đŸș HCMC, die Dritte

Der heutige Tag beginnt bei mir erst ein wenig spĂ€ter. Ich weiß nicht mehr genau, wann ich eingeschlafen bin. Kevin war natĂŒrlich wieder vor mir munter und schickt mir um circa 10:30 Uhr ein Foto von einem „Iced Coffee“. Ich schreib‘ zurĂŒck: Wo bist du? Daraufhin schaut einer hinter meinen Vorhang und sagt: “Hier!” Er ist in der Zwischenzeit wieder zurĂŒck gekommen.

Ich mache mich fertig fĂŒr den Tag und wir steigen direkt von unserem Zimmer aus in den Aufzug. Es ist 10:45 Uhr und eigentlich sollten wir bis 11:00 Uhr FrĂŒhstĂŒck bekommen. Die Burschen winken uns aber ab, wir bekommen leider nichts mehr. Nicht einmal einen Kaffee. Gestern Abend hat man uns auch schon aus der Roof-Top-Bar geworfen, obwohl wir noch GetrĂ€nke konsumiert haben und die Bar eigentlich laut Plan noch mindestens eineinhalb Stunden geöffnet haben sollte.

Heute trinken wir unseren FrĂŒhstĂŒckskaffee auswĂ€rts. Gestern haben wir uns vorgenommen, den Tag ruhig anzugehen. Kevin möchte ein paar T-Shirts kaufen und ich habe heute offiziell meine Suche nach der Tastatur aufgegeben. Es ist einfach zu speziell, um das Teil hier zu finden. ZurĂŒck auf den geschĂ€ftigen Straßen der Stadt, gehen wir wieder ein paar HĂ€userlĂ€ngen in der Gegend herum. Wir sind gestern an einer Markthalle vorbeigelaufen, in die wir heute gerne schauen möchten. Die ungefĂ€hre Richtung haben wir noch im Kopf.

An einer Kreuzung entdeckt Kevin einen Gamer-Store. Ich sag zu ihm „Kevin, dass bringt nix. Hier gibts sowas nicht. Ich schreib auf der Handytastatur weiter.“ Doch er ĂŒberredet mich und wir gehen ins GeschĂ€ft. Hier wird man in den besseren GeschĂ€ften von den Angestellten sehr höflich begrĂŒĂŸt. Das beginnt schon damit, dass einem die TĂŒre aufgehalten wird und man sich demĂŒtig vor dem Kunden verneigt. Bevor ich meine altbekannte Beschreibung der Tastatur erklĂ€ren kann, sehe ich in der Vitrine sogar zwei verschiedene Modelle liegen! Ich bin aus dem HĂ€uschen! Der Angestellte zeigt mir beide Modelle und wir verbinden diese mit meinem Handy. Funktioniert einwandfrei, gekauft! Kevin hĂ€lt den geschichtstrĂ€chtigen Moment fest, als ich mit dem seltensten Gut der Stadt aus dem GeschĂ€ftslokal komme.

Neben uns surren und hupen die Roller und Mopeds im altbekannten Sound des Großstadtverkehrs. Bereits heute sind wir der Meinung, dass drei Tage fĂŒr die Stadt gereicht hĂ€tten. Da uns aber das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht hat, sind wir jetzt halt lĂ€nger hier und suchen nach Zeitvertreib. Wie der Hase hier generell lĂ€uft, wissen wir jetzt schon. Es gibt kaum mehr neue EindrĂŒcke, die wir aufsaugen können.

Durch einen engen Gang zwischen Baustelle und GeschĂ€fte erreichen wir die Markthalle. Alle Farben der Welt findet man hier in nur einem einzelnen Gang. HĂ€ndler schmiegen sich wie auf einer Messe dicht nebeneinander und buhlen um unsere Aufmerksamkeit. Es geht uns schon auf die Nerven, ist auf der anderen Seite dann aber doch lustig, wenn die Damen und Herren sofort aufhĂŒpfen, sobald sie einen potenziellen Kunden riechen. „Buy from me!“, „What are you looking for!?“, „Sir, can I help you, Sir?“, „T-shirt?“

Kevin sucht schon seit ein paar Tagen einem AufnĂ€her der vietnamesischen Flagge der fĂŒnf Elemente. Leider wird er selbst auf diesem großen Markt nicht fĂŒndig. Vielleicht muss er genau so wie ich zuerst aufgeben, um dann das nichtmehr Gesuchte zu finden.

Unser Magen meldet Hunger! Passend, dass wir gerade an einer Street-Food-Halle vorbeilaufen. Ein paar StĂ€nde haben sich hier auf engem Raum mit drei ZwischengĂ€ngen zusammengefunden und bieten verschiedene Speisen zu fairen Preisen. Kevin kommt endlich dazu, sein ersehntes vietnamesisches Sandwich zu essen, dass wir schon an einigen StraßenstĂ€nden gesehen haben. Ich kann leider nicht am Inder vorbei und bestelle Butter Chicken mit Reis. WĂ€hrend wir wieder hinausgehen wollen, nachdem wir gegessen haben, bleib ich an einer Bar hĂ€ngen und frage den Barkeeper, ob es hier in Vietnam einen typischen Whisky gibt. Er lacht und zieht eine Flasche unter dem Tisch hervor. Ich rufe Kevin, der schon nach draußen gegangen ist zurĂŒck. „Zwei, bitte!“

Heute ist die Luft besonders dick und uns tut alles weh. Eine Massage wĂ€re genau in dem Moment das Richtige! WĂ€hrend wir uns in einem weiteren Kaffeehaus abkĂŒhlen, wo ich zum ersten Mal mein neues „BĂŒro“ aufschlage, googeln wir nach gut bewerteten WellnesshĂ€usern in der Umgebung.

Generell gibt‘s in der Stadt massenhaft solcher Anbieter, manche davon mit speziellen Extras, die auch nach deren QualitĂ€t in Online-Foren bewertet werden. Wir suchen nach etwas gut bewertetem ohne Extras. Google Maps fĂŒhrt uns zu einem mit fĂŒnf Sternen bewerteten Spa. Drinnen werden wir sofort gebeten, Platz zu nehmen. Im selben Moment, in dem wir uns setzen, serviert uns eine Angestellte zwei Schalen Ingwertee. Wie von einer Speisekarte können wir die Dienstleistungen von einer Mappe aussuchen. Die 90-minĂŒtige Body-Massage soll es werden. Doch leider sagt uns die Dame, dass heute kein freier Slot mehr zu haben ist und wir uns fĂŒr morgen etwas ausmache mĂŒssen. Das tun wir auch und fixieren 13:00 Uhr.

Doch in Wirklichkeit brauchen wir doch jetzt sofort auf der Stelle ein bisschen Wellness. Kevin und ich gehen um‘s Eck und schneiden in einen weiteren Salon. Hier riecht’s nicht mehr nach RĂ€ucherstĂ€bchen und Rosenwasser. Wir mĂŒssen Platz nehmen und bekommen einen laminierten (!) Zettel mit den Angeboten. Die Angestellten sind aufreizend angezogen, das ist uns schon beim Hineingehen aufgefallen. WĂ€hrend wir die Karte studieren, ruft die Chefin „Hopp, hopp!“ und mehrere vietnamesische Schönheiten stellen sich wie die Orgelpfeifen vor uns auf. Die Röcke noch kĂŒrzer als die Beine. Mein Blick geht durch die Runde und ich muss schmunzeln. Worum‘s geht, ist jetzt klar. Die MĂ€dls sind wirklich alle hĂŒbsch, aber wir passen. Kevin sagt denen, dass er zum Bankomat muss. Im selben Moment sind wir draußen.

Leider kein Foto. 😂

FĂŒr heute steht wohl keine Massage mehr auf dem Programm. DafĂŒr haben wir wieder eine lustige Story zu erzĂ€hlen. In der NĂ€he unseres Hostels kehren wir in eine australische Sports-Bar ein, wo wir sehr gut umsorgt werden. Die Kellnerinnen verwickeln einen ins GesprĂ€ch und fragen nach „another beer!?“. Hier baue ich wieder mein BĂŒro auf und digitalisiere meine Gedanken.

WĂ€hrend ich das mache, scheppert das Handy vor mir auf dem Tisch. Aus heiterem Himmel meldet sich Kurtl! Einer der drei Österreicher, die wir zuvor am Boot in der Halong Bucht getroffen haben. Die Partie war zu Abschluss ihrer Reise noch in Phu Quoc, den Strand und die Sonne genießen. Kurtl hat einen Flug nach MĂŒnchen und nicht nach Wien, weswegen ihn der Weg ĂŒber HCMC zu uns fĂŒhrt. Wir treffen uns gleich in der Bar und warten den Regen ab, bevor wir in die Nacht starten.

“Mot, Hai, Ba – Dzo!” – Drei, zwei, eins, Prost!

Der Trinkspruch der Vietnamesen wird zum Leitspruch des Abends. Kurtl, Kevin und ich gehen noch einen Sprung zu uns ins Hostel. Hier Stoßen wir mit dem Rest unseres Happy Waters aus den Bergen an.

NatĂŒrlich mĂŒssen wir ihm die Roof-Top-Bar auch noch zeigen. Oben lernen wir einen Londoner kennen, der sich zu uns setzt. Gleich drauf kommt eine Amerikanerin. Zu fĂŒnft trinken wir noch ein, zwei Bier, weil es hier oben so schön ist. WĂ€hrend der Aufzugfahrt verlieren wir unsere neuen Bekanntschaften. Ab Ebene sechs sind wir wieder nur zu dritt.

Beim benachbarten Foxclub essen wir hervorragend. Dazu serviert man Bier. Wir waren in den letzten Tagen schon zwei Mal hier und sind erstaunt, dass das Essen wirklich soo gut schmeckt! Es ist auch wirklich appetitlich angerichtet. Wir greifen ordentlich zu!

Wir sind schon gut drauf und halten Ausschau nach einer netten Bar. Das „Lighthouse“ ist Ă€hnlich wie bei uns im Hostel eine Bar, am letzten Stockwerk eines anderen Hotels. Hier wird Techno gespielt und die Kulisse ist wirklich klasse! Bei ein paar Drinks genießen wir die herrliche Aussicht und die fetten Beats des DJs. Heute sind wir besonders durstig. Ab jetzt setzen meine ErinnerungslĂŒcken ein.

Wir möchten gerne weiterschauen und sind auch schon eine Zeit lang im Großstadtdschungel unterwegs. In einem (kurzen) Moment des halbwegsen Bewusstseins und klaren Kopfes fĂ€llt mir auf, dass ich meine Kamera nicht umhĂ€ngen habe. ACH DU SCHEISSE!!! Ich bin hochnervös! Wie kann das sein? Wo hatte ich sie zuletzt? Hab‘ ich sie irgendwo hingelegt oder etwa jemandem gegeben?!

Kurtl entscheidet in diesem Moment, dass wir in unserem verheerenden Zustand erst einmal was essen mĂŒssen und ganz ruhig darĂŒber nachdenken, was in den letzten Stunden passiert ist. Beim Burger King kehren wir ein und bestellen das folgende kaiserliche MenĂŒ, womit wir die Angestellte am Schalter 20 Minuten beschĂ€ftigen:

2x Tripple Whopper

1x Doppel Whopper

1x Chicken Nugget Burger

2x Double Cheesburger

1x 9er Nuggets

2x Pommes

1x Cola

1x Fanta

Nach der Jause mĂŒssen wir zurĂŒck ins Lighthouse. Wir wissen aber nicht wo zum Teufel die Bar ist oder wie die Adresse lautet. Auch die Taxifahrer kennen‘s nicht. Deshalb hĂŒpfen wir bei irgendjemandem(!) auf den Roller, der uns aus mir unerklĂ€rlichen GrĂŒnden tatsĂ€chlich nicht in eine dunkle Ecke verschleppt, sondern genau vor der TĂŒr der Lighthouse Bar absetzt. Kurtl hat aufgepasst, dass ich nicht vom Sattel rutsche. Da Kurtls Eintritts-Stempel auf der Hand nicht mehr erkennbar ist, bezahlt er noch einmal Eintritt. WĂ€hrend der ganzen Aktion ist mein Puls auf 240, oder sogar höher. Es stehen einige Gigabyte an Erinnerungen der letzten Tage auf dem Spiel. Oben bei der Bar fragen wir den Kellner nach meiner Kamera und – OIDA! – hier ist sie! Wahrscheinlich habe ich sie einfach liegen gelassen, denn das passiert mir nicht zum ersten Mal.

Exkurs in die junge Vergangenheit: In Neuseeland hab ich sie in einer FußgĂ€ngerzone auf einer Parkbank liegen lassen und wir sind dann eine Stunde essen gewesen. Ich hatte sie wieder bekommen! Nur eine Dreiviertelstunde spĂ€ter(!) hatte ich sie in der Hotellobby liegen gelassen, wir sind auf‘s Zimmer und haben ein Nickerchen gemacht. Dann fiel mir spĂ€ter auf, dass die Kamera schon wieder weg ist. Aufgelöst flitzte ich zur Rezeption, wo man sie abgegeben hatte. Was die Kamerasache angeht, bin ich echt ein ordentlicher Schussel.

Am Weg zurĂŒck ins Hostel telefoniere ich mit Bernie und erzĂ€hl die Geschichte. Sie meint „Nicht schon wieder!“. Die Nacht endet Gott sei Dank mit einem Happy End. Unsere morgige Massage wird es nicht.

Beim Nachhause gehen mach ich noch die beiden Bilder – ich hab ja eine Kamera bei mir.

8 Gedanken zu „đŸș HCMC, die Dritte“

  1. Faszinierend wie genau man die Speisenbestellung beim Burger King weiß, wenn man GedĂ€chtnislĂŒcken hat. *lol*
    Oder hast du die Rechnung abgeschrieben? “getippselt” passt jetzt nicht mehr dank Tastatur. 😉 Gratuliere dir zum Erwerb deiner Schreiberleichterung.
    WĂ€re fĂŒr uns noch blöder wenn die Fotos bzw der Fotoapparat verloren gehen. Dann hĂ€tten wir u.a. die beiden Fotos vom Metzger nicht.

  2. War ein saucooler abend. ?? bin vorhin in mĂŒnchen gelandet. Hier hats 3 grad. ? genießts noch eure weitere zeit. I werd weiterhin brav mitlesen.
    Lg kurtl

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert