🕊 Krieg und Frieden

Heute beginnt der Tag, wo bei uns die Bäcker schon wieder müde sind. Um 11:30 Uhr kraxeln wir einigermaßen erholt aus den Federn. Für heute haben wir uns das Kriegsgeschichtemuseum auf den Plan gesetzt.

Bevor wir uns aber dorthin begeben, brauchen einen Kaffee. Das Frühstück bei uns geht leider nur vom 7:00 – 11:00 Uhr; knapp verpasst. Also nichts wie raus auf die Straßen Ho Chi Minhs.
In einer Shopping Mall fahren wir alle Stockwerke ab, weil ich eine Bluetooth-Tastatur suche. Damit würde ich mich so viel leichter tun, wenn ich die Beiträge schreibe. Leider finden wir nix. Im untersten Geschoß setzen wir uns ins eine Bäckerei. Hier sind die Bäcker noch immer munter und füllen die Schaufenster mit feinster Backware. Wie bei einem Buffet kann man sich alles mögliche auf sein Tablett aufladen und anschließend an der Kassa mit einem Getränk komplettieren.

Eine Backware erinnert mich an Portugal. Mit Topfen gefüllte Törtchen ähneln den portugiesischen Pastéis de Nata. Wie ich herausfinden muss, sind die vietnamesischen Abklatsche aber keine Konkurrenz. Wir frühstücken hier und wollen anschließend ins Museum.

Draußen stehen Panzer, Flugzeuge und sonstige Kriegsmaschinen. Schon vorher haben mir Freunde erzählt, dass hier drin absolut nichts beschönigt oder zensiert wird. Drinnen gehen wir die ersten Räume mit Schaubildern ab und arbeiten uns die Stockwerke nach oben.

Ich weiß nicht genau, wie ich diesen Museumsbesuch schildern soll. Irgendwie fehlen mir die Worte. Ich wusste im Vorhinein von Freunden, dass sie das Gebäude nach einiger Zeit verlassen mussten. Ich habe ab dem heutigen Tag absolutes Verständnis dafür.

Die Solidarität, die viele andere Länder, darunter auch Österreich, in Form von an die USA gerichteten Protesten, dem absolut sinnlos angegriffenen, sinnlos zerstörten, sinnlos gepeinigt und gefolterten Land erwiesen, wird schon im Erdgeschoß dargestellt.

Die weiteren Stockwerke und Ausstellungsräume zeigen Bilder, die von Kriegsjournalisten mit der Kamera festgehalten wurden. Ein so dermaßen grausiges Schauspiel, das ich mich entscheide, meine Kamera bis zum Verlassen der Schauräume ausgeschaltet an meiner Schulter hängen zu lassen. Jeder kann selbst die Bilder, auf denen GI’s die Hälfte von Mienen und Granaten zerfetzter Vietnamesen-Leichen in der Hand halten, googeln. Der Vietnamkrieg zieht seine Spuren bis in heutige Tage, an denen noch immer neue Generationen mit deformierten Körpern geboren werden. Wer‘s genau wissen will, kann auch die Folgen der in Massen angewandten chemischen Waffen, allen voran „Agent Orange”, googeln – einen starken Magen vorausgesetzt. Ich muss jetzt aufhören, darüber zu schreiben.

Zurück auf dem Asphalt des ehemaligen Saigons, ziehen wir Straße um Straße um die Häuser. Ich würde so gerne ins Hard Rock Café gehen, da es schon eine Tradition bei mir wurde, diese Lokale in den jeweiligen Städten und Ländern abzuhaken. Wir schlagen eine ungefähre Richtung ein und queren die Straßen, auf denen der Verkehr in Massen fließt.

Wir kommen an einer Fußgängerzone vorbei und biegen wie selbstverständlich in diese ein. Ein Buchladen nach dem anderen säumt die Straße. Am Ende angelangt macht sich eine fettes Grinsen auf unserem Gesicht breit. Wir sind geradewegs auf das Hard Rock Café zugelaufen. Das Glück verfolgt uns nun schon seit Beginn unserer Reise, als hätten wir den Bauch des Buddha gerieben.

Seit unserer Einreise in Vietnam, wird dies unsere erste westliche Bestellung. Eigentlich ganz angenehm, so zwischendurch. Käse hatten wir eigentlich schon ewig keinen und gebackene Speisen auch kaum.

Jetzt wollen wir Richtung Hostel. Wie‘s der Zufall will, stoßen wir auch auf die Straße, in der unser Hostel liegt. Vis-a-vis ist eine Diskothek, die wir schon am Vorabend bewundert haben. Heute gibt‘s einen Abstecher dahin.

Im „FOX” ist momentan noch nicht so viel los, aber es sind bisher nur einheimische Gäste an den Tischen. Während wir das erste Bier trinken, dass uns von freizügig gekleideten Kellnerinnen serviert wurde, dreht der DJ die Anlage auf Angriff. WHOOOM WHOOOM ZACK PRACK! Der Bursch weiß, wie sich das gehört! Unvorstellbar so ein Lokal bei uns in Österreich zu eröffnen. Die Bude ist quasi ein Open Air Bereich inmitten der Stadt. Hier bleiben wir für weitere zwei Tiger und Sapporo.

Der Abend klingt in der Roof-Top-Bar unseres Hostels aus. Für morgen haben wir eine Tagestour im Mekong-Delta gebucht und besuchen auch die Cu Chi Tunnel.

Zwischendurch möchte ich mich für das entgegengebrachte Interesse eurerseits bedanken! Danke sage ich auch für die vielen lieben und vor allem motivierenden Kommentare! Ich freue mich, dass der Blog lebt und fast täglich neue Abonnenten bekommt. Ich bin Sprachlos, wenn ich euren Support durch die Statistiken präsentiert bekomme! Lasst euch das auf der Zunge zergehen:

Außerdem ein spezielles Dankeschön an Kevin, der bis jetzt die Stunden meines Schreibens toleriert und die letzten Tage auch noch Korrektur liest. Viele Dank, Kumpel! 👊🏼

6 Gedanken zu „🕊 Krieg und Frieden“

  1. Pauli, ich kann nur wiederholen: Ich bin ein absoluter Fan Deiner gigantischen Berichte und Fotos ?? Ich freu mich auf jeden weiteren Beitrag. Und ich finde es berührend, dass Du in dem ,schreckerregenden’ Museum Deine Kamera abgeschaltet hast. Ich wünsche Dir weiterhin eine tolle Reise?

  2. Hallo ihr 2 “Hard Rocker”,

    ich sag herzlichen Dank für das authentische, packende und berührende Reisetagebuch.

    In Vietnam muss wohl jeder America für seine Kriegsverbrechen an Unschuldigen hassen. Es macht einen immer demütig und dankbar an einem friedlichen Ort zu leben.

    Maaah, der Schnaps Mekong schmeckt voll gut. Den werdet ihr morgen hoffentlich auch in diesem Delta bekommen…..vielleicht als happy water?!

    DAS WIRD BESTIMMT EIN ERGEBNIS 🙂

  3. Super Paulus,
    macht echt Bock deine Berichte zu lesen

    Gruß aus dem Alltagstrott im grauen Österreich
    (obwohl heute wars ur geil mit 16° und sonnenschein!)

    gruß
    robsch

  4. Das Backwaren-Foto hat ebenfalls eine Portugal Erinnerung wachgerufen, noch bevor ich weitergelesen hab :))

    Stichwort Essen – was war das bisherige kulinarische Highlight?

    1. hahaha ;))) ja des hab i auch scho überlegt. i würd sagen des hühnerfleisch mit reisnudeln, sojasprossen und ernusssauce in hue. des war sehr leiwand!

Antworte auf den Kommentar von pauli Antwort abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert