🏍 Hue Rider Tour – Tag 1

Schon wieder aufstehen… ich gehe voraus frühstücken, weil Kevin aufgrund der vorigen Nacht noch müde ist. Er fand kaum Schlaf. Ich bin auch nicht top-fit, aber OK. Wir müssen nur hinten drauf sitzen.

Die Guides kommen sehr pünktlich, um uns vom Hostel abzuholen. Der heutige Tag wird sehr regnerisch. Das ist der Grund, warum wir ins blaue Schlumpfenkostüm schlüpfen. Die Regenmäntel sehen lustig aus, aber erfüllen ihren Zweck. Meine Schuhe tausche ich noch gegen camouflage gemusterte Gummistiefel. Kevin bleibt lieber bei den Flip-Flops. Aufsitzen, los geht‘s! Zwei Tage Abenteuer vor uns.

Unsere Fahrer bzw. Guides fahren äußerst vorsichtig aber dennoch vietnamesisch. Wir fühlen uns sicher am Sozius. Um auf den kommenden Tagen nicht liegenzubleiben, halten wir bei einer Tankstelle. Zwei mal voll!

Voll leiwand, wie es sich anfühlt, so nah am Verkehr zu sein. Man muss aber sagen, dass seit wir uns aus Hue entfernen, die Verkehrsdichte abnimmt. Der Himmel hat heute seine Schleusen auf Anschlag geöffnet. Von da oben rinnt es förmlich auf die Erde. Der Boden nimmt nichts mehr auf, die Kanäle sind schon lange voll. Manchmal müssen wir durch tiefe Lacken und zwar langsam.

Es ist Zeit für eine Kaffeepause. Wie euch auffällt, trinken wir oft Kaffee. Kevin und ich passen uns den einheimischen Gewohnheiten an. Nur das laute Rotz-Aufziehen werden wir wahrscheinlich und hoffentlich nicht übernehmen. Kevin hat das Frühstück sausen lassen, deswegen besorgt uns Tien eine Schale voll Hühnerfleisch, die die Restaurantchefin gerade direkt an der Straße von einem selbstgebauten Hendlwendeautomaten über der Glut drehen lässt.

Gestärkt für die Offroadwertung folgen wir der Seitenstraße immer tiefer in den Wald. Erstaunlich, dass hier, so weit ab der Hauptstraße, noch immer vereinzelt Häuser stehen. Wir stellen die Mopeds ab und werden zu Fuß noch ein Stück einen Flusslauf aufwärts gebracht. Hier befindet sich der „Elefanten Wasserfall”. Vor hundert Jahren soll regelmäßig ein Elefant aus den Bergen hierher zum Baden gekommen sein. Ein paar Fotos, weiter im Programm.

Das Hühnerfleisch vorhin war nur ein Snack. Der Magen knurrt und wir stoppen bei einem Restaurant, auf Stelzen über dem Meer gebaut und über einen Steg erreichbar. Die Guides kümmern sich um die Bestellung. Es werden Meeresfrüchte serviert. Neben uns schifft es in Strömen auf das Meer und als der Wind auch noch einsetzt, müssen wir sogar den Platz wechseln, weil es von draußen (es gibt keine Fenster) herein weht. Das Essen schmeckt richtig gut!

Der volle Magen zweier Personen am Motorrad ist für die nächste Etappe nicht von Vorteil. Selbst TopGear (https://youtu.be/O1zfuBgCUqY) wurde hier am Hai-Van-Pass schon gedreht. Er verbindet die Region um Hue und Da Nang. Der Gipfelsturm geht aber wegen dem Regen und der nassen Straßen sowieso nicht schneller. Oben steht ein Bunker, der einst von den Franzosen und dann von den Amis genutzt wurde. Leider sehen wir die ganze Anlage nicht, da der Nebel und einige Busse voller Chinesen die Sicht versperren. Wir sehen das nicht so eng und entspannen bei einem kalten Kaffee.

Die andere Seite rollen wir mehr als wir fahren. Der Regen setzt teilweise aus und ein Fotostopp bietet sich an. Tam und Tien sind immer für Scherze aufgelegt und verstehen sich untereinander auch wunderbar! Irgendwie hat man das Gefühl, man gehört dazu. Die Stadt Da Nang liegt uns zu Füßen, hier stoppen wir aber nicht. Unser Ziel ist es, Vietnam an einer seiner schmalsten Stellen komplett zu queren. Immer mehr lassen wir alles Städtische hinter uns und tauchen in das ein, was die Amerikaner in Zeiten des Vietnam-Krieges „grüne Hölle” genannt haben. Grün ist es schon, von der Hölle aber keine Spur mehr – wir empfinden eher das Gegenteil.

Papa, ich bin immer noch der Meinung, dass eine Sissybar am Motorrad uncool ausschaut. Aber bequem ist sie und macht die Reise am Moped so viel angenehmer!

Auch hier oben gibt es Hochwasser- bzw. Überflutungsstandmesser. Unglaublich, wie das Wasser im Extremfall die Flüsse anschwellen lässt. Wir halten kurz vor einer Brücke, die zum Dorf einer der vielen Minderheiten, die hier im Hochland wohnen, führt. Von Weitem dürften uns ein paar Kinder gesehen haben. Die kommen aus dem Dorf gelaufen, in unsere Richtung. Tam erklärt uns, dass die Leute hier oben sehr wenig Ausländer zu Gesicht bekommen und das deswegen immer ein Spektakel ist. Vor allem bei uns: Kevin ist tätowiert, was die Kinder total amüsiert. Sie kichern auch, als sie mein Piercing sehen. Sowas gibts hier nicht. Die Regierung weiß auch, dass die Dörfer sehr arm sind und gewähren den Kranken, die sich im Spital behandeln lassen müssen, eine kostenfreie Versorgung.

Wir schlängeln uns im Slalom an Hundewelpen, Schweinen, Kühen, Schlaglöchern und winkenden Kindern durch die Pampa.

Schön langsam kommen wir unserem Tagesziel näher! Es ist ein kleines Grenzdorf im Hochland. Würden wir von hier aus nur vier Kilometer weiterfahren, wären wir schon in Laos. Wir parken die Motorräder in einer Garage, die gleichzeitig der Gästebereich und die Küche ist. Oder umgekehrt. Irgendwo muss lackiert werden. Hier riecht‘s so dermaßen streng nach Lack, ich halt‘ das nicht aus. Als ich die Regenkleidung ausziehe sehe ich, dass in der Kochnische die Fronten neu lackiert werden. Ich muss raus.

Unser beiden Fremdenführer besorgen uns sofort ein Bier, dass wir nach dem heutigen Tag auch gut gebrauchen können. Herrlich! Jetzt ist es Zeit, das Zimmer zu beziehen. Da läufts uns auch schon kalt über den Rücken. An den Wänden und in den Ecken wächst der Schimmel. Aber da müssen wir durch. Schnell raus aus dem Grind und nach unten, noch ein Bier auf den Schock trinken. Eine zweite Gruppe, die wie wir mit zwei Guides unterwegs ist, checkt ebenso in der Unterkunft ein. Wir sitzen zusammen mit den insgesamt vier Guides am Tisch. Sie bringen eine kleine Plastikflasche, in der Wurzeln eingelegt sind. Das ist nicht zum Essen da, sondern zum Trinken! Angesetzter Schnaps mit Wurzeln aus den Bergen bezeichnet man als „Happy Water”. Wir schnapseln mit der lustren Runde.

Zwei Stamperl noch und die Vietnamesen sollten erledigt sein. Das dachte ich mir zumindest, als ich das nächste Glas runterkippe. Aber ich werde eines Besseren belehrt. Die Jungs sind erstaunlich trinkfest! Das Water mach uns alle gleichmäßig happy. Nebenbei wird Essen serviert und zwar verschiedene Speisen. Wir begreifen erst später, dass das noch nicht das Abendessen ist, sondern nur ein Snack. Später kommt noch mehr!

Kevin spricht mit der Amerikanerin aus Seattle über den Preis, den sie für die Tour bezahlt haben. Sie nennt einen ERHEBLICH niedrigeren Preis! Das macht uns selbstverständlich sauer. Wir schnappen uns Tam und gehen nach draußen. Wir reden mit ihm und lassen ihn wissen, dass wir angepisst sind. Die Situation ist angespannt. Doch zu Unrecht, wie sich in den nächsten Minuten herausstellt. Unsere liebe Freundin aus den Staaten dürfte ein Depperl sein. Sie hat nämlich in Wirklichkeit keine Ahnung und hat den Preis pro Person pro Tag genannt. Die Situation entspannt sich und wir sind nur noch auf die Komische angefressen.
Angefressen sind wir auch vom Essen und vertreten uns gemeinsam mit Tien die Füße im dunklen Ort. Am Weg hat ein Friseur offen. Kevin lässt sich gleich einmal die Haare nach rasieren.

Danach stoppen wir bei einem Lokal, in dem ein Billardtisch steht. Eine Runde muss schon sein. Kevin und ich bilden ein Team gegen Tien. Er soll gut sein. Schlussendlich haben wir ihn aber mit vereinten Kräften bezwungen. Wir drehen um und beenden den laaaangen Tag im Bett des Schimmel-Zimmers. Da machen wir nichtmal die Bettwäsche auf, sondern ich lege mich direkt ins Schlafsack-Inlet und Kevin traut sich nichtmal dieses auf die schmutzige Bettwäsche zu legen. Er schläft im Gewand. „Good Night, Vietnam!”

14 Gedanken zu „🏍 Hue Rider Tour – Tag 1“

  1. Deine Camouflage-Stiefeln sind ja schon ganz nett anzuschaun, aber die sind nichts gegen das Plastikverhüterli über die Converse eures vietnamesischen Freundes 😉

    Schade, dass es euch so verregnet!

    1. Hallo, mal regnete es von der Seite….mal von unten….mal……Forrest Gump….doch eines Tages hat einer den Regen einfach abgestellt….diese Region ist sicher ohne Regen am schönsten.

      Aber ihr 2 macht aus jeder Situation das Beste. Davon bin ich überzeugt.

      Keep on smiling 🙂

  2. Hi, Pauli!
    Jetzt bist schon 10 Tage on tour und wie man sieht es geht euch gut!!!(bin ich beruhigt)
    Tolle Erzählungen und Bilder.
    Freu mich schon auf den nächsten Eintrag.
    Bussal

  3. Pauli EINZIGARTIG wie Du berichtest! Man möchte ständig mehr! Du hast eine tolle Gabe!!! Danke, dass Du uns teilhaben lässt! Passt gut auf auf Euch und genießt das Erlebnis! Aber das tut Ihr ja eh! GLG Gaby

Antworte auf den Kommentar von PETRA ALEXANDRA Antwort abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert