Der Buddhismus ist mir seit der Nepalreise sympathisch. Hier im Land der Khmer sind die meisten Menschen Buddhisten. Es gibt auch viele Klöster, in denen Mönche leben, beten und lernen. So einen Mönch wollen wir heute kennenlernen.

Der gestrige Abend hat noch ein bisschen lĂ€nger gedauert. Nach der Sperrstunde in der Soul Kitchen, hat und der Besitzer Rob gemeinsam mit seiner Freundin auf einen Schlummertrunk in eine Bar in der Nachbarschaft eingeladen. Der Eingang war winzig, aber einen Stock höher gab’s eine riesige Terrasse mit noch einem Stock darĂŒber – hier stand eine Half Pipe #oida. Dort oben haben wir uns ein Stehseiterl gegönnt und den Abend um circa halb drei beendet.
Kevin war schon frĂŒher zuhause, weil er heute Morgen die verpasste Angkor Wat Sunrise Tour nachholt. Als ich um 11:00 Uhr aufstehe, ist er schon fast von der Tour wieder zurĂŒck. Ich muss zuerst einmal was frĂŒhstĂŒcken. Bis ich fertig bin ist es eh schon halb zwölf. Ich spaziere zu unserem FrĂŒhstĂŒckslokal und winke auf dem Weg die lĂ€stigen Tuk-Tuk Fahrer automatisiert ab. Gerne hĂ€tte ich ein Shirt gekauft, wo gut lesbar âNo, thank you!â oben steht – MarktlĂŒcke!
Zum FrĂŒhstĂŒck gibts heute Kaffee, einen Schoko-Shake und frittierte FrĂŒhlingsrollen. Ich hoffe, dass nach dem Essen mein beleidigtes Genick besser wird, denn es frisst sich schon zu leichtem Kopfschmerzen hinauf. Besser wirdâs auch nach dem Essen nicht, aber zumindest auch nicht schlimmer. Gerade fertig mit dem Essen, schreibt mir Kevin, der von seiner Tour zurĂŒckgekommen ist. Ich gebe ihm meine Koordinaten durch und er taucht rechtzeitig zur dritten Wiederholung der selben Ed Sheeran Platte auf. Ich sage der Kellnerin, dass mich die Endlosschleife fertig macht und sie mittlerweile den zum vierten Mal angespielten Song endlich weiter schalten sollen.
Kevin erzĂ€hlt von einer erfolgreichen Tour mit dem selben Guide, der auch meine Tour machte. Er hatte auch das GlĂŒck, eine kleine Touristengruppe an diesem Tag erwischt zu haben. Auch er isst hier etwas deftiges und muss erst einmal ins Bett. Die Tour hat auch bei ihm um 4:00 Uhr begonnen und acht Stunden gedauert. Wir zahlen und gehen.
Auch noch mĂŒde versuche ich ein oder zwei Stunden Schlaf zu finden. WĂ€hrend Kevin sofort wegkippt, liege ich mit aufgerissenen Augen im Bett. Das Genick bringt mich um. Also PlanĂ€nderung: ich gehâ massieren. GlĂŒcklicherweise muss ich dafĂŒr nur bis zu Rezeption gehen. Ich buche eine Stunde Massage – sofort. Die Rezeptionistin telefoniert und nach nicht einmal zehn Minuten kommt eine Dame. Ich dachte, wir gehen jetzt in ein Massagezimmer, wo sie fĂŒr solche FĂ€lle einen Massagetisch stehen haben. Doch das haben sie nicht. Stattdessen wird und ein normales, leeres Zimmer aufgesperrt und ich soll mich aufâs Bett legen. Komische Geschichte, aber ich machâs halt, nachdem ich mich bis auf die Unterhose ausgezogen habe. Ich liege am Bauch, aber sie deutet, dass ich mich drehen muss. Gut, drehâ ich mich nochmal. Aber gehtâs jetzt endlich los?
Die junge Dame mit der schmutzigen Fila-Jogginghose kommt auf das Bett und beginnt mein Bein zu bearbeiten. Endlos … und eher streichelnd. Nagut, die Beine sind mir eh nicht so wichtig, sie muss sich im Schulter und Nackenbereich bemĂŒhen. Bis wir aber soweit sind, kommt noch das andere Bein, die Arme und HĂ€nde, aber nur ein FuĂ, denn den zweiten hat sie vergessen. Eh wurscht. Sie deutet âumdrehenâ. Aber jetzt! Bitte massierâ jetzt gâscheit!
Leider nein. Nachdem sie minutenlang auf den selben Stellen drĂŒckt, sage ich und zeige ihr, wo sie soll. Sie checktâs nicht. Ich sagâs und deute noch einmal. Sie checktâs nicht. So geht das eine Weile. Dann soll ich mich aufsetzen. Sie will den Kopf massieren, ich sag ânein, nur links obenâ. Sie massiert dann irgendwann trotzdem den Kopf, sagt dann, dass sie fertig ist und verlĂ€sst fluchtartig das Zimmer. Noch nie waren acht Dollar do schlecht investiert.
ZurĂŒck am Zimmer wecke ich Kevin. Wir werden gleich fĂŒr unsere Mönch-Session abgeholt. Vor dem Haus wartet Sok auf uns. Wir haben extra gebeten, dass wieder er geschickt wird, um die Tour zu machen – und es hat geklappt! Diesmal reiten wir mit einem Tuk-Tuk aus. Zuerst halten wir an einem Tempel, wo gerade reges Treiben herrscht. Viele Bescher zĂŒnden RĂ€ucherstĂ€bchen an und waschen den Buddhastatuen die HĂ€nde, um danach die Tropfen des nun heiligen Wassers mit einer Schale aufzufangen. Beim Verlassen spenden wir einen kleinen Betrag. Das ist hier so ĂŒblich.

Umâs Eck ist ein Stand, wo Opfergaben verkauft werden. Keine Ziegen oder Menschen (đ±), sondern Lotusblumen, RĂ€ucherstĂ€bchen und lebendige Spatzen. Ich habe leider nicht genau mitbekommen, wofĂŒr man die Vögel braucht, aber es hat irgendwas mit GlĂŒck zu tun, wenn man einen kauft und freilĂ€sst. Wir kaufen an einem Stand ein BĂŒschel Lotusknospen und RĂ€ucherstĂ€bchen, da wir die spĂ€ter brauchen werden. Nun ruft Sok den Tuk-Tuk-Fahrer an, der in der Zwischenzeit an einem anderen Ort geparkt hat.


Wir fahren zu einem gröĂeren Tempel in der NĂ€he. Hier werden wir von einem Mönch empfangen, der uns in den Tempel bittet. Sok war fĂŒnf Jahre selbst Mönch und erklĂ€rt uns, wie wir uns auf den Teppichen hinknien sollen. Vor uns steht ein groĂer Buddhaschrein und dazwischen knien nun zwei Mönche in ihren orangenen OrdensgewĂ€ndern. Wir mĂŒssen nun mitgebrachten Blumen und RĂ€ucherstĂ€bchen gemeinsam mit einer Geldspende in eine goldene Schale legen und gemeinsam den Mönchen ĂŒberreichen. Sie nehmen die Gabe an und bedanken sich nickend. Einer der beiden fragt, wo wir herkommen, wie lange wir schon da sind … Smalltak mit einem Mönch. Er zeigt uns, wie wir die HĂ€nde falten sollen und genau so machen wir es auch. Jetzt sollen wir die Augen schlieĂen. Wir werden nun von den buddhistischen Mönchen gesegnet. Wir konzentrieren uns auf deren Stimmen, die Gebete und WĂŒnsche in der Sprache âPaliâ sprechen. Monoton und teilweise zweistimmig beten die beiden fast zwei Minuten lang fĂŒr unser GlĂŒck, eine sichere Reise usw. … Obwohl wir kein Wort verstehen, spĂŒren wir die spirituellen Vibes, die die beiden in die Halle sprechen. WĂ€hrend dem Sprechgesang spritzen sie Weihwasser auf uns.



Zum Abschluss der Zeremonie bekommen wir rote ArmbĂ€nder aus Wolle umgebunden, sodass wir das GlĂŒck und die WĂŒnsche der Segnung noch ein paar Tage oder Wochen mit uns mittragen. Wir bedanken uns bei den Mönchen und Sok dreht mit uns noch eine Runde im Innenhof des Klosters, wo sich auch eine Schule befindet. Die Kinder verbringen den Tag neben den Mönchen in einem einzigartigen Miteinander.

Am Ende der Tour laden wir Sok noch auf ein Bier ein. Er wĂŒrde gerne eines auf der Pub Street trinken, da sein BĂŒro gleich um die Ecke ist. Beim Bier erzĂ€hlt Sok noch viel Privates. Wir wissen es zu schĂ€tzen, dass er wĂ€hrend wir gemĂŒtlich zusammensitzen so offen und locker mit uns ĂŒber sein Privatleben spricht. Nach dem Bier verabschiedet er sich und geht in das BĂŒro seiner Agentur. Auch wir schlagen die Richtung unseres Hotels ein.
Nach kurzer Rast und Dusche wollen wir den letzten Abend, an dem Kevin und ich unsere Reise gemeinsam unternehmen, in unserer Stammbar einlÀuten. Da kommen unsere steirischen Bekanntschaften Anna und Laura, die genau so hungrig wie wir sind. Sok hat uns vorhin ein Lokal empfohlen, in dem wir Abendessen möchten. Der Weg dorthin ist uns mit unserem Hunger zu weit zum Laufen, weswegen wir ein Tuk-Tuk nehmen.
Doch das Tuk-Tum ist kein gewöhnliches Tuk-Tuk. Es handelt sich um ein Party-Tuk-Tuk! Rundherum sind Discolichter angebracht, die in allen Farben leuchten. Es spielt auch Musik, die ĂŒber ein Tablet gesteuert wird. Der Fahrgast kann von einer Playlist auswĂ€hlen, was gerade aus den Lautsprechern dröhnt. Unser Fahrer gibt uns kurz vor der Abfahrt noch ein Mikrofon in die Hand – wir sollen mitsingen und unseren SpaĂ mit den Passanten teilen.

Lustig wie wir drauf sind, lassen wir uns vom Wahnsinn des Fahrers anstecken, der ĂŒbrigens ein Headset hat und die ganze Fahrt ĂŒber nicht mit Partymotivation geizt. So etwas haben selbst die Kollegen der restlichen Tuk-Tuk-Fahrer selten gesehen. Wir fahren mit Discolicht, Mikrofon und dem laut aufgedrehten Lied âBlueâ von Eiffel65 in flotter Schrittgeschwindigkeit durch die Touristengassen. Die Blicke sind auf uns gerichtet und an einer Kreuzung mache ich die Durchsage durchs Mikrofon: âLadies and Gentlemen, this is the Party Tuk-Tuk! Woop! Woop!â Wir schalten die Musik weiter auf eine asiatische Disco-Pop-Band und fahren genau so vor dem Restaurant vor, indem momentan nur Einheimische sitzen. Sensationeller Auftritt! Anna versinkt im Boden. Wir steigen aus, bezahlen und bekommen noch Visitenkarten, um die nĂ€chste Tour zu buchen. Zum Tuk-Tuk gibtâs ĂŒbrigens eine eigene Website:
http://www.rockandrolltuktuk.com

Im Lokal bereitet man seine Speisen Ă€hnlich wie bei einem Raclette bzw. Fondue zu, wobei es doch nicht wirklich mit einem der Tischkocher vergleichbar ist. Es ist ein gasbetriebener Kocher, auf dem man in der mittigen Kuppel sein Fleisch brĂ€t. rundherum ist – wie ein Burggraben – eine mit Wasser gefĂŒllte Rinne. In diese rinnt dann der Bratensaft von der Kuppel und die die Nudeln, die man dann im Wasser rundherum kocht, nehmen den wĂŒrzigen Geschmack dieser Suppe an. Die Zutaten zum Kochen nehmen wir uns von einem Buffet hinter uns. Hier gibt es alles, was das Herz begehrt. Diverse rohe Fleischsorten, Muscheln, Nudeln, Saucen und sogar das GemĂŒse kann man sich selbst auf einem Brett so klein hacken, wie man möchte. Eine super Geschichte!

Nach dem Essen gehen wir zu FuĂ in die Innenstadt zurĂŒck. Der Verdauungsspaziergang tut gut – ich habâ mich, wie bei jedem Buffet ĂŒblich, komplett ĂŒberfressen. Mit einem Boxenstop bei einem Eis- und Palatschinkenstand, kommen wir in die Gasse, in der viele Massagen angeboten werden. An einem Stand halten wir und lassen uns um drei Dollar eine halbe Stunde lang unsere FĂŒĂe massieren. Wir liegen dabei auf einer hölzernen Gartenliege. Es werden auch die Waden massiert und zum Abschluss jeden FuĂes zieht der Masseur an den einzelnen Zehen, bis sie knacksen. Ein komisches GefĂŒhl, tut aber nicht weh. Wir sind fertig und verlassen den Open-Air-Massagesalon direkt an der StraĂe.


Zuerst statten wir Rob einen Besuch in der Soul Kitchen ab und gehen nach Sperrstunde, um kurz nach Mitternacht, noch einmal im die Roof-Top-Bar mit der Half Pipe. Es war ein gemĂŒtlicher letzter Abend gemeinsam. Laura und Anna schauen sich die nĂ€chsten Tage noch ein wenig vom Land an und fahren morgen mit dem Bus weg. Kevins Flug geht auch schon morgen. Er wird aber die nĂ€chsten vier Tage noch in Phu Quoc, Vietnam verbringen und spĂ€ter ĂŒber Hanoi heimfliegen.

Es ist echt Wahnsinn, wie die drei Wochen verflogen sind. Vor Kurzem haben wir uns erst in Moskau am Flughafen kennen gelernt und jetzt ist die gemeinsame Zeit schon wieder um. Es ist erstaunlich, wie gut wir miteinander auskamen, obwohl wir uns zuvor quasi gar nicht kannten. Aus einem Reisebuddy von der Onlineplattform ist ein super Kollege (so sagt man in Basel) geworden, mit dem ich drei extrem lĂ€ssige Wochen in Vietnam und Kambodscha verbringen konnte. Wir werden nĂ€chstes Jahr definitiv ein Treffen im Burgenland, sowie in Basel arrangieren. Lieber Kevin, danke fĂŒr die super Begleitung, den unheimlichen SpaĂ, den wir zusammen hatten und die teilweise argen Geschichten, die wir gemeinsam erlebt haben und die uns noch lange GesprĂ€chsstoff bieten. Ich wĂŒnsche dir eine gute und sichere Weiter- und Heimreise!
Bis bald, Kumpel!
WĂ€hrend ich den Beitrag noch einmal durchlese, bevor er online geht, merke ich erst, wieviel wir heute schon wieder erlebt haben: Katastrophenmassage, Mönchssegnung, Party-Tuk-Tuk, Einheimischenessen, FuĂmassage im Freiluftsalon, gemĂŒtlicher Ausklang in der Soul Kitchen und X-bar. Und das Beste: es war in keinem Moment Stress dabei.

Hi Pauli, es ist schon faszinierend, wie man allein durch Lesen in deinem Blog in das Abenteuer hineinwĂ€chst – da lese ich, dass Kevin sich verabschiedet und es ĂŒberkommt mich eine leichte Traurigkeit. Ich wĂŒnsche ihm auf diesem Weg alles Gute und nett dich kennengelernt zu haben ?
danke martina! es freut mich sehr, dass es dir spaĂ macht, mitzulesen! ??ââïž
Hallo lieber Pauli und lieber Kevin!
Ich freu mich mit euch dass ihr noch einen lÀssigen gemeinsamen Tag und Abend hattet. Schöne Momente und Zeit gemeinsam in Freundschaft zu verbringen sind kostbar.
KEVIN, ALLES GUTE FĂR DEINE WEITERE REISE UND HEIMREISE!
Pauli, reise gut zu Bernie, die freut sich schon wie eine Schneekönigin đ
Herzlichst, Petra Alexandra
hahahaha ??
Hi Pauli,
wie habt ihr das jetzt geregelt wegen Bali? A Wahnsinn wie schnell die Zeit vergeht, … auch von mir eine gute Heimreise fĂŒr Kevin, schön dass ihr euch so super versteht, dieses Abenteuer wird euch immer freundschaftlich verbinden und euch wird nie der GesprĂ€chstoff ausgehen mit den vielen Erinnerungen. Der Blog ist nicht nur fĂŒr uns Mitleser eine tolle Sache, ihr werdet in vielen Jahren noch jedes Detail davon nachlesen können, die Erinnerungen können nicht verblassen. Find i super!
danke chris! find i super, dass du auch mit von der partie bist! ?? bzgl bali gibts bald die info. ?