boot auf uns, worauf wir unser Equipment bringen. Die beiden Tauchspots sind gleich um die Ecke. Andy ist selbst noch dabei, das Tauchrevier zu erkunden. So haben die beiden Spots noch gar keinen Namen.

Mit einer Rolle rĂŒckwĂ€rts vom Bootsrand landen wir im kĂŒhlen Nass. Aufgrund der nur 2,5 mm dĂŒnnen AnzĂŒge, ist „kĂŒhles Nass“ untertrieben. Schon nach ein paar Minuten wird mir sau kalt. Richtig eisig kalt. Wir sehen ein paar Rochen und eine Handvoll Fische. Mehr tut sich hier unten nicht. Ich hatte sowieso keine großen Erwartungen von den pazifischen GewĂ€ssern vor Costa Rica. Denn wĂ€re die KĂŒste so super zu betauchen, dann gĂ€be es viel mehr Tauchbasen. Mir ist schon so stark kalt, ich zittere. Nicht, dass ich Andy nicht schon zweimal angezeigt habe, dass mir kalt ist. Beim dritten Mal gebe ich ihm ein unmissverstĂ€ndliches Zeichen â€žđŸ‘‰đŸŒđŸ‘ŒđŸŒ- cold!!!“ Nach 58 Minuten tauchen wir auf.

Am Boot gibt es MĂŒsliriegel und Chips. Andy ist total aus dem HĂ€uschen, wegen der paar Rochen. Er fragt mich, wie ich den Tauchgang fand und mehr als „quite nice“ fĂ€llt mir nicht ein. Er ist erschĂŒttert! Ich muss ihm erklĂ€ren, dass ich vor knapp vier Wochen noch in philippinischen GewĂ€ssern herumgetĂŒmpelt bin und der Kontrast deswegen ein sehr großer ist. Ich wĂ€rme mich in der Sonne auf und dann gehts schon wieder rein fĂŒr den zweiten Tauchgang.

Wir sehen einen Geigenrochen (Guitar Ray), der sehr selten ist. Beim ersten Tauchgang war der energiegeladene Andy aus dem HĂ€uschen – jetzt eskaliert’s richtig! Er spielt unterwasser Luftgitarre und windet sich wie ein Aal in alle Richtungen. Wenn mir nicht schon wieder so kalt wĂ€re, könnte ich mich auch mitfreuen. Dann kommen noch zwei andere Rochen und zwei Kugelfische. Ich zeige Andy wieder, dass mir kalt ist. Wir gehen diesmal sofort hoch. Immerhin hat der zweite Tauchgang auch 46 Minuten gedauert.

Wir rÀumen wieder alle Sachen vom Boot auf den Pickup und Andy bringt mich zu meinem Hostel. Er ist auf alle FÀlle ein netter und lustiger Kerl, doch ob er Erfolg mit seiner Basis haben wird, bezweifle ich.

Jetzt muss ich etwas essen! Ich hatte nĂ€mlich kein FrĂŒhstĂŒck und bisher nur ein paar Chips am Boot genascht. WĂ€hrend ich auf meine Fish&Chips warte, kann ich wieder ein bisschen weiterschreiben. Das Essen ist ganz OK und das Dekobier sowieso. Jetzt gehe ich durch das nette, kleine Samara zurĂŒck zum Hostel, wo Nick schon auf mich wartet. Wir haben eine Tour durch einen Naturpark gebucht, zu der wir direkt mit dem Jeep vom Hostel abgeholt werden. Im Auto sitzen schon zwei Franzosen, spĂ€ter kommen noch zwei Amis dazu. Der Tourguide heißt Louis und bringt uns in den „Werner Sauter“ Park auf den HĂŒgel ĂŒber Samara.

Wir beginnen unsere Tour mit einer kurzen Vorstellung von Louis und den Park und spazieren dann zu Fuß durch’s GrĂŒn. Anfangs stehen ein paar StrĂ€ucher, die uns Louis genauer zeigt. Einer davon ist ein Oregano-Strauch, dessen Geruch der BlĂ€tter keinen Zweifel daran hegen lĂ€sst.

Weiter geht‘s in den Wald, wo er uns verschiedene BĂ€ume zeigt und deren Besonderheiten erklĂ€rt. Wie z.B. die Stachelzeder, die mit einer richtigen Zeder aber nicht verwandt ist. Das Besondere an dem Baum ist, dass er im costa-ricanischen Sommer die BlĂ€tter abwirft und trotzdem die Photosynthese durchfĂŒhren kann. Auf seiner Rinde hat er nĂ€mlich spezielle KanĂ€le, die Chlorophyll enthalten. Wir können uns alles genau durch ein Spektiv ansehen, dass Louis auf die Rinde gerichtet hat.

Der nĂ€chste Baum „hĂ€utet“ sich und schuppt deswegen seine Rinde ab. Er tut es, um sich vor Parasiten zu schĂŒtzen. Hier zu Lande nennt man ihn den „Sonnenverbrannten-Touristen-Baum“.

Wir hören die BrĂŒllaffen schon von Weitem. Noch ein paar Schritte mehr, und wir können sie in den Baumkronen sitzen sehen. Louis richtet wieder das Spektiv her. Ich habe die Affen schon am Weg zum und vom Camp mehrmals live gesehen, aber jetzt erst das erste Mal ganz genau, dank des Spektivs. Wir können unsere Handykameras an die Augenmuschel halten und ein, zwei lustige Erinnerungsfotos mit nachhause nehmen.

Interessant ist, dass die Affen so klein sind und doch einen solchen LĂ€rm machen können. Sie sind sogar die zweit-lautesten SĂ€ugetiere der Welt. Lauter ist nur der Blauwal. Auf der restlichen Tour gibt’s dann noch ein paar Vögel, Ameisen, StrĂ€ucher und BĂ€ume zu sehen. Zum Abschluss fĂŒhrt uns Louis zu einem Aussichtspunkt, wo sich der komplette Strand von Samara und auch noch ein Teil von der Bucht von Corrello ĂŒberblicken lassen. Gut, dass wir die Nachmittagstour gebucht haben, so sehen wir nun alles vor uns zur goldenen Stunde – alles ganz toll von der untergehenden Sonne beleuchtet.

Beim ZurĂŒckgehen zum Auto kommen wir an einer Ameisenstraße vorbei. Wir stoppen und sind leise. Die Ameisen laufen in einem Tempo ĂŒber den mit BlĂ€ttern bedeckten Boden, dass man das Rascheln und Rauschen ganz deutlich hören kann! Es liest sich jetzt wahrscheinlich nicht so spektakulĂ€r, aber es war schon Ă€ußerst beeindruckend.

Am Ende der Tour bekommen wir ein Bier, mit dem wir uns auf den RĂŒcksitz des Jeeps zurĂŒckbringen lassen. Duschen ist jetzt angesagt und dann holen wir uns eine Pizza vom Nachbarlokal, wo ich auch am ersten Abend zu Gast war. Es schmeckt wieder sehr gut und zur Feier des Tages gibt es auch noch eine Nachspeise. Nick und ich gehen anschließend in eine Bar und stoßen mit einem Long Island Ice Tea auf meinen letzten Abend in Costa Rica an. Danach muss ich aber dringend ins Bett. Der Tag hat mich ganz schön hergenommen und morgen muss ich um 4:30 Uhr schon im Bus sitzen, der mich zum Flughafen nach San JosĂ© bringt.

8 Gedanken zu „🌿 Der letzte Tag in CR“

  1. PURA VIDA! 🙂

    De Garagenbar taugt ma fuigas!!! 😀

    Vor die BrĂŒllaffen samma domuis davonglaufen, weil si des so anghört hat als wĂŒrdens glei um den nĂ€chsten Baum kemma – de san echt oag! 🙂 Costa Rica is/wor afoch fui dschungelig!

    Schene Weiterreise winsch i da! 🙂

    LG
    Jasmin

    1. Die Bar is spitze!! hat gestern leider zu ghabt :(((
      Die Affen haben in der FrĂŒh‘ neben dem Camp immer gschrien. Bei uns machen das die Gockel, in CR die BrĂŒllaffen ?

      Danke dir!! ??‍♂??

  2. Mah Pauli, die Bilder und alle Stories sind so “fucking” geil!!! Ich könnt mich totlachen beim Affenbild! Viel Spaß weiterhin!!! Viele liebe GrĂŒĂŸe! Gaby

  3. Interessant, was manche BĂ€ume (Stachelzeder, Sonnenverbrannter-Touristen-Baum) können, hab das zum ersten Mal gehört. Auch, dass die BrĂŒllaffen die zweitlautesten Tiere sind, hab ich nicht gewusst. Pauli, danke fĂŒr Deine interessanten Berichte ? Und das Bild vom BrĂŒllaffen ist zum BrĂŒllen ??

  4. Bin noch immer sehr begeistert von Dir, aber essen macht mich fertig, hĂ€tte wahrscheinlich 30kilo abgenommen ,das heißt vor 40jahren halb Profi beim Kicken. Lg

  5. Pura vida Paul! Flying hom today. Great post and thanks for befrieding me and inviting me out on the town. Can’t wait to see pictures from Peru!

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