🛵 Easy Rider: Reloaded

Endlich ist es soweit! Ich darf selbst ein Motorrad lenken. Die heutige Tour beginnt relativ christlich um viertel neun. Der Kanadier Scott leitet die Tour, die durchs kambodschanische Hinterland führen soll. Bei der Abholung fahren zwei Motorräder vor, wobei bei einem schon eine Person als Beifahrer drauf sitzt.

Vicky kommt aus London und sitzt das erste Mal auf einem Motorrad. Wir werden nach zehn Minuten Fahrtzeit zu einer breiten Nebenstraße gebracht, wo wir nun unsere eigenen Bikes bekommen. Scott erklärt, wie das Ding funktioniert und demonstriert vom Starten bis zum Schalten alles. Es ist ein 125 ccm Motorrad mit semi-automatischer Schaltung. Das bedeutet, man kann bzw. muss selbst schalten, jedoch braucht man nicht kuppeln. Jetzt sind wir dran! Ich schwing mich auf den Sattel und dreh mal eine Runde. Bequem, einfach in der Handhabung und die Sitzhöhe für Asiaten passt perfekt für mich eher kleinen Menschen. Jetzt werden die Mopeds noch vollgetankt und wir starten durch.

Nach einem Kilometer auf Asphalt, biegen wir auf eine feste Sand- und Schotterpiste. Hier draußen wohnt die Mehrheit der Kambodschaner. Die meisten sind Reisbauern und verdienen mit diesem Knochenjob ihren Lebensunterhalt. Als erstes halten wir gleich an einem Reisfeld, das gerade geerntet wird. Vorwiegend Frauen schneiden mit Sicheln die Reispflanzen ab. Sie stehen in einer langen Reihe nebeneinander und unterhalten sich währenddessen gut.

Nur ein Stückchen weiter bei einem Haus unweit des Reisfelds, haben die Bauern heraußen eine Maschine aufgebaut, die die Reiskörner vom Rest der bereits getrockneten Pflanze trennt. Die Arbeit wird dadurch unheimlich erleichtert! Wir fahren weiter, wie schon zuvor bei der Fahrradtour, durch grüne Tunnel aus verwachsenen Baumkronen. Eine sehr geile Stimmung! Die Feldstraßen sind so unwegsam, dass nur ab und zu ein Blick in die wunderschöne Landschaft möglich ist.

Jetzt passiert, was passieren musste. Auf der sandigen Muggelpiste verpasst Vicky fast die Abbiegung. Sie lenkt hektisch ein und legt das Moped in der Kurve vor einer Schar Einheimischer in den Sand. Ich beobachte alles live im Rückspiegel. Natürlich lassen wir die Motorräder sofort stehen und laufen zurück. Die Kambodschaner sind schon dort und helfen ihr auf die Beine und dem Moped auf die Reifen. Außer ein paar Schrammen an Knie und Arm ist nichts passiert. Eine Einheimische kommt sofort mit Tigerbalsam daher. Vicky lehnt dankend ab. Ich glaub‘, ich hätte die nette Geste auch nicht angenommen. Wär mir zu gefährlich, wegen Infektionsgefahr usw…

Wir machen unsere erste längere Pause an einem See. Hier kommen die Einheimischen am Wochenende vorbei und entspannen und vergnügen sich mit der ganzen Familie. Im Wasser, nahe am Ufer, treiben Tretboote, die wie Schwäne aussehen. Scott geht mit uns in eins der sehr einfachen Lokale vis-a-vis vom Steg. Wir bekommen Wasser und schmeissen uns in die Hängematten. Kambodschaner lieben Hängematten! Während wir so dahinbaumeln, erzählt uns Scott, wie er vor knapp sechs Jahren nach Kambodscha kam, seine kambodschanische Frau kennenlernte und dass er drei eigene Kinder und einen Adoptivsohn mit ihr hat. Scott kümmert sich neben dem Geschäft außerdem um Charity-Projekte, die Kinder und Schulen betreuen.

Nach ein paar Fotos fahren wir weiter. Am Straßenrand stehen vereinzelt Häuser. Die hier wohnenden Kinder laufen aus der Einfahrt heraus und schreien aus voller Kehle „Hello!“. Dazu winken sie wie verrückt und ich natürlich zurück. Vicky traut sich die Hände nicht mehr vom Lenker nehmen, deshalb schenkt sie nur ein Lächeln. Das mit dem Kinderwinken zieht sich die komplette Tour so weiter – da lacht das Herz!

Für’s Mittagessen stoppen wir bei einem kleinen Lokal. Es ist eher ein Touristenlokal, was man an den Preisen sehen kann. $ 6,50 für ein Curry ist Wucher in Kambodscha! Aber nach dem Essen stehen wir auf und gehen einfach. Ich frag Scott, ob wir das nicht zahlen sollen. Da meint er, dass das Essen bei der Tour inkludiert ist. Das ist die erste Tour, bei ich mir das Essen selbst á la Card aussuchen konnte, ohne dafür zu bezahlen.

Schön langsam schlagen wir den Weg zurück ein. Über wirklich coole Feldwege fahren wir durchs Hinterland Kambodschas. Kühe weiden zwischen den Reisfeldern, wo auch Palmen die Landschaft zieren.

Es war eine wunderbare Tour, die ich jederzeit noch einmal machen würde! Eventuell nochmal mit einem geübteren Partner in der Truppe. Scott bringt mich Huckepack zum Hotel zurück. Beim Verabschieden lade ich ihn noch abends in die Absackerbar ein. Keine Ahnung ob er kommt.

Bei der Rezeption haben wir normalerweise immer den Schlüssel hinterlegt. Diesmal ist er nicht da, also meine ich, dass Kevin im Zimmer sein muss. Ich geh‘ nach oben und klopfe, doch niemand öffnet. Also setze ich mich unten vor dem Hotel hin, trink eine kleine Dose Bier und schreibe Kevin, wo er denn ist. Er schreibt zurück, dass er im Zimmer ist. Hatte sicher die Kopfhörer oben. Er kommt nach unten und wir prosten.

Ich gehe duschen und schmier‘ mich mit Bepanthen ein. Denn die Motorradtour hat ihre Spuren hinterlassen. Stellenweise bin ich gefärbt wie die kambodschanische Erde: rot.

Wir verpennen beide noch ein oder zwei Stunden bei uns im Zimmer. Um circa 18:00 Uhr suchen wir uns was zu essen. Kevin und ich gehen die mittlerweile altbekannten Straßen von Siem Reap ab, enden aber doch wieder in dem Lokal, in dem wir am ersten Abend gegessen haben.

Nach dem Essen steht wieder ein Besuch in unserer Absackerbar am Programm. Hier spielt unsere Stammband im Stammlokal das Stammrepertouire. In der Pause begrüßt uns Dima, der Frontsänger herzlich und kurz darauf kommen auch die beiden lieben Steirerinnen von gestern Abend wieder vorbei. Plötzlich sitzen fünf Leute am Tisch. Leider kommt Scott den ganzen Abend nicht. Er hat wohl mit seinen Kids viel zu tun und muss morgen für die nächste Tour fit sein. Der Chef der Bar sagt, dass ich „Phontaine“ in der Bandpause auflegen darf. Es gefällt!

Wir verbringen einen weiteren netten Abend in unserer Absackerbar mit netten Menschen rund um uns. Das gute an Touristen-Hot-Spots ist, dass man immer tolle Menschen kennenlernt. Hier nochmal ganz, ganz liebe Grüße an Anna und Laura, mit denen wir heute Abend den ein oder anderen Long Island Ice Tea getrunken haben – viel Spaß auf eurer weiteren Reise!

Ich klinke mich für heute mit einem Zitat von Herbert Prohaska aus:

Gute Nacht.

11 Gedanken zu „🛵 Easy Rider: Reloaded“

  1. Spitzen-Tour, perfekt für dich! Was hat denn Kevin den ganzen Tag gemacht?

    Mein Gott, ist die Bluetooth-Tastatur putzig ☺️

    Bald ist es so weit & du kannst dich mit der 70er Sonnencreme einschmieren ?

    1. die tour hat nur vier stunden gedauert. kevin hat inzwischen gerastet.
      ohne tatstatur wär das bloggerleben nur halb so schön ??
      die 70er creme brauch ich dringend!

  2. Also Pauli super wie ihr das macht!
    Lese regelmäßig eure Erlebnisse und Geschichten.
    Hätte das vor zwei Jahren bei meiner Afrikareise auch machen sollen,
    zumindest ein Tagebuch führen.
    Alles gute weiterhin!!

    1. jetzt freu ich mich wirklich besonders, dass du auch mit von der partie bist! ich empfehle ehrlich jeden schritt und kilometer, den ich auf meiner reise gemacht habe. ich freue mich wieder auf ein gemeinsames bier!!

  3. Mit Sicherheit eine Tour für deinen Geschmack, und eine super Gelegenheit das Hinterland kennen zu lernen. An deiner Hand sieht man einen ordentlichen Sonnenbrand, aber mit Sicherheit besser als Regen auf den Feldwegen. Super Fotos damit wir auch einen optischen Eindruck von Land und Kulinarik haben. Danke und für morgen wünsch ich euch einen sonnigen Tag wie heute
    liebe Grüße
    Pape

  4. Pauli, ich bin begeistert, wie du jeden Tag uns (weit weit weg) von deinem Tag erzählst ? man fühlt sich gleich mit von der Partie! Genieß die Zeit noch in Kambodscha ?

    Viel Spaß bei der nächsten Destination ? ich les deinen Blog sowieso weiter ??

    Liebe Grüße Jenny ??‍♀️

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