🏍 Hue Rider Tour – Tag 2 -> Ho Chi Minh

Wie eine Königscobra, die größte Giftschlange hier in Vietnam und überhaupt, reisse ich meinen Mund auf, um den Schlaf aus mir rauszugähnen. Kevin war wieder vor mir munter und hat schon eine Runde im morgentlichen Ort in Begleitung Tiens gedreht.

Nach dem Frühstück satteln wir wieder die Bikes und starten in den Tag. Ähnlich wie gestern fahren wir auf den verlassenen Bergstraßen durch die Wälder. Nach ein paar Kilometer halten wir an einem Aussichtspunkt, wo wir einen tollen Blick über die grün bewaldeten Hügel haben. Luv und Lee drücken und ziehen die Nebelschwaden über die Landschaft.

Es dauert nicht lang, da halten wir an einem der Staudämme, die hier in die von Flüssen durchzogenen Schneisen zwischen die Hügel gebaut wurden. Vietnam wird durch Wasserkraft mit Energie versorgt und Wasser, wie wir seit ein paar Tagen wissen, gibt‘s hier genug. Ja fast schon zu viel.

Langsam verlassen wir die Bergregion und nähern uns der Stadt „Da Nang“. Die Vororte sind stellenweise überschwemmt, wie wir vom Moped aus sehen können. Manchmal ist das Wasser so hoch auf den Straßen, dass unsere Füße beim Durchfahren unter Wasser sind.

In Da Nang halten wir an einem Ort, wo früher Marmor abgebaut wurde und sich die Zunft der Steinmetze niederließ. Die müssen heute den Stein aus einer Region im Norden hierher bringen, weil die Vorkommen hier erschöpft sind. Zwischen den unglaublich aufwendig gemeißelten Figuren halten wir an einem kleinen Restaurant. Von hier aus schicken uns unsere Freunde zum Eingang einer Höhle. Wir wissen nicht, was uns erwartet.

Mit den erworbenen Eintrittskarten in der Hand, gehen wir durch den Eingang in die Höhle. Die inneren Kammern sind wahnsinnig hoch, wie eine Kathedrale. Ringsum stehen Statuen und Figuren, die religiöse Abbildungen darstellen. Darunter auch sehr grausame Szenen, in denen Menschen von Dämonen gefoltert oder von Ungeheuern gefressen werden.

Wir schließen uns dem Touristenstrom an und steigen ein paar Treppen hinunter, immer tiefer in den Fels. Hier unten gibt es nur noch Horrorbilder. Allmählich begreifen wir, dass hier Dantes Inferno abgebildet wird. Es ist sehr eng und feucht, weil es in der ganzen Höhle von der Decke tropft. Genug von der Hölle im Untergeschoß, sind wir gespannt, was uns weiter oben erwartet. Von der Eingangsebene aus, steigen wir eine steile Treppe hinauf. Die wurde ebenso mühevoll in den Stein gehauen, wie manche Figuren an den Wänden. Doch die Figuren werden freundlicher und gottähnlicher (in buddhistischer Form), je weiter wir nach oben kommen. Die Stufen werden immer enger und steiler, bis wir schließlich am Ende sind. Wir können auf einen Balkon aus der Hohle aussteign und sehen über die Stadt. Hier muss der Himmel bzw. die Erleuchtung sein. Zumindest für den Moment, denn es geht nicht weiter. Wir müssen den Pfad wieder nach unten, während andere entgegenkommen. Ausweichen ist nicht immer einfach. Schließlich erreichen wir die Ausgangsebene und gehen zurück zu unseren Guides, die im Lokal auf uns warten.

In Da Nang gibt es einen berühmten Strand. Ein Bauboom lässt Hotel neben Hotel wie Pilze aus den Boden schießen. Heute ist zwar definitiv kein Strandwetter, aber wir bleiben dennoch für ein, zwei Fotos stehen.

Danach bringen uns unsere Chauffeure noch zu einer riesigen Buddha-Statue, die wir schon von weitem sehen. Wir laufen ein wenig in der Tempelanlage herum, in der der große, weibliche Buddha steht. Man beachte meine sexy Gummistiefel!

Rechtzeitig, als der Regen wieder einsetzt, erreichen wir unsere abermals wartenden Guides, die uns schon mit der zuvor abgelegten Regenkleidung entgegen kommen. Wir beschließen, mit den beiden noch essen zu gehen. Das hätten wir uns sparen können. Ich bin sehr unzufrieden, mit dem leider schon kalten Essen, dass uns serviert wird. Wenigstens der Reis ist warm, mehr ess’ ich auch nicht. Kevin lässt auch einiges am Teller zurück.

Zuvor hatten wir uns abgesprochen und unseren Plan für die nächsten Tage umgeworfen. Durch die schweren Regenfälle der letzten Tage, wurde unser vorgesehener nächster Stopp, die Stadt Hoi An, überschwemmt. Es macht keinen Sinn, dort hinzugehen. Wir haben uns also mit Tam und Tien abgeprochen, dass sie die Tour mit uns am Flughafen in Da Nang beenden. Dort lassen sie uns von den Motorrädern runterhüpfen. Wir bezahlen den Rest für die Tour und verabschieden uns von den beiden.

Durch den Regen gehen wir zum Flughafeneingang und suchen den Schalter von Vietnam Airlines. Die Angestellte bucht unseren eigentlichen Flug auf einen, der bereits in zwei Stunden geht, um. Wir müssen $ 70,- aufzahlen. Dafür bekommen wir aber orange-braune Tickets. Drauf steht „Business Class”. #oida Gut investiertes Geld, wie wir im Flieger feststellen. Leider dauert der Flug nur eineinhalb Stunden. Wir sind die einzigen in der ganzen Business Klasse und werden königlich behandelt. Ein Getränk gleich nach dem Einsteigen, gekühlte Handtücher, Kaffee in einer richtigen Tasse und jede Menge Platz!

In Ho Chi Minh gibt es den Taxidienst UBER. Von einer Fahrerin lassen wir uns zu unserem Hostel bringen. Beim Einchecken gibts ein paar Unstimmigkeiten, weil wir die ersten beiden Nächte nun hinzubuchen müssen. Jetzt passt aber alles. Die Rezeptionistin bringt uns über den Aufzug ins achte Stockwerk. Wir steigen aus und stehen schon im Zimmer! „Bitte Schuhe ausziehen.”, sagt die Dame. Barfuß zeigt sie uns unsere Schlafkojen im Zehn-Bett-Zimmer. Es ist das coolste Mehrbettzimmer, in dem ich je geschlafen habe. Man kann seine Koje mit einem Vorhang zuhängen und genießt so ein wenig Privatsphäre.

Unser Hostel verfügt über eine Dachterassenbar. Wir fahren direkt von unserem Zimmer aus mit dem Aufzug dort hin. Eine Wendeltreppe bringt uns wirklich ganz nach oben. Die Aussicht ist herrlich! Alles um uns leuchtet, blinkt, hupt und spielt Musik. Heute Morgen sind wir noch im Schimmel-Zimmer inmitten der grünen Berge im Hochland munter geworden – jetzt sitzen wir im Lichtermeer einer internationalen Großstadt und lassen uns vom zuvorkommenden Personal der Roof-Top-Bar bedienen und hören „Coco Jambo“. Unwirklich. Kevin beschreibt die Situation so:

Hogwarts ist ein Scheiss dagegen.

Und er hat Recht, das hätte sich nicht einmal J. K. Rowling ausdenken können. Ich hab‘ in einem Beitrag zuvor das Wort „bizarr” verwendet, möchte es an dieser Stelle noch einmal durch die Gegend werfen. Am besten mehrmals und in alle Richtungen.

Zeit, um uns in der Gegend noch umzusehen. Wir haben von einer Partymeile gehört, wo wir jetzt auch hinwollen. Ein UBER bringt uns zum Eingang des Gewusels. Moin Bumm Tschack! Hier gehts rund. Techno, House, Minimal und sonstige Elektronik mischen sich mit Karaoke-Vorstellungen direkt an der Straße. Wir mittendrin.

Seit dem grauslichen Essen in Da Nang haben wir bisher nichts zu uns genommen. Wir gehen die komplette Straße bis zum etwas ruhigeren Ende und setzten uns in ein Lokal. Während dem Essen wollen uns Straßenverkäufer allerhand andrehen. Wir bekommen auch eine Feuerschluckervorstellung. Einmal laufen wir die Straße noch durch, dann sind‘s für heute auch wir.

Zu Fuß wollen wir zurück zum Hostel. Die nächtlichen Straßen der Stadt sind einsam und außer vor ein paar kleinen Einheimischen-Lokalen spielt sich abseits der Partymeilen recht wenig ab. Wir fühlen uns zu keinem Zeitpunkt unsicher. Um den Tag abzurunden, stoppt eine Roller mit zwei Mädls drauf. Was die wollen, ist wohl klar: „Massage?” Kevin gerät ins Visier des Ladyboys, der ihm testhalber zwischen die Beine greift. Dann fahren sie aber auch wieder weiter.

Ein Tag mit Kontrasten eines ORF-Testbilds geht zu Ende. Morgen wollen wir ausschlafen. 🤘🏼


9 Gedanken zu „🏍 Hue Rider Tour – Tag 2 -> Ho Chi Minh“

  1. Wie du deine Befindlichkeiten mit den örtlichen Gegebenheiten in Verbindung bringst ist fantastisch!!!? „Wie eine Königscobra….“
    Viel Spaß noch in Vietnam!!???

  2. Hi ihr 2
    Liebe Grüße aus der Schweiz, sitze gerade beim Frühstück mit einem Kollegen. Beide haben wir deine Rider-Tage genossen – vor allem deinen pointierten Stil. Am Gesichtsausdruck von Gerald (Kollege) lese ich ab, dass er aufgrund deiner Schilderung seine eigenen Bilder im Kopf hervorkramt – er war bereits dort.
    Weiterhin viel Spaß bei eurem Trip.
    glG Pape

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