🐒 Funky Monkey

Kaum geschlafen, kaum erholt. So geht’s uns beiden. Kyoto wartet mit so viel Sehenswürdigkeiten auf uns, doch wir sind immer noch auf Schlafentzug. Das kann ja was werden.

Beim Frühstück checkt Sörs die schnellste Verbindung nach Arashiyama. Es ist ein weit außen gelegener Stadteil Kyotos mit interessanten Points of Interests. Der Bus stoppt angenehmerweise hinterm Häuserblock und bringt uns direttissima ans Ziel. An der Station studiert Sörs die Linien und sucht unsere gewünschte an der digitalen Anzeigetafel.

Arashiyama ist eine Dreiviertelstunde Fahrt entfernt. Wir können direkt vor der angepeilten Haustür aussteigen. Es ist der Bambuswald, der zahlreiche Touristen in seine Straßen lockt. Eine interessante Stimmung herrscht zwischen den dicken und hohen Bambusbäumen. Der Wald ist gepflegt, wie man es sich von jedem Ort in Japan erwartet.

Sörs wird von einer Partie gebeten, ein Foto von ihnen und dem vielen Bambus rundherum zu machen. Er macht die Sache gut, die Leute sind zufrieden und wir gehen weiter den leicht ansteigenden Berg nach oben.

Als es nicht mehr weiter rauf geht, können wir nur noch zwischen links und rechts gehen entscheiden. Dort drüben haben wir was gesehen, was interessant sein könnte! Also rechts abbiegen und zum Eingangstor, das uns neugierig gemacht hat. Es ist der Eingang zu einem japanischen Garten inklusive Gutschein für einen grünen Tee.

Der Ohkohchi-Sanso Garten ist ein unheimlich liebevoller Garten, der über dem Bambuswald liegt. Enge Wege schlängeln sich durch das verwunschen wirkende Grün rings um.

Zwischendurch steht auch ab und zu ein traditionelles, gut erhaltenes Häuschen. Da auch das Wetter mitspielt, lassen sich tolle Fotos schießen. Wir müssen aber aufpassen, dass wir beim Fotografieren nicht über die Absperrungen treten, denn das wird natürlich nicht gerne gesehen. Manchmal wage ich aber doch einen Schritt, da ich mit der Festbrennweite unterwegs bin und nicht zoomen kann. Da bleibt ein Schritt nach hinten oder vorne nicht erspart.

Es gibt eine vorgegebene Runde, die man im Garten zu gehen hat. Alles geordnet und geregelt, wie immer. Nun haben wir den Rundgang hinter uns und sind bereit für das Teehaus. Wir werden nett empfangen und gebeten, uns an einen Tisch zu setzen. Wir bekommen grünen Tee und eine Süßigkeit gefüllt mit Grünteepaste serviert. Beides schmeckt eigenartig und reicht vollkommen, es nur einmal probiert zu haben.

So verlassen wir den schönen Garten und gehen durch den Kameyama Park Richtung Togetsukyo Brücke. Sie verbindet zwei Flussseiten, auf der einen das Dorf und auf der anderen der Affenhügel. Eintritt bezahlen ist nicht die einzige Hürde, die vor uns liegt. Gleich nach dem Ticketschalter beginnt der teils steile Weg, der über Stufen und Serpentinen zum Affenhügel führt. Kurz vor dem Gipfel sitzt schon der erste und begrüßt uns friedlich in seinem Revier.

Entsprechend der Bekanntheit des Ortes tummeln sich trotz des kalten Wetters einige Touristen am Plateau. Ein paar Angestellte überwachen uns, dass wir kein Fehlverhalten gegenüber den Affen zeigen, und keinen Wickel provozieren. Natürlich verhalten wir uns korrekt und spazieren durch die Herde. Kein Zaun, kein Gitter oder Gatter – wir sind hautnah an den Affen. Ähnlich wie am Affenberg in Landskron/Kärnten, nur ist man hier noch näher an den Tieren.

In der Hütte kann man Futter für die Tiere kaufen. Das machen wir. Ich nehme zwei Sackerl Erdnüsse und Sörs kauft eines mit Apfelstücken. Die Hütte ist wie ein Käfig für Menschen. Durch ein Gitter können wir die Affen, die schon gierig auf den Stäben sitzen, füttern. Man muss das Futter auf seine flache Hand legen und es den Tieren hinhalten. Sie greifen dann zu, stopfen sich alles, was in ihre kleine Hand passt in den Mund und schon ist der Arm wieder ausgestreckt vor uns und verlangt nach mehr.

Es ist wirklich ein eigenartiges Gefühl, wenn auch durch das Gitter getrennt, so nah an unseren Verwandten zu sein. Mit Körperkontakt sogar. Sörs und ich machen Studien. Wir legen eine Erdnuss links und eine zweite rechts in gleichen Abständen vor den Affen und warten ab, welche er als erstes nimmt. Dann halten wir ihm die Hand mit vier Erdnüssen gleichzeitig hin und warten, was passiert.

Beim „Linke-Rechte-Nuss“ Experiment konnten wir zu keinem eindeutigen Ergebnis kommen. Conclusio der zweiten Studie ist, dass der Affe alles nimmt, was er mit der einen Hand greifen kann, sich dann vorrätig in das Maul stopft und sofort nach dem Rest greift, den er ebenso dazu stopft. „Interessant.“ Zufrieden mit den neuen Erkenntnissen verlassen die Professoren Godowitsch und Grill das Feld.

Jetzt ist es Zeit, etwas zu essen. Was genau wissen wir nicht, aber wir werden sehen. An der Hauptstraße gibt es ein paar Restaurants, die ihre Menü-Karten heraußen präsentieren. Eines mit Soba-Nudlen im Angebot ist es geworden. Die Hälfte des Bestellten schmeckt uns, die andere lassen wir über. Eigentlich wollten wir eh nur eine Kleinigkeit essen, doch es ist wieder ausgeartet. So ist Japan und so sind wir.

Nun wieder raus in die Kälte. Zuvor aber noch anziehen. Ich brauche zum An- und Ausziehen von Tag zu Tag länger. Zuvor habe ich mir nämlich noch Handschuhe gekauft, da mir noch immer kalt ist und ich bereits mit einer verschnupften Nase herumlaufe.

Der „Tenryuji“ Tempel und der „Sogen“ Garten gehören zusammen, der Eintritt muss aber jeweils extra bezahlt werden. Beides ist gleich in der Nähe des Restaurants. Zuerst betreten wir den Tempel. Wir dürfen mit den Schuhen nicht hinein, sondern müssen auf zur Verfügung gestellte Schlapfen wechseln. Es gibt nur eine Größe, die selbst mir zu klein ist. Sörs versucht erst gar nicht, in die Schlapfen zu schlüpfen und geht gleich mit den Socken durch die Tempelanlage. Er ist nicht der einzige mit großen Füßen – andere kommen auch auf baumwoll-gedämpften Sohlen daher.

Der Tempel ist nach außen hin offen, weshalb es sau kalt bis ins letzte Eck ist. Wir beenden den Rundgang und wollen wieder in unsere Schuhe. Jetzt gehen wir noch in den Garten, den wir schon vom Tempel aus sehen konnten. Dieser ist auch ganz nett und wieder sagen wir zueinander: „Ich kann mir gut vorstellen, dass es hier im Frühjahr sehr schön ist.“

Unser Streifzug durch Arashiyama ist beendet. Wir schließen den Rundgang mit einem Vanilleeis mit Bärenkeks ab. Das Foto ist eines der eigenartigsten, die ich jemals gemacht habe.

Während wir auf den Bus warten kommt ein Mann mit Hund vorbei. Es ist ein Akita, eine japanische Rasse. So wie auch der Hund „Hatchiko“ einer war. Der Besitzer lässt die Touristen Fotos vom und mit dem Hund machen. Ein richtiger Shootingstar!

Die Busfahrt hat uns noch müder gemacht, als wir eh schon sind, deshalb spazieren wir die Straße entlang. Als das aber auch wieder zu Müdigkeit führt, kehren wir ins Pub von gestern ein.

Hier schmieden wir Pläne für das Nachtmahl. Es soll diesmal wirklich nur eine Kleinigkeit werden, weil wir noch immer genug vom Mittagessen haben und dann wieder nicht schlafen können. Also suchen wir ein Restaurant auf, das Sörs über Tripadvisor ausfindig gemacht hat.

Es ist nur einen Häuserblock von unserem Hotel entfernt, wo wir uns beide schon hinsehnen. Nur noch einen Happen essen, dann endlich einmal ausrasten und früher schlafen gehen. Im Lokal sitzt man direkt an der Bar und schaut in die offene Küche vor einem. Das ist komplett genial! Wir staunen, wie die Köche ihr Handwerk demonstrieren und bestellen zwei verschiedene Sorten Gyozas.

Da die so gut geschmeckt haben, geht die Bestellung in die zweite Runde. Weitere zwei Sorten Gyozas, gebackene Hendelstücke mit Chili und dazu Reis. Wir schlagen uns die Bäuche voll. Komplett!

Als ich meine Stäbchen gerade noch so ordentlich auf den Teller legen kann, ohne dass sie mir vor all der Fertigkeit aus der Hand rutschen, muss ich an den Affen und das Erdnuss-Experiment mit den vier Nüssen denken. Während ich den letzten Bissen kaue denk ich mir, dass wir die Verwandtschaft zu den Tieren keinesfalls abstreiten können. „Eine Kleinigkeit essen gehen“ ist wieder total eskaliert. Eskalationsstufe 36. Doch so sind die Affen, so ist Japan und so sind wir.

Abschließend zum heutigen Tag wollen wir unserem Magen unter die Schulter greifen und kaufen in einem 24/7 Geschäft ein kleines Einmachglas Sake. Vor dem Hotel öffnen wir das Gefäß und teilen uns den Schnaps brüderlich.

So geht wieder ein enorm ereignisreicher Tag zu Ende, an dem wir mit Müdigkeit, irrem Fresswahn und klirrender Kälte zu kämpfen hatten. Doch so ist Japan und … ach, gute Nacht jetzt! 🙋🏻‍♂️

6 Gedanken zu „🐒 Funky Monkey“

  1. Hallo ihr 2!

    Das 24/7 Geschäft, ist das ein Geschäft welches 24 Std und 7 Tage die Woche offen hat? Inetessant, dass Affen scheinbar auch Rechts- oder Linkshänder sind…so verstehe ich das Experiment….

    DIE RIESIGEN BAMBUSBÄUME SIND GENIAL. In Japan hat alles seine perfekte Ordnung….Ich hoff, die ham auch Plätze wo es auch sowas wie Wildnis oder Natur pur gibt….

    Ich wünsch euch ne gute Nacht. Bei uns ist es auch sehr kalt.

    🙂

  2. Doch so sind die Affen, so ist Japan und so sind wir… ? genial! Freu mich auf jeden neuen Blog. Der Saki hält euch sicherlich bissl warm, beim Eis bin ich mir da net ganz sicher ?? LG aus dem ebenfalls sehr kalten Bgld

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert