👃🏼 Nasenbärige Erlebnisse

Kaum schlafen gelegt, läutet schon der Wecker. Es kommt jedoch nicht unerwartet, ich wachte schon vorher ständig auf und deswegen bin ich schon darauf eingestellt. Heute Nacht haben mich an den Armen und Händen drei oder vier Gelsen erwischt, obwohl ich mich vor dem Niederlegen immer mit dem Gelsenspray einsprühe.

Morgens läuft alles gleich ab: aufstehen, Kaffee trinken, kurze Besprechung, was erledigt wird. Oh, und natürlich schauen die neugieriegen Schlafmützen, wie ich heute eine bin, was man in der restlichen Nacht verpasst hat. Wir sehen anhand der Tafel, wieviele Junge aus den Nestern geholt wurden. Viel hat sich nach meiner Schicht nicht mehr getan. Roy hatte zwar ein paar Einsätze, aber es waren nur wenige in den Nestern.

Die heutige Tagesaufgabe ist das Ausheben der Nester, die vor drei Tgaen geschlüpft sind, um nach den letzten lebenden und schon während dem Schlüpfen verendeten Babies zu suchen. Aber auch die Eier, die gar nicht schlüpften – also die vollständig erhaltenen, tischtennisballgroßen Kugeln – müssen auch entfernt werden.

Wir graben mit unseren Händen langsam in den Sand. Man muss vorsichtig sein, da bei jedem Griff ein Baby im Sand stecken könnte. Chloe hat bereits eines gefunden. Die lebendigen kommen in den Kübel. Leider sind auch tote darunter, die werden später wo anders beigesetzt. Tote Tiere, ganze Eier und Schalenreste kommen in Plastiksackerl, die mit der jeweiligen Feldnummer gekennzeichnet sind. Ich finde in meinem ersten Nest sieben lebendige Babies. Zuerst dachte ich, sie wären zu schwach, doch nach ein paar Minuten im Kübel, werden sie aktiv! Das ist schön zu sehen! Es sind auch noch eine Handvoll ganze Eier im Nest, die Mati später unter die Lupe nehmen wird. Ein zweites Nest hebe ich auch noch aus und zähle drei lebendige Tiere.

Ich schütte meine beiden Nester wieder zu. Die Sackerl bringe ich zu Mati, der inzwischen mit dem Examinieren begonnen hat. Anhand der Konsistenz und Beschaffenheit des Eiinneren kann er feststellen, woran es lag, dass das Ei sich nicht entwickelt hat. Gründe sind z.B. zu starkes Schütteln beim Transport vom Strand in die Brutstätten, oder Pilzbefall. Wenn nicht ganz fertig entwickelte Tiere oder noch Embryonen drinnen sind, kann bspw. zu wenig Platz im Ei gewesen sein, oder es hat zu wenig Sauerstoff bekommen. Mati öffnet alle Eier der Reihe nach und dokumentiert die Ursachen auf einem Zettel. Nachher trägt er die Daten in ein Formular für die offiziellen Aufzeichnungen ein.

Chloe ging zuvor ihren Rucksack packen. Sie reist heute ab. Mati und ich begleiten sie nach Samara, da wir vom Vormittag bis circa zwei Uhr Ausgang haben. Der Wasserstand im Fluss ist hoch wie nie – ich muss mir die kurze Hose aufstricken. Ich habe netterweise Chloes Rucksack für das Furten übernommen. Es ist nebenbei erwähnt die angenehmste Furt, die ich mit so einem großen Rucksack am Rücken jemals hatte! Warmes Wasser, sandiger Boden, strahlender Sonnenschein. In Island hat es geregnet, es war kalt und windig und wir mussten uns die Hosen ausziehen, die Schuhe wechseln und das Wasser hatten wir auf eisige drei Grad gemessen.

Ein Taxi holt uns ab und fährt uns ins Dorf. Chloe schmeißen wir zuerst bei ihrem Hostel raus und Mati und ich fahren noch ein Stück mit. Im Zentrum hüpfen wir auch raus und gehen in ein Strandlokal, in welches Mati oft kommt, um seine elektronischen Geräte zu laden, oder um sich mit dem WLAN zu verbinden, um ein wenig Kontakt mit der Welt außerhalb des Schildkrötencamps zu haben. Ich bestelle mir ein Bier, obwohl es erst neun ist. Mein Tag hat ja schon viel früher begonnen, daher befinde ich das für vollkommen in Ordnung. Mati und ich kommen ins Tratschen und er erzählt mir ein paar interessante Geschichten vom Campleben und aus seinem privaten. Ich finde nebenbei Zeit, den Blogbeitrag hochzuladen und mit Bernie und Opa zu telefonieren.

Es ist elf geworden und wir sollten schön langsam etwas zu essen bestellen. Für mich kommen Gerichte mit Reis und Bohnen nicht in Frage. Mati stimmt mir zu und bestellt deswegen überbackene Nachos. Für mich gibts einen Burger mit Wedges. Während dem Essen beschließe ich, eine scharfe Sauce fürs Camp zu kaufen. Wir bezahlen und gehen zuerst zum Bankomat. Der Supermarkt ist gleich vis-a-vis, wo wir Naschzeug und sonst eigentlich nix kaufen. Oh doch! Ich nehme zwei Packerl Abwaschschwämme, da ich die aktuellen im Camp extrem grausig finde. Mati lacht und meint, es gibt eh neue im Camp, doch ich kaufe sie trotzdem, um Roy den Spargedanken bei der Hygiene in diesem Fall auszutreiben. Es muss ja nicht alles bis zum Auseinanderfallen gebraucht werden – schon gar keine Abwaschschwämme.

Mati hüpft noch schnell in eine Apotheke und ich strand‘l noch ein paar Geschäfte ab, weil ich gerne ein ärmelloses Schildkrötenshirt hätte. Es gibt sogar welche, aber darunter keins in meiner Größe. Schade, vielleicht legen sie am Sonntag, wenn wir wieder Ausgang haben, etwas nach.

Wir gehen den ganzen Weg zu Fuß zurück. Mati möchte nämlich Geld sparen und für mich ist es auch OK. Am Weg zurück frage ich ihn, ob er etwas von Chloes Ablöse gehört hat. Es sollte nämlich eine Deutsche kommen, doch Mati hat nichts gehört. Als wir dann aber fast am Fluss sind, bekommt er die Nachricht, dass sie bereits dort auf uns wartet. Wir sehen das Mädl im Schatten sitzen und stellen uns vor. Sie zieht ihre Schuhe aus, weil wir durch den Fluss müssen und fragt uns, woher wir kommen. Dann stellt sich heraus, Lotti kommt nicht aus Deutschland, sondern aus Wien. Da kommt mir wieder ein „Na geh‘, hea auf!“ aus.

Wir gehen zum Camp und Mati macht mit ihr eine Einführungsrunde. Auch sie sucht sich ein Bett aus und macht es sich gemütlich. Ich werfe mich genau so wie Carolinas Kids in die Fluten, weil mir so heiß ist.

Als meine Schicht beginnt, gehe ich in der Zeit, in der ich nicht die Nester kontrollieren muss, ein paar Meter am Strand, um nach Treibholz für meinen Sessel zu sehen. Ich hab‘ nicht all zu lange Zeit, doch werde fündig. Während des Suchens ist mir die Idee für die Bein-Konstruktion gekommen. Am Weg schaue ich gleich nach den Nestern, aber da tut sich nix, weil es ihnen noch zu heiß ist. Da wollen sie nicht so recht raus. Würd‘ ich auch nicht wollen, wenn ich so darüber nachdenke.

Nach ein, zwei Fehlversuchen, die Beine des Sessels ordentlich zusammenzubinden, klappt‘s dann aber doch noch. Ich kann sogar schon den Sitz montieren, doch zum Probesitzen fehlen noch zwei Streben. Die kann ich frühestens erst morgen montieren, da meine Schnur schon aufgebraucht ist. Eventuell lässt sich etwas in der Umgebung finden, ansonsten muss ich bis Sonntag warten und etwas in Samara kaufen.

Ich nehme Lottie mit zu meinem Nestercheck, schließlich wird sie gleich die nächste Schicht übernehmen. Da gucken in einem Nest schon acht Nasenspitzen aus dem Sand. In einem zweiten ist auch schon was zu erkennen. Beide werden aber noch Zeit brauchen. Wir geben ihnen noch eine halbe Stunde.

Nun schaut es gut aus! Ich überlasse Lottie das Ruder. Sie scheut nicht zurück und legt ihren Handschuh an. Vorsichtig hebt sie die Babies aus dem Nest. Sie macht das super! Die Jungen sind noch müde und deswegen lassen wir noch eine Weile im Kübel munter werden. In der Zwischenzeit können wir die Daten in die Tabelle am Whiteboard eintragen.

Es ist jetzt Zeit, die Sprösslinge an den Strand zu bringen. Lottie kippt behutsam den Kübel und die Kleinen krabbeln heraus. Sie sieht zum ersten Mal das Schauspiel, wie sie sich ausrichten und Richtung Meer navigieren. Dann schnell ins Wasser, bevor die Raubtiere oder Vögel kommen. Dass wir sie eh beschützen, wissen sie ja nicht 😜. Lottie ist jetzt bereit, ihre Schicht alleine anzutreten und für mich ist es Zeit, ins Bett zu gehen. Ich habe wieder die ungute Schicht von 00:00 bis 03:00 Uhr ausgefasst.

Schlafen konnte ich leider kaum – bin ständig munter geworden und dementsprechend auch motiviert. Ich löse Mati ab. Die ersten eineinhalb Stunden sind ruhig. Das ist gut, so habe ich Zeit für den Blog. Erst um 02:15 Uhr finde ich eine Schildkröte in E10. Ich warte damit, sie an den Strand zu bringen, da sie vielleicht Gesellschaft von weiteren bekommt. Je mehr gleichzeitig ins Wasser kommen, desto höher sind die Chancen, dass sie überleben. Eine halbe Stunde später kommt der nächste Einzelgänger aus I10. Nun hab ich zwei im Kübel, warte aber noch ein bisschen.

Um 03:00 gehe ich noch einmal nachschauen. Wie immer biege ich beim Zaun rechts ab und plötzlich geht etwas durch den Rand meines roten Lichtkegels der Stirnlampe. Es ist auf vier Beinen unterwegs und kleiner als die Hunde. Sofort dreh’ ich um und schalte meine starke Taschenlampe ein. Ja schau einer an, da läuft ein Nasenbär durchs Camp! Also laufen ist das falsche Wort. Er geht, und zwar gemütlich – lässt sich von mir überhaupt nicht beeindrucken. Ich bin momentan so verwundert, dass ich total vergesse, mein Handy raus zu nehmen und das Geschehnis zu filmen. Aber Moment, ich kann sowieso nicht filmen, ich habe ja noch den Kübel in den Händen. Bis ich dazu komme, den Kübel abzustellen und das Handy rauszuziehen, ist der Bursche schon hinten in der Wiese verschwunden. Gibt‘s denn sowas?! Spaziert da einfach in aller Seelenruhe vor mir durch das Camp.

Die Jungen muss ich trotzdem zum Strand bringen und freilassen, was ich jetzt auch tue. Es ist bereits kurz nach drei, aber wieder keine Ablöse da. Ich weiß, dass es in zwei Nestern gleich Action gibt und bleibe natürlich. Auch wenn es nicht meine Schicht ist, fühle ich mich verantwortlich – es ist ja sonst niemand hier! Insgesamt 61 Babies sammle ich gerade ein. Das letzte um 03:45. Es ist mir klar, dass ich bis 04:00 Uhr sicher nicht im Bett bin. Ich gehe mit meinem Kübel zurück ins Camp und trage die Zahlen in die Tabelle ein. Noch immer niemand da. Nur eine Krabbe, die mir, wenn ich nicht aufpasse, in die Zehen zwickt.

Ich arbeite weiter und um fünf Uhr kommt endlich jemand. Ich bin natürlich nicht gut drauf deswegen und auch aufgrund der Tatsache, dass ich nur noch 20 Minuten zu schlafen habe. Um 05:30 Uhr ist nämlich Tagwache.

Wenigstens ist in den 20 Minuten eine Spur Erholung drin. Nach dem Aufstehen entschuldigt sich Roy vielmals für die Aktion. Gestern haben die Solarzellen nicht funktioniert und so konnte er sein Handy nicht aufladen, auf dem er sich den Wecker stellt. Er möchte es wieder gut machen, indem der mir die heutige Nachtschicht abnimmt. Ich verzeihe ihm und nehme das Angebot dankend an. Kurz darauf macht mir Mati das Angebot, dass wir heute, weil ich ja keine Nachtschicht habe, auf Patrouille gehen könnten. Ich freue mich auch über dieses Angebot.

Nach der morgendlichen Arbeit, die heute aus Löcher füllen und alte Nester examinieren besteht, hau‘ ich mich in die Fluten. Mati kommt auch mit. Danach muss ich mich niederlegen, um Schlaf zu finden, bevor meine Schicht beginnt.

Ich lasse nun die Standardaufgaben des Tages in meiner Erzählung weg und komme gleich zu den Highlights. Heute haben wir einen Hängemattenbereich gebaut, der direkt neben der überdachten Bank vor dem Strand steht. Auch der neue Platz ist überdacht.

Wir haben dazu vier Löcher gegraben, um dicke Holzstämme darin zu verankern. Die Stämme haben wir dann mit weiteren vier dünnen Stämmen an der Oberseite rechteckig verbunden, um die Konstruktion stabiler zu machen und eine Auflagefläche für das Dach zu haben. Drei weitere parallel gelegte Stangen verstärken das Dach. So können wir eine Sichtschutzplane darüber spannen und diese wiederum mit Palmenblätter abdecken. Fertig! Morgen müssen wir nur noch den Boden säubern und dann können auch schon vier Hängematten aufgehängt werden.

Ein weiteres Highlight heute war die Patrouille gemeinsam mit Mati. Warum, das erzähle ich jetzt:

Nach dem Abendessen einigen wir uns auf 19:00 Uhr Startzeit. Wir müssen dunkle Kleidung tragen und außerdem feste, geschlossene Schuhe. Die dunkle Kleidung deswegen, weil wir im Fall der Fälle die Mutter-Schildkröten nicht irritieren möchten und die festen Schuhe wegen Dornen, Treibholzstücken oder ähnlichem. Es sollten auch keine Lampe verwendet werden – selbst das Rotlicht sollte nach Möglichkeit aus bleiben. Mati schnappt seinen Patroullier-Rucksack und los geht‘s. Zuerst ans südliche Ende des Strandes, dann kehren wir und gehen zurück, am Camp vorbei und die andere Hälfte des Strandes in den Norden. Gesamt ist er circa zwei Kilometer lang. Während dem Gehen hören wir Musik, sprechen über Serien, die wir schauen und Mati erzählt Geschichten von vergangenen Patrouillien.

Dann entdeckt Mati plötzlich Schildkrötenspuren im Sand. Er sagt, ich soll warten, er sieht nach. Doch leider Fehlanzeige. Beim genaueren Hinsehen erkennen wir, dass die Spuren bereits bis weit nach oben von den Wellen abgeschnitten wurden. Das bedeutet, sie sind wahrscheinlich von gestern. Wir gehen weiter. Im Ohr läuft Psy-Trance Musik. Nun wieder Stopp. Mati nimmt den Ohrenstöpsel raus und ich auch. Er hat wieder Spuren entdeckt. Diesmal haben wir Glück! Der Rundgang wäre schon fast zu Ende gewesen, doch da liegt die Schildkröte vor uns im Sand und hat bereits begonnen, für die Eiablage ein Loch zu graben. Noch halten wir Abstand und setzten uns auf einen Treibholzstamm. Mati hat Formulare mit, in die er nun beginnt, die ersten Daten einzutragen. Er steht auf und geht hin, um zusehen, ob sie schon mit der Eiablage begonnen hat. Er kommt zurück und sagt, dass es los geht!

Er schnappt sich seine Sachen und ich zieh mir einen Handschuh an. Während dem Legen fällt die Schildkröte in eine Art Trance und merkt nichts von unserer Anwesenheit. Mati kann in Ruhe den Panzer vermessen und die Daten im Formular aufnehmen. Meine Aufgabe ist es, die Eier aus dem Nest zu nehmen. Ich knie hier tatsächlich vor dem Hinterteil eine Schildkröte, leuchte wie ein Mechaniker unter sie rein und greife immer wieder in das Loch, das sie gegraben hat, um die frisch aus ihr herausgepressten Eier herauszunehmen. Ich merke, dass sie sich anstrengt. Manchmal plumpsen gleich zwei Eier heraus, meistens aber nur eines. Ich zähle leise mit, dass Mati im Notfall auch weiß, wo ich war. Nach 41 Stück beginnt sie, das Loch wieder zu zu schaufeln. Das ist unser Zeichen, wieder zu verschwinden. Mati nimmt sein Zeugs und das Sackerl, in welches ich die Eier vorsichtig hineingelegt habe. Er muss beim Tragen aufpassen, dass er es nicht schüttelt, sonst kann es sein, dass sich Dotter und Eiklar vermengen und das Ei nicht beginnt sich zu entwickeln. Wir notieren noch die Zeit, wann sie fertig ist und wieder Richtung Wasser dreht. Es ist nun wichtig, nicht zu lange zu warten, bis wir die Eier in ein Nest legen. Weil momentan starke Hitze herrscht, sind die Brutstätten oben beim Camp ungeeignet. So graben wir ein Loch am Strand, direkt vor dem Camp und ich darf die Eier wieder hineinlegen. Zuschütten, fertig! Super cooles Erlebnis, das wohl noch nicht so viele mitmachen durften.

So darf ein erfolgreicher Tag gerne enden! Ich bin eine sehr, sehr interessante Erfahrung reicher. Mati meint, dass wir in den nächsten Tagen gerne noch einmal eine Patrouille machen können, was mich sehr freuen würde. Ich kann zufrieden schlafen gehen.

Am nächsten Morgen wache ich unzufriden auf. Mich haben die Gelsen gaaaanze Nacht hergemartert. Sogar das Gesicht haben sie nicht ausgelassen, die Schweine! Obwohl ich mich wie gerädert fühle, muss ich auf. Heute stehen Examinationen an. Ich glaube es sind sogar elf Nester. Wir beginnen mit dem Graben, doch mein erstes Loch stürzt immer wieder zusammen. Es ist so ärgerlich und mein Rücken tut mir vom ständigen im Knien nach vorne beugen auch schon weh. Dazu kommt, dass die Sonne bereits ordentlich an Kraft zugelegt hat. Es ist ein komisches Gefühl, mit den Fingern durch den feuchten Sand zu kratzen und man weiß, dass man auf ein lebendiges Schildkrötenbaby stoßen kann. Wenn man etwas spürt, muss man sich vorsichtig hintasten, um es nicht zu verletzen. Ist man tief genug, kommt man zu den Eierschalen. Hier liegen aber auch ganze Eier, die sich nicht entwickelt haben. Was auch noch vorkommt ist, dass sich bereits Maden über tote Babies hermachen und man diese so dann aus dem Nest hebt. Das ist kein schöner Anblick, gehört aber zur Arbeit dazu. Die beiden weiteren Nester, die ich auszuheben habe, gehen flotter.

Mati, Lottie und ich gehen mit den Säckchen zu einem entfernteren Ort, wo wir Mati zusehen, wie er die noch ganzen Eier öffnet. Diesmal ist etwas besonderes dabei. Eine Albino-Schildkröte! Leider ist es bei diesem Gendefekt so, dass sie nicht nur heller, also fast weiß ist, sondern es kommt auch zu Missbildungen, wie zum Beispiel das Fehlen der Augen oder anderen Dingen. Während mir Mati alles erklärt, notiere ich je Ei den Grund, warum es sich nicht entwickelt hat.

Nach dieser Arbeit spiele ich ein bisschen Ball mit den Mädchen von Carolina. Es gibt einen selbstgebastelten Basketballkorb und sie wollen, dass ich abwechselnd mit ihnen Körbe werfe. Es ist so schade, dass ich nicht einmal einfache Sätze mit ihnen reden kann.

Dann meint Mati, er müsse für die großen Wasserfässer Wasser nachpumpen gehen. Diesmal möchte ich mitkommen und sehen, wie das funktioniert. Der Weg führt hinter dem Camp vorbei, ein Waldstück entlang.

Hinterm Stacheldrahtzaun gibt es einen Brunnen, vor dem eine Pumpe steht. Diese wird vormittags hingebracht und abends zurück ins Camp geholt. Mati startet das Werkl und aus dem Brunnen wird das Wasser über die teilweise mit Tape zusammengehaltenen Rohre in die Tanks des Camps gepumpt. In der Trockenzeit (jetzt) muss man öfter pumpen gehen, da in dem Brunnen nur langsam eine kleine Menge Wasser nachrinnen kann. In der Regenzeit kann man beide Tanks in einem Durchgang füllen. Das Brunnenwasser dient zum Abwaschen, Duschen und als Wasser für die Klospülung.

Roy ist Surflehrer. Er hat nebenan ein paar Bretter liegen. Eigentlich hätten wir für heute Surfstunden ausgemacht, aber es kommt unerwarteter Besuch eines Biologen, der dieses Camp mit aufgebaut hat. Er hat gleich fünf weitere Personen mitgebracht, von denen wir aber nicht wissen, was sie sind oder tun. Jedenfalls entfallen die Surfstunden heute.

Der Abend klingt gemütlich aus. Mati, Lottie und ich sitzen vor dem neugebauten Hängematten-Unterschlupf und genießen den Sonnenuntergang wie so oft in den letzten Tagen. Danach spiele ich noch eine Runde Basketball mit den Mädls und kurz darauf gibt es Abendessen. Spaghetti! Endlich mal kein Reis und/oder Bohnen! Nun beginnt meine Schicht, doch es ist alles relativ ruhig. 89 Babies sind um 89 mehr als in meiner Tagesschicht. Mehr kommen dann aber nicht mehr.

Ich lege mich in mein Bett, das ich heute nachmittag mit Moskitonetz umwickelt habe. Mal schauen, vielleicht hält das die Biester davon ab, mich nachts zu quälen. Gute Nacht allerseits! 🙋🏻‍♂️😴

Und bei der Gelegenheit wünsche ich euch alles Liebe und Gute im neuen Jahr! Habt einen guten Rutsch! Das Jahr 2017 war voller schöner, aber auch leider einiger sehr trauriger Ereignisse, die im Vordergrund standen. Ich wünsche uns allen, dass im neuen Jahr das Positive prominenter wird, so mancher Schmerz aus 2017 verblasst und stattdessen die schönen Erinnerungen der Vergangenheit in den Vordergrund rücken. Alles Liebe! 🙋🏻‍♂️🎉

8 Gedanken zu „👃🏼 Nasenbärige Erlebnisse“

  1. Dir auch alles Gute dort drüben,mögen deine Wünsche für uns alle wahr werden!Genieß die Zeit und halt uns weiter mit spannnden Geschichten auf dem Laufenden!!☺️?????

  2. Danke Pauli! Dein Beitrag war wieder spannend und lehrreich ? Und wieder so tolle Fotos! Schön, dass Du momentan auch eine Österreicherin an Deiner Seite hast. Ich wünsche Dir einen schönen Jahresausklang fern der Heimat und alles Gute für das neue Jahr. ??

  3. Da Sessel entwickelt si jo prächtig! 😀
    So wiara am Foto ausschsut erinnert er mi an den Klappsessel, den ma mit ins Schwimmbod nehmen konn 😀
    owa er kriagt jo sicha no Haxn oder?

    Genauso wia auf deinen Bildern howi die Strände in Costa Rica in Erinnerung! 🙂

    I wünsch da auf jednfoi no a guade Zeit drüben und rutsch guid umi!! :)))

    LG Jasmin *:)

  4. Hi Bauz
    der Sessel sieht optisch schon einmal gut aus – das wird ein Highlight.
    Wünsch dir ein Gutes Neues Jahr, dass all deine Wünsche in Erfüllung gehen und alle deine Vorhaben gelingen, dazu Gesundheit und viel Liebe.
    Pape

  5. Ein wunderschönes neues Jahr! Genieß noch den Rest deiner tollen Reise. Hast du ein paar von den kleinen Schildis Pauli getauft? ??

  6. Hey Paule,

    Liebe Grüße aus dem grauen Meidling – wo ich mir mit deinen Einträgen wieder mal ein bisschen gute Laune und Sonne in meine Mittagspause gezaubert habe 🙂
    Thanx!

    Lg und viel Spaß noch,
    Tommi

    1. Servas Tommi!! Schön, von dir zu lesen! Freu mich, ein Licht nach Meidling geschickt zu haben! MeiiidLing, HaaaansL!
      Prost, bis bald auf einmal!

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