🏄🏻‍♂️ Let‘s go surfin‘

Es ist der letzte Tag im Jahr und wir dürfen heute aufstehen, wann wir wollen. Keine Morgenarbeit. Nicht, weil es der 31.12., sondern weil es jeden Sonntag so ist. Lottie, Mati und ich vereinbarten untereinander sieben Uhr als Verbandszeit und frühstücken gemeinsam. Wir haben heute Ausgang und möchten nach Samara gehen. In den letzten beiden Tagen habe ich eine Einkaufsliste geschrieben, mit Artikeln wie zum Beispiel Gummibären, Duschgel, Zahnpasta, oder eine Rolle Schnur, um an meinem Sessel weiter arbeiten zu können.

Außerdem konnte ich Roy überreden, für jeden ein Bier ins Camp mitzubringen. Es ist eine Ausnahme anlässlich des Jahreswechsels; ansonsten ist Alkohol im Camp strikt verboten. So können wir in der Sylvesternacht miteinander anstoßen. Wir gehen wieder ins selbe Lokal wie letztens und hängen uns ins WLAN, um ein paar Dinge zu erledigen. Danach wechseln wir ins Nachbarlokal, wo es Pizza gibt. Auf die freue ich mich schon riesig! Doch nach den ersten paar Bissen bin ich eher enttäuscht. Sie schmeckt bei weitem nicht so gut, wie die, die ich am Abend vor meinem ersten Camp-Tag hatte. Vielleicht kann ich Lottie und Mati überreden, dorthin zu gehen.

Nun stehen die Einkäufe am Programm. Mati führt uns zu einem kleinen Supermarkt, wo es SIM-Karten von „Kölbi“ gibt. Das ist das Netz, das am besten bei uns im Camp funktioniert. Ich habe zwar bereits eine Karte von „Claro“, doch damit erhebliche Probleme, eine halbwegs gut funktionierende Datenverbindung zusammenzubringen. Zur Kölbi-SIM nehme ich noch einen Aufladebon, womit die erste Besorgung erledigt ist. Am Weg zum großen Supermarkt „Pali“ kommen wir an einem Souveniergeschäft vorbei, in dem ich noch nicht drinnen war. Ich suche ja immer noch nach einem Shirt mit einer Schildkröte drauf. Doch was ich noch vor dem Shirt finde, ist eine Hängematte! Die muss ich haben! Obwohl es nur mehr eine Woche ist, wäre es eine Qual den anderen beim Hängemattenhängen nur zusehen zu können. Glücklicherweise hat die Dame auch noch das gesuchte Leiberl im Angebot. Beides wird gekauft und in den Rucksack gestopft.

Nun aber hin, zum Supermarkt! Alles, was ich alleine tragen kann, sind Waffeln mit Orangengeschmack, zwei Sackerl Gummiklumpert, Chips, Duschgel und drei Flaschen Bier. Den Rest muss ich bei einem anderen Supermarkt, bei dem wir sowieso wegen den Batterien rein müssen, besorgen. Bisher habe ich aber noch keine Schnur gefunden.

Wir haben noch genügend Zeit, bevor wir zurück im Camp sein müssen. Deshalb kehren wir in einem Lokal ein und verbringen dort gemütlich eine dreiviertel Stunde. Es hat vorhin zu Nieseln begonnen, was wir gerne in der Zeit im Kaffeehaus aussitzen. Generell ist das Wetter heute eher trist. Die Wolken verdecken den sonst so schönen, blauen Himmel.

Wir machen uns nun auf den Rückweg und kehren noch geschwind beim letzten Supermarkt auf unserer Strecke ein. Hier kaufe ich die Batterien für meine Taschen- und Stirnlampe, Geschmackspulver für das Trinkwasser, eine scharfe Sauce, um das Essen geschmacklich einen Hauch zu tunen und noch Zahnpasta, die mir auch bald ausgeht. Leider auch hier keine Schnur. So wird der Sessel wohl nie fertig.

Am Weg zurück zum Camp sehen wir eine Gruppe Brüllaffen, die in dem Geäst über uns herum wandern. Sie sind im Vergleich zu den Gebrüll, das sie morgens veranstalten, sehr klein. Um circa halb sechs bzw. sechs Uhr beginnen die Affen im Wald neben dem Camp so tief aus den südlichsten Bauchregionen zu gröhlen, als wären sie so groß, wie Gorillas. Es hat auch ein Mann auf einem Fahrrad gehalten, der gerade vom Fluss kommt. Er fragt, ob wir da hin müssen und wir meinen, ja, wir müssen sogar durch. Dann meint er, wir sollen vorsichtig sein, er hat von der Stelle aus, an der wir den Fluss überqueren werden, ein Krokodil gesehen. Wir gehen weiter und setzen mit gemischten Gefühlen den ersten Schritt ins Wasser. Der Pegel ist relativ hoch, weshalb das Krokodil wahrscheinlich so weit flussabwärts gekommen ist. Wir können kein Krokodil sehen, was aber nicht bedeutet, dass es uns nicht sehen kann. Jedenfalls passiert uns nichts und wir können erleichtert zum Camp zurückkehren. Pünktlich um 16:00 Uhr sind wir da, als gleichzeitig auch meine Schicht beginnt. Es soll aber eine ruhige werden. Einzig ein grausiges Ereignis gibt‘s. Manchmal kommt es vor, dass die Babyschildkröten nicht innerhalb des Gitters, das wie ein Zylinder über dem Nest platziert ist, herauskommen, sondern außerhalb und deswegen freie Bahn zum Zaun der Brutstättenbegrenzung haben. Dort warten schon die Einsiedlerkrebse auf die in die vermeintliche Freiheit laufenden Babies. Heute finde ich fünf im Zaun. Drei davon kann ich aus den Maschen des Zauns nehmen und unversehrt in den Kübel zu den anderen legen. Eines muss ich herausschneiden, wozu ich mir aus der Küche ein Messer holen musste und – ACHTUNG, jetzt wird’s grausig – eines der Babys hat leider die Stelle mit den Einsiedlerkrebsen erwischt, die ihm bei lebendigem Leib die Augen herausgefressen haben. Der Kopf ist blutig, aber es versucht immer noch vorwärts zu kommen. Mindestens fünf Krebse hängen auf dem Jungen. Ich verscheuche sie und versuche, das Baby rauszubekommen. Auch dieses hat sich ordentlich verhängt, doch am Ende kann ich es rausholen. Ich lege es nicht zu den anderen, denn es wird wohl nicht lange dauern, bis es verendet. Nach zehn bis 15 Minuten im Sand, ist es dahin. Ich grabe es vor der Brutstätte ein. So ein armes Ding, aber Gott sei Dank passiert das nur selten im Vergleich zur Menge an Babies, die wir unversehrt zum Strand bringen können.

Zwischendurch finde ich Zeit, meine Hängematte zu montieren. Sie ist für den Platz, den ich ausgesucht habe, leider ein bisschen zu lang. aber mit zwei Knoten an jedem der Spannstränge kann ich die Länge halbwegs passend verkürzen. Nun kann ich sie vorsichtig ausprobieren. Die Matte hält. Ich finde es total angenehm und überlege schon, wo in der Wohnung geeignete Stellen für Haken an der Wand wären. Diese Hängematte werde ich aber nicht mit nachhause nehmen. Ich lasse sie hier, für die Kinder und für die Freiwilligen.

Am Camp kommen immer wieder Touristen vorbei, die am Strand entlang spazieren und dann neugierig werden. Manche sind sehr freundlich und interessiert, die anderen können nicht einmal ordentlich grüßen und fragen nur, wo die Schildkröten sind … ohne „Hallo!“ oder „Guten Tag!“. Es sind äußerst viele Amis in Samara und der Umgebung unterwegs, aber auch Deutsche. Aber die sind ja bekanntlich überall.

Es ist schon längst dunkel und es dauert nicht mehr lange bis Mitternacht. Direkt vor der Hütte zünden wir ein kleines Feuer an. Lottie wird rechtzeitig vor zwölf munter und Roy, Mati und ich sind auch da. Wir öffnen das Bier und schon rennt der Countdown.

Feliz año nuevo!

Wir hören zwar die Explosionen der Feuerwerkskörper, die drüben in Samara geschossen werden, doch sehen kein Feuerwerk. Es ist mein zweites Silvester ohne. Stattdessen gibt es ein anderes Schauspiel am Himmel, dass von der Natur höchst persönlich aufgeführt wird. Um den Mond hat sich ein Ring gebildet, ein sogenannter „Halo“. So etwas habe ich noch nie gesehen! Er entsteht durch Eiskristalle in großen Höhen der Atmosphäre und ist sehr selten. Ähnlich wie bei den Nordlichtern müssen viele Komponenten zusammenspielen, dass er entstehen kann. Der Ring ist gigantisch und vor allem faszinierend. Ich kann gar nicht aufhören hinzusehen und muss unbedingt meine Kamera holen.

Lange feiern können wir den Jahreswechsel selbstverständlich nicht, denn morgen ist kein Feiertag im Camp. Um 5:30 Uhr ist wie üblich Tagwache. Außerdem haben wir das Bier auch schon ausgetrunken.

Zu Neujahr verschlafe ich fast. Statt um 5:30 bin ich erst um 5:45 Uhr unten. Gerade rechtzeitig zum Kaffee. Heute stehen erneut Examinationen an. Sieben Nester werden aufgelassen und müssen ausgehoben und überprüft werden. Wir sind heute besonders flott und haben uns damit einen Sandwechsel bei einem alten Nest eingebrockt. Neujahr beginnt mit bereits von Maden zerfressenen Schildkrötenbabies und Sandsäcke schleppen. Die Latte liegt nicht hoch – das Jahr kann nur besser werden.

Das wird es auch. Roy hat heute Zeit für die Surfstunden. Das bedeutet, Surfbrett schnappen uns runter zum Strand. Zu allererst sagt er mir, was alles zu überprüfen ist, wenn man sich ein Surfbrett ausborgt. Dann folgen Infos, wie z.B. „niemals allein surfen gehen“ oder „sich über Strömungen und Gezeiten bei den Einheimischen informieren“. Nun macht er mit mir Trockenübungen. Dabei liegt das Brett am Strand und ich muss erst einmal lernen, wie man korrekt darauf liegt und dann die richtigen Bewegungen beim Aufstehen macht. Das wiederholen wir mehrmals und anschließend meint Roy, wir gehen gleich ins Wasser.

Dass es hier sehr seicht ist und einige Meter so ins Meer rein geht, hilft beim Aufsteigen auf‘s Brett und beim Rausschleppen sehr. Nun meint Roy, ich muss jetzt alles nach der Reihe machen, wie er mir das gerade gezeigt hat. Und entspannt soll ich bleiben, das sei sehr wichtig. Nagut, so warten wir auf die erste kleine Welle. Ich gehe in „Ready“-Position und Roy schiebt beim Anrollen der Welle von hinten das Brett mit an. Ich stehe auf und es geht auch einige Meter gut. Dann aber wirft mich das Brett ab. Noch einmal … und noch einmal. Immer wieder machen wir die gleichen Schritte und es wird in kurzer Zeit viel besser. Einmal schaffe ich es sogar, bis an den Strand zu surfen.

Jetzt das Ganze mit paddeln. Roy versucht nur mehr wenig anzuschieben, wenn die Welle kommt. Ich soll lernen, selbst Schwung zu holen, um den ersten Stoß der Welle halbwegs abzufangen. Doch so einfach ist das nicht. Die Nase des Bretts taucht mir zwei Mal unter, was mich natürlich runterschmeisst. Aber dann läuft’s ganz gut. Roy lässt mich nun alleine üben.

Das Board ins Meer raus zu schleppen ist anstrengender, als das Surfen selbst. Deswegen muss ich nach eineinhalb Stunden aufhören. Gut, dass es Mittagessen gibt, denn surfen macht nicht nur müde, sondern auch hungrig.

In meiner Nachtschicht von 23:00 bis 01:00 Uhr ist es, bis auf ein paar Babies fad. Ich finde wenigstens ein bisschen Zeit, um beim Blog weiter zu kommen. Heute sollte mich Roy wieder ablösen, da er derjenige ist, der mir im Dienstrad folgt. Er kommt aber wieder nicht. Es ist nun schon das dritte Mal. Ich bin kurz davor, eine E-Mail an den Verein ASVO zu schreiben und sie zu fragen, ob ihre Angestellten die Arbeit ernst nehmen oder nur Spenden und Staatsgeld kassieren wollen. Aus 01:00 Uhr wird 03:00 Uhr und dann wecke ich die Person auf, die nach ihm drankommt. Es ist eine Person, die ich noch nicht erwähnt habe, aber dennoch für viel Gesprächsstoff unter Mati, Lottie und mir sorgt.

Sein Name ist Kal. Er ist um die 50, kommt aus den Staaten und hat schüttres, offensichtlich schwarz gefärbtes Haar. Kal tauchte hier vor ein paar Tagen aus dem Nichts auf. Roy war froh, ihn zu sehen und begrüßte ihn wie einen Freund. Er dürfte schon öfter hier gewesen sein, wie er uns berichtete. Kal plante, zwei Wochen da zu bleiben. Seine Kreditkarte wurde gesperrt und er kam daher zu keinem Bargeld. Da läuteten bei mir schon die ersten Alarmglocken, als er mir das erzählte! Ohne Geld hierher kommen? Wie soll das gehen? Chloe, Lottie und ich selbst mussten doch auch für den Aufenthalt bezahlen.

Die letzten Tage erwies sich Kal als schnarchender Faulpelz, der keinen Finger rührte und nur ein einziges Mal abgewaschen hatte. Selbst da hatte er sich aufgeregt, warum er das machen soll. Gegessen und getrunken hat er aber sehr wohl mit uns am Tisch. Sagen wir eher gefressen, denn es grauste uns allen. Es gab eigentlich keinen einzigen Moment, an dem wir froh waren, dass Kal hier war.

Am nächsten Morgen, während wir wieder ein Loch ausheben und Sand schleppen, liegt Kal noch immer in der Hängematte und schläft. Wir laufen mit den Säcken sicher eine Stunde an ihm vorbei, doch er hilft uns nicht. Stattdessen liegt er in seinem Schlafsack, der übriges bis minus neun Grad verwendbar ist, eine Stunde lang in der Hängematte, während es schon sehr heiß geworden ist. Mich wundert bei jedem Mal vorbeilaufen, dass es unten nicht schon raustropft.

Es gibt eine positive Sache an Kals Anwesenheit. Aus gemeinsamen Feindschaften entstehen bekanntlich gute Freundschaften. So haben wir Kal untereinander ständig am Kicker und machen uns lustig über seine dummen Bemerkungen, Erzählungen und Aktionen.

Gestern Abend war Roy mit der Family in Samara bei einem Rodeo. Weil er ausgehen konnte, dürfen wir heute Vormittag zu einem benachbarten Strand gehen. Anfangs ist der Marsch dorthin noch in Ordnung, weil wir einfach nur den Strand entlang laufen. Dann müssen wir über scharfe Felsen um‘s Eck gehen, um in die nächste Lagune zu kommen. Der Weg über die Felsen zieht sich, weil wir nur langsam voran kommen. Dann die Ernüchterung: Wir müssen noch viel weiter auf den blöden Felsen laufen. Der Strand ist weiter entfernt als gedacht.

„Playa Barrigona“ bedeutet übersetzt „großer Bauch“-Strand. Hierher haben wir es nun endlich geschafft. Es ist kaum jemand da, es gibt hellen Sand und außerdem schöne Palmen, die Schatten spenden. Wunderbar! Im Moment fühlt es sich an, als hätte sich der beschwerliche Weg hierher gelohnt. Wir schmeissen uns ins Wasser uns genießen das warme Wasser, während Pelikane in unmittelbarer Nähe nach Fischen suchen und sich mit ihren Schnäbeln voraus ins Wasser fallen lassen. Es ist das erste Mal, dass ich ein Gefühl verspüre, dass ich mit dem allgegenwärtigen Ausdruck der Ticos „Pura Vida“ beschreiben würde.

Leider können wir nicht so lange bleiben, da der Fußmarsch zum „Big Belly Beach“ so lange dauert. Also bleiben uns nach dem Baden nur ungefähr 20 Minuten, bevor wir uns wieder auf den Rückweg machen. Als wir wieder um‘s laaange Eck gehen, sind wir der Meinung, wir sollten das Camp auf den anderen Strand verlegen – ungeachtet der Tatsache, dass dort keine Schildkröten hinkommen bzw. sicher nicht so viele.

Roy entschuldigt sich erneut bei mir und meint, dass er heute meine Nachtschicht übernehmen wird. Na wenigstens was. Lieber wär‘ mir, er würde mir die zweite Surfstunde schenken, doch das wird sicher nicht passieren. Roy, seines Zeichens Sparmeister, lässt sicher keinen Dollar aus. Roy hätte heute von Daniel abgelöst werden sollen, doch sein Kollege kommt nicht. Wir verschieben die für heute geplante Surfstunde auf morgen, weil er eh noch dableiben muss, was mir sehr recht ist! Ich bin nämlich müde und abgebrannt von der Sonne.

Recht ist uns auch ein weiteres Ereignis, das Lottie, Mati und mich glücklich stimmt. Kal reist ab! Ich habe heute Morgen mit Roy gesprochen und ihn gefragt, was mit Kal nicht stimmt und warum er nichts tut und ich war auch noch so frech und habe ihn gefragt, ob er denn hier gratis wohnen kann. Roy meinte, er weiß selbst nicht was mit dem Kerl los ist, doch er habe bereits mit ihm gesprochen. Wenn er nicht arbeitet, kann er nicht hier bleiben. Nun, wenn er mich fragt, hätte er schon am zweiten Tag verschwinden müssen. Ein paar Minuten später schnappt Kal seinen Rucksack und geht seines Weges.

Wiederschaun!

Mati beschäftigt sich in seiner Freizeit mit Tarot-Karten. Wir haben schon die letzte Tage immer wieder häppchenweise darüber gesprochen. Nun wollen Lottie und ich, dass uns Mati die Karten legt und liest. Zuerst ist Lottie an der Reihe. Ich warte inzwischen in der Hängematte und schreibe am Blogeintrag weiter. Nach einer Viertelstunde ist sie fertig und Mati sagt mir, dass ich jetzt gerne kommen kann.

Mati hat vor sich ein rotes Tuch ausgebreitet, worauf er einen Kartenstapel legt. Ich muss den Stapel dritteln, wonach Mati die einzelnen Stapel wieder zusammenlegt und ein letztes Mal mischt. Er beginnt drei Reihen von Karten zu legen, die meine Vorschau für das Jahr 2018 werden sollen. In der ersten und auch in der letzten Reihe liegt jeweils nur eine einzige Karte. Die obere Karte ist wie die Überschrift bzw. das Grundthema zu deuten und die untere Karte beschriebt die allgemeine Kraft, die hinter jeder der vier Karten steckt, die er in der mittleren Reihe aufgelegt hat. Diese vier Karten stehen für die Quartale des Jahres. Ich werde nicht auf jede seiner Deutungen näher eingehen, aber ich verrate, dass der positive Tenor, der hinter allen Karten steckt, eine gute Aussicht ist! Ich muss sagen, dass Mati das sehr gut gemacht und sich unheimlich viel Wissen über die Deutung jeder einzelnen Karte angeeignet hat, sowie Mythologien, die in einigen Kartenbildern miteingebaut sind, ordentlich studiert haben muss. Es war eine total interessante Erfahrung. Mati bietet mir an, dass wir in den nächsten Tagen gerne noch eine Session machen können, in der ich spezifische Fragen stellen kann, dessen Antworten er dann mittels Karten deutet. Vielleicht komme ich darauf zurück.

Eigentlich habe ich heute keine Nachtschicht, kann aber trotzdem nicht schlafen. Ich hau‘ mich mit Musik im Ohr in die Hängematte und genieße das Ambiente des abnehmenden Mondes, der hinter mir durch die Wolkendecke schaut.

In der Nacht werde ich oft munter. Ich habe ja mein Bett mit Moskitonetzen komplett umwickelt, um mich vor den Viechern zu schützen. Es ist jeder Schlitz verschlossen, sodass kein Tier rein kommt. Das bedeutet aber auch, dass wenn eine Gelse mit mir reingekommen ist, sie auch nicht wieder raus kann. Natürlich ist genau das passiert. Ich werde jede viertel oder halbe Stunde munter und bin deswegen nicht gerade der Fitteste am Morgen, wenn auch der erste unten.

Heute werden Nester ausgegraben, um zu sehen, ob noch verspätet Junge geschlüpft sind und um die Eier und Eierschalen heraus zu holen. Bei mir sind leider wieder Babies dabei, aus denen schon die Maden rauskriechen. Aber auch eine Handvoll lebendiger Schildkröten. Zwischendurch müssen wir vom Fluss eine Lieferung Gemüse und Früchte abholen. Danach ist noch für jeden ein Nest auszugraben und dann gibt es schon Frühstück. Mir ist schon in den letzten beiden Tagen aufgefallen, dass Dom immer mehr die Rippen rauskommen. Safira schaut noch gut aus. Ich spreche Mati darauf an und er erklärt, dass der Reis zur Neige geht und deswegen keine Extraportionen für die Hunde gekocht werden können. Dom tut mir so leid, dass ich ab nun immer einen Teil meines Essens überlasse und in seinen Napf gebe.

Ich bin dran, den Abwasch zu erledigen. Da ich gestern den Boden in den Schlafräumen nicht gekehrt habe, nehme ich Lottie diese Arbeit heute ab. Dazu kommt noch Klo putzen, das heute sowieso meine Aufgabe gewesen wäre. Bis zum Mittagessen hau ich mich noch eineinhalb Stunden auf‘s Ohr. In der Zwischenzeit geht Mati ans Ende des Strandes, um Trinkwasser von einem Hahn, der an die allgemeine Wasserversorgung angeschlossen ist, nachrinnen zu lassen. Das dauert eine Weile. Ich bin doch schon früher wieder aufgestanden, weil ich eh nicht ordentlich schlafen kann und so bekommen Lottie und ich die Aufgabe, Roy entgegen zu gehen, der gerade vom Fluss her kommt. Er war in Samara und hat Fleisch und Eiswürfel gekauft. Sein Freund, der hier öfter zum Surfen herkommt, isst heute gemeinsam mit seiner Freundin auch bei uns. Sie haben uns auch beim Tragen geholfen und schneiden Gemüse für das Mittagessen.

Am Nachmittag tauschen Lottie und ich unsere Schicht, weil Roy mit mir die letzte Surfstunde machen möchte. Er borgt mir ein Surfshirt und händigt ein baugleiches Board wie vorgestern aus. Am Strand sind schon eine Handvoll Personen im Wasser, zu denen wir uns auch gesellen. Roy ist heute mit dem Boogie-Board mit dabei, weil wir ein kleines Stück weiter raus gehen. Die erste Welle versemmel ich komplett: Nase eingetaucht, abgeworfen. Ich bin immer noch nicht 100-%-ig fit und fühle mich nach kurzer Zeit schon total erledigt. Diesmal muss ich nämlich am Board liegen und nach draußen paddeln. Das ist als Untrainierter der blanke Horror für den Oberkörper. So schleppe ich mich wieder und wieder nach draußen, um vielleicht eine gute Wellen zu erwischen.

Die Auswahl ist heute nicht gerade groß – das Wasser eher flach. Es gibt in einer viertel Stunde vielleicht eine Welle, der dann sofort drei folgen. Die anderen drei sind aber unmöglich zu nehmen, da man ja gerade mit der ersten im Idealfall fast bis zum Strand geritten ist. Das schaffe ich heute ungefähr sechs Mal, nicht öfter. So traurig es ist, aber mir fehlt echt die Kraft. Und weil es momentan so wenig Wellen gibt, muss ich sogar zum Strand zurück paddeln, bevor ich aus dem Wasser gehe. Ich hoffe auf bessere Konditionen und Kondition morgen.

Abends gibt es – schau einer an – Reis und Bohnen! Dazu Kartoffeln, um den Kohlehydratlevel in den dunkelroten Bereich zu drehen. Heute soll die Ablöse für Roy kommen, doch die lässt auf sich warten. Als es schon finster ist, muss Mati ausrücken. Daniel wartet am Fluss, kann aber nicht rüber, weil gerade Flut ist. Er muss also hingehen und mit dem camp-eigenen Kajak seinen Kollegen von der anderen Flussseite abholen.

Als Mati wieder zurückkommt, hat er zu berichten, dass ein Krokodil in der Mitte des Flusses auf ihn gewartet hat. Er querte trotzdem und Schnappi ging auf Tauchstation. Als er mit der Lampe in die Büsche am Flussufer leuchtete, reflektierten sechs Augenpaare retour. Mati hatte zu Recht alle Zustände, doch er und Daniel kommen wohlauf im Camp an.

Eine Stunde nach Ankunft liege ich gerade in der Hängematte und schreibe. Plötzlich kommt die jüngere der beiden Mädels zu mir und umarmt mich. Sie verabschiedet sich von mir. Auch der Rest ist gekommen. Sie möchten jetzt gleich abreissen und nicht wie geplant erst morgen gegen Mittag. So kommt auch Roy, der sich für meine Arbeit im Camp bedankt und mir das Surfboard für den Rest der Woche zur Verfügung stellt.

Als die fünf weg sind, kommt Daniel zu mir und wir haben seichten Smalltalk. Ich kann leider kein Spanisch und er kann nicht so gut Englisch. So bin ich bald wieder alleine und kann den jetzigen Beitrag finalisieren. Dom und Safira liegen neben mir und sorgen dafür, dass die Kühe, die vom Gehege hinter dem Camp ausgebrochen sind und jetzt auf der Vorderseite grasen, nicht zu nahe kommen. Während ich hier liege, habe ich nicht einmal mitbekommen, dass Daniel die Brutstätte in seiner Drei-Stunden-Schicht gecheckt hätte. Ich hoffe, er ist ein bisschen engagierter. Viel mehr wünsche ich mir, dass wir morgen nach Samara gehen dürfen. Ich muss unbedingt eine Schnur kaufen, sonst wird‘s mit dem Sessel wirklich nix mehr. Außerdem hätte ich wieder gerne Pizza, weil wir im Camp nichts aus Teig bekommen. Dazu kommt, dass mein Gummibärenvorrat absolut erschöpft ist. Wie soll man so zum Schildkrötenerhalt beitragen?!

4 Gedanken zu „🏄🏻‍♂️ Let‘s go surfin‘“

  1. Also, dass du mal in Costa Rica surfen lernst, hätt ich nie geglaubt. Entpuppst dich ja zu einem richtigen Surfer-Boy ? ich stell mir grad nichts Entspannenderes vor, als dort in der Hängematte zu knotzen und stundenlang aufs Meer zu schaun ? wie ich dich beneide! ?

    1. Momentan bin ich noch a miserabler Surfer-Boy, aber es wird scho werden. Roy is nimma da, deswegen muss mir Lottie jetzt a bissi was zeigen. Bzgl. beneiden: nicht vergessen, wir ham auch Schichtbetrieb, einen unregelmäßigen Biorhythmus und einseitige Küche 😉 Aber es is trotzdem schön ???‍♂️???

  2. Lieber Pauli bin begeistert von Deinen Blogg und natürlich auch von Deinen super Bildern ,mach weiter so , viel erfolg LG Manfred???

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