💬 Bernie kommt zu Wort … nochmal

Zu einer meiner Schwächen zählt es, dass ich auf Anhieb mit fremden Leuten nicht so schnell warm werde. Meist übernimmt Pauli den Part des Kennenlernens und des Vorfühlens & ich lehne mich derweil zurück und schau, was dabei rauskommt.

Doch dieses Mal war das gar nicht notwendig. Abgesehen von meiner anfänglichen Naivität, dass der einzige Grund, warum mir der alte Mann im Hafen meinen Koffer zum Boot trug, selbstlose Hilfsbereitschaft sei (und dann die Hand gezückt hat mit dem Kommentar „give me money“) darf ich rückblickend auf die letzten beiden Wochen, sagen, dass ich mich pudelwohl gefühlt hab. Obwohl ich mich minutenlang intensiv mit diesem Gedanken befasst hab, ist mir niemand in unseren beiden Unterkünften eingefallen, der nicht sehr nett, zuvorkommend, freundlich, flexibel und hilfsbereit gewesen ist. Den wahnsinnigen Fahrer, der uns auf der Insel Cebu chauffiert hat, zähl ich da jetzt mal nicht dazu. Sicher denkt sich jetzt der ein oder andere von euch, dass das von Hotel- und Tauchpesonal verlangt wird und selbstverständlich ist. Leider war das auf unseren bisherigen Reisen leider nicht immer der Fall.

„Wenn sich Lärm in Stille, Hektik in Ruhe und Schwere in Leichtigkeit verwandelt“

Diese Passage hab ich hier während unseres Aufenthalts im Buch „Das Gesicht des Drachen“ von Jeffery Deaver gelesen. Darin wurde gerade beschrieben, wie die Polizistin Amelia Sachs sich zu einem Tatort in 30m Meerestiefe begab. Treffender hätte Jeffery den Moment, wenn man an der Oberfläche des Meeres beginnt die Luft aus seinem Jacket zu lassen und sich in die Stille des Wassers gleiten lässt, nicht beschreiben können.

Wenn man aber nicht gerade abtaucht, um Leichen zu bergen, erfährt man noch viele andere Glücksmomente:

Gleich nach dem ersten Tauchgang bei Malapascua Island war ich von der unglaublich faszinierenden und wunderschönen Unterwasserwelt in den Bann gezogen. Egal mit wem wir bisher gesprochen haben, jeder war der Meinung, dass Ägypten das absolute Tauchparadies sei – nun, dort waren wir bis jetzt noch nicht, aber wenn das hier in Ägypten getoppt werden kann, freu ich mich schon auf den Juli … da werden wir uns persönlich davon überzeugen! Bei nahezu jedem Tauchgang hier in den Philippinen wurden meine Sinne regelrecht überflutet von der immens riesigen Vielfalt an Fischen und den vielen anderen Lebewesen, die so knapp unter der Wasseroberfläche ihren Alltag bravourös bewältigen. Stundenlang könnte ich‘s mir unter Wasser gemütlich machen und den bunten Fischschwärmen beim Erkunden des Meeresbodens zusehen. Zu meinen absoluten Favoriten hier zählen die vielen Seepferdchen und Haie, welche mir bisher in den vorangegangenen 83 Tauchgängen verwehrt geblieben sind. Lang hat es auf alle Fälle nicht gedauert, bis ich mich in die hiesige Unterwasserwelt verliebt hatte.

Zwar hatten wir auf der nächsten Insel nicht mehr das Glück Haie und Seepferdchen zu sehen, aber dafür riesige Fischschwärme und haufenweise Schildkröten … wir befanden uns regelrecht in einem Schildkrötenparadies 🐢 Ich war ganz verwundert, wie zutraulich diese hier waren. Normalerweise erheben sich die meisten, nachdem sie uns Taucher bemerkt haben, und schweben mit einer rasenden Geschwindigkeit von 3 km/h in die entgegengesetzte Richtung davon, wie es auf Mauritius oft der Fall war. Doch hier konnte ich neben einer grünen Meeresschildkröte minutenlang her schwimmen, ohne dass sie sich von mir abgewendet hat. Einer anderen hab ich eine halbe Ewigkeit dabei zugesehen, wie sie sich an einem Geäst gekratzt hat – wie ein Grizzlybär an einem Baumstamm.

Ein weiteres Highlight war für mich das Massageerlebnis in der zweiten Unterkunft in Dauin. Ich bin schon seit langem kein Fan mehr von gewöhnlichen Massagen, da es immer etwas gab, das mich dabei gestört hat. Sei es der Umgebungslärm, die Handhabung der Massage, die Einstellung des Masseurs, das fehlende Fragen nach meinem Wohlbefinden während der Massage oder der ausbleibende Erholungsfaktor danach. Aber diesmal dachte ich mir: neues Land, neue Chance.

Bei der Durchsicht des großen Angebots anfangs überfordert, hab ich mich dann für ein Package, das eine Stunde „body scrub“ und eine Stunde „body massage“ beinhaltete, entschieden – für umgerechnet grad einmal 24 Euro. Da ich es natürlich kaum erwarten konnte, war ich 10 Minuten zu früh dran. Nur einen kurzen Augenblick später schoss meine Masseuse Richie um die Ecke und entschuldigte sich vielmals, dass sie sich verspätet habe.

Drei weitere Entschuldigungen später drückte sie mir einen Zettel in die Hand, auf dem ich Daten zu meiner Person und diversen Krankheiten sowie Wünsche zur Massage, meine Lieblingsfarbe ja sogar meine Lieblingsblume 🌻 angeben durfte. Während ich mit dem Ausfüllen des Formulars beschäftigt war, richtete Richie alles für meinen zweistündigen Aufenthalt her. Sie drehte die Klima auf, zündete Kerzen an, drehte eine angenehme Meditationsmusik auf und zog die Vorhänge zu. Dann durfte ich in eine kurze knallgelbe Seidenshort schlüpfen und es mir auf dem Massagebett gemütlich machen.

Zuerst begann Richie meinen kompletten Körper mit einem besonderen Peeling einzureiben. Meine Haute nahm das Ganzkörperpeeling sehr gut auf, von meiner Seele brauch ich gar nicht reden. Richie fragte mich zwischendurch ob der Druck und die Raumtemperatur angenehm war. Nach der ersten Wohlfühlstunde für meine Haut und einem kurzen Check, ob meine erst kürzlich gestochene Tätowierung am Arm nicht doch mitruntergeschrubbt wurde, bat mich Richie in der angrenzenden Dusche das Peeling abzuwaschen und legte mir frische Shorts für die nachfolgende Massage bereit.

Auch während der zweiten Stunde kam es mir vor, als würde Richie meine Gedanken lesen. Sie drückte genau an den richtigen Stellen. Die Massage im Gesicht gab mir den Rest und ich dämmerte langsam weg 💆🏻‍♀️. Mittlerweile hat es draußen zu schütten begonnen, was die schon vorhandene Rauschkulisse nicht im Geringsten störte. Ich liebe nichts mehr, als das Geräusch, wenn Regen aufs Dach prasselt.

Wie es halt immer so ist, hat alles Schöne auch mal ein Ende und so endete meine besondere Wohlfühlzeit nach ca. 130 Minuten. Da ich noch ein paar Minuten brauchte, um aus meinem Dämmerzustand komplett zu erwachen, war ich über die kleine Tasse Ingwertee, welche mir von Richie beim Verlassen des Massageraumes in die Hand gedrückt wurde, heilfroh. Diesmal bereute ich kein bisschen meinen Entschluss zur Massage.

Woran ich mich auch vor einem Jahr in Neuseeland nicht gewöhnen konnte, war die überall spürbare Weihnachtsstimmung 🎄. In beiden Unterkünften blinkte es aus allen Ecken und Winkeln von den vielen Lichterketten, überall hingen Weihnachtssterne von der Decke oder standen Schneemänner am Wegesrand. Für mich in einem Urlaub am Strand und bei 30 Grad Außentemperatur etwas total Surreales. Die Einheimischen hier lieben auf jeden Fall Weihnachten und die Vorbereitungen für das große Fest beginnen bereits im September. Die Leidenschaft für diese besinnliche Zeit haben uns auch die beiden Bar-Damen präsentiert, die jeden Abend „Jinge Bells“ rauf und runter spielten und dazu tanzten.

Ein heikles Thema bei jeder meiner Reisen ist meine vegetarische Lebensweise. Ich hatte schon Wochen auf den Azoren verbracht, bei denen es jeden zweiten Tag Pommes mit Ketchup gab, da sich die azoreanische Kultur nur langsam an diese alternative Ernährungsweise anpasst … besonders schwierig noch dazu, wenn man auch keinen Fisch isst. Dafür war ich umso glücklicher, als es in der in beiden Unterkünften identischen Speisekarte eine große Auswahl an vegetarischen Speisen gab 😋. Manche Speisen hab ich auch öfter als einmal gegessen, da sie so lecker waren, wie z. B. die vegetarischen Currys, die Frühlingsrollen und die Spaghetti mit Tomatensauce. Der Gedanke an das Frühstücksmüsli half mir jeden Tag aus dem Bett, obwohl es sich nur um eine große Schüssel gefüllt mit Cornflakes, Haferflocken, Rosinen, klein geschnittenen Obststücken 🍉🍌🍎🍍🍇, einem Löffel Joghurt und einem Gläschen Milch handelte. Beim Gedanken daran läuft mir das Wasser schon wieder im Mund zusammen.

Wieder ging ein toller Urlaub zu Ende. Mit ein paar neuen Bekanntschaften, tollen Erfahrungen und schönen Erinnerungen mehr stand meiner Heimreise ins verschneite Österreich nichts mehr im Wege. Mit freudiger Aussicht auf ein baldiges Wiedersehen in Peru trennten sich unsere Wege auf dem Flughafen in Manila. Beim nächsten Abenteuer in Peru werde ich nur mit einem Gepäck anreisen, denn getaucht wird diesmal nicht! Da Pauli in den zwei Wochen so brav war, nehm ich ihm seine warme Jacke und die Mütz’ mit 😉.

10 Gedanken zu „💬 Bernie kommt zu Wort … nochmal“

  1. Super Beitrag Bernie, du wirst möglicherweise lange von der Massage zehren. Auch die Erinnerung an die fabelhafte Unterwasserwelt und der zuvorkommende Umgang der Einheimischen werden lange nicht verblassen. Ich freue mich für dich, dass dein 2 wöchiger Urlaub dir sehr viel gegeben hat und wünsche dir einen guten Heimflug um freu mich auf ein Wiedersehen
    glG
    Pape

    1. danke .. diesmal hab ich nicht so lang gebraucht, wie beim ersten beitrag ?

      mal sehn, wie’s nach 2 tagen arbeiten aussieht bzgl. gewonnener energie ?

      bis bald und bussi an den oppa ?

  2. Liebe Bernie, unglaublich, wie du mir aus der Seele sprichst 🙂 Dein Einleitungssatz könnte von mir stammen, nur hätte ich es nicht so gut beschreiben können :-). Oder dein Zitat von Jeffery Deaver… WOW! Ich bin der Unterwasserwelt jetzt ja schon viele Jahre fern geblieben, aber genau das ist es, was ich manchmal vermisse und mich sehnen lässt. Diese Stille, die Leichtigkeit, das Schweben… Sooo schön, dass ich manchmal noch davon träume! Ich war übrigens bereits in Ägypten tauchen – es war wunderbar, aber um ehrlich zu sein befürchte ich fast, dass du enttäuscht sein könntest. Ich habe das Gefühl, dass eure aktuellen Erlebnisse nicht so leicht getoppt werden können (aber natürlich wünsche ich es euch von Herzen :-)).
    Oder dein Kommentar zum Essen auf den Azoren – hihi. Mir (bin ja ebenfalls vegetarisch und nicht-fisch-essend unterwegs) sind damals auf den Azoren die Erdäpfel bereits aus den Ohrwaschln rausgewachsen… 😉
    Nur Massagen sind nicht so mein Ding. Vielleicht sollte ich es jedoch wieder einmal versuchen, du siehst mit deiner Tasse Ingwer-Tee in der Hand so herrlich entspannt aus.
    Ich wünsche dir eine gute Heimreise! Bussi, Sabine

    Lieber Pauli, ich lese deinen Blog mit großer Begeisterung!!! Freue mich schon auf die nächsten Einträge 🙂

    1. Haha … freut mich zu hören, dass du dich mit meinem Eintrag so identifizieren kannst, Cousinchen ??

      Na nur nicht die Hoffnung aufgeben, ihr seid ja noch jung .. wer weiß, vielleicht findet ihr eines Tages wieder zurück zum Tauchen. Wäre schön! ?

      Na für euch muss das ja damals noch schlimmer gewesen sein, wart ja doch 15 Jahre vor uns auf den Azoren (zumindest glaub ich mich zu erinnern, dass das mit der Zeit ungefähr hinkommt). Kann mich noch gut erinnern, als ich ein einziges Mal einen vegetarischen Burger auf einer Karte gefunden hab – den hätt‘s bei euch damals sicher auch noch nicht gegeben ? der Kellner hat ihn aber falsch hingestellt und PAULI ist dann aufgefallen, dass er den vegetarischen bekommen hat (da hatte ich schon ein paar Bissen genommen & hab‘s nicht bemerkt) ??

      LG an den Rest der Family ?

  3. Liebe Bernie, schönes Zitat ( passt auch zu meinem Wald ) und toll geschrieben! Wir freuen uns schon auf dich und deine Berichte über euren paradiesischen Urlaub. Da gibt es sicher noch viel zu erzählen! Deine Fotos vom Essen … da läuft einem ja das Wasser im Mund zusammen. ?
    Komm gut heim! Bussi Mama ?

  4. Liebe Bernie! Ich hab mich sogar selbst entspannen können, bei Deinem schönen Bericht! Danke! Ich hoffe, dass Du lange von dieser schönen Reise zehren kannst! Komm gut heim, meine Liebe! Und: Das bunte Meeresbodenbild groß auf Leinwand gedruckt wäre ein Traumbild für ein Wohnzimmer! Gute Heimreise! Bussi, Gaby

    1. hallo gabylein!

      freut mich, dass er dir gefallen hat und du auch entspannung darin gefunden hast ☺️

      jaaaa da könntest du recht haben, diesmal sind ein paar gute dabei, die gut auf eine leinwand passen würden.

      wünsch dir einen schönen urlaub nächste woche und bis bald! bussi

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