Noch befinden wir uns am Schiff in der Halong Bucht. Die Tai Chi Morgenlektion fällt wieder aus. „It‘s too early!”, wie Philipp zu sagen pflegt. Frühstück ist wie gestern ein Sehr-früh-stück um 7:00 Uhr. Heute lasse ich mir mit zwei Eiern, Zwiebel und Lauch eine Eierspeis‘ machen. Dazu gibts Toastbrot. Es ist interessant, dass die Eier mit den Stäbchen gerührt werden und auch das Toastbrot wendet man mit den Stäbchen über dem Toaster.
Wir haben eine neue Crewchefin bzw. Reiseleiterin bekommen und Lee ging von Board. Wir sind uns sicher, dass er ordentlich Sehnsucht nach seiner Freundin hatte, denn er hat wirklich jeden Augenblick genutzt, um einen schmutzigen Witz in die Runde zu werfen oder über den Fallus zu scherzen.
Heutiges Ausflugsziel ist wieder Kanufahren, alternativ kann man sich aber auch mit einem mehrsitzigen Ruderboot befördern lassen. Kevin und ich wählen heute die zweite Option und setzen uns mit den älteren Indern in das Ruderboot. Gesteuert wird das Boot mit zwei langen, flachen Paddeln, die im Stehen vom Heck aus gedreht, gedrückt und gezogen werden. Wir fahren durch einen Tunnel in eine abgeschottete Bucht, die nur von hier aus zugänglich ist. Neben uns ragen die grünbewachsenen Steinwände empor, nur die sehr steilen Stellen sind ohne Bewuchs.
Wir sind erstaunt, dass es hier Krähen gibt. Die Vögel haben wir gleich beim Einfahren in die Bucht entdeckt. Generell haben wir bis jetzt sehr wenig bis gar keine Vögel gesehen. Es sind aber nicht die einzigen Tiere, die es sich hier in der Bucht gemütlich gemacht haben. An einer der Wände, wo auch Bäume wachsen, bewegen sich die Äste und Wipfel. Affen springen von Ast zu Ast, sind aber aus der ferne nur schwer zu beobachten und so wirklich präsentieren wollen sie sich auch nicht. Unklar, wie die hierher gekommen sind.
Die Rudertechnik interessiert mich und ich frage den vietnamesischen Steuermann, ob ich auch einmal probieren darf. Erstaunt aber mit seinem Einverständnis darf ich an die Ruder. Nicht nur Kevin hält den Moment mit der Kamera fest, auch die Inder fotografieren und filmen, sowie die Chinesen in den nebenan schwimmenden Booten. Die fotografieren sowieso alles und jeden und vielfach.
Ich überlasse das Zurückrudern doch lieber dem Profi. Wir docken am Steg der schwimmenden Betoninsel an. Gerade strömen Massen von chinesischen Touristen herbei und übernehmen alles. Die Reiseleiterin packt uns zusammen, buchsiert uns auf‘s Boot und wir legen ab. Währenddessen hätten wir fast eine alte Inderin versenkt, die ihr letztes Bein noch nicht vollständig auf das Beiboot gehoben hat. Lautes Schreien am Boot.
Es ist Zeit zum Auschecken. So packen wir unser Zeug und bezahlen die konsumierten Getränke auf dem Hauptschiff. Während wir zurück in den Hafen der Halong Bucht, gemeinsam mit unzähligen anderen Schiffen schippern, wird unser Mittagessen zubereitet. Serviert wird nach Ankerlegen im Hafen. Dafür, dass es erst halb elf ist, haben wir erstaunlicherweise ordentlich zugeschlagen.
So wie wir angereist sind, reisen wir wieder ab. Bevor uns der Bus aus der Bucht abholt, matchen wir uns gegenseitig im Flaschenwerfen. Ziel ist, dass die volle PET-Flasche eine ganze Drehung macht und dann am Boden stehen bleibt. Ein Vietnamese neben uns ist begeistert und steigt in die Runde ein. Kurtl ist der einzige, der es schafft. Wir applaudieren und grölen lautstark.
In einem Kleinbus gehts mit kurzer Pause bei einem anderen Steinmetz- und Handwerksbetrieb mit inklusive Kaffeehaus wieder retour nach Hanoi. Wir beschließen, uns auch in der Nähe des Hotels unserer österreichischen Urlaubsbekanntschaften rausschmeissen zu lassen und noch auf ein gemeinsames Bier zugehen. Die Kellnerin des Lokals ist so nett und bestellt uns ein Taxi über eine App, die so ähnlich funktioniert wie UBER. Nach circa zehn Minuten ist der Taxler da und wir werden Richtung Flughafen gebracht, um nach Hue weiterzufliegen.
Kevin sitzt vorne und ist sehr aufmerksam, während ich hinten verpenne. Ihm fällt auf, dass wir zum falschen Terminal gebracht werden. Wir müssen zum Inlandsabflughafen, und nicht zum internationalen. Da unser Chauffeur doch kein Englisch spricht, wie eigentlich versprochen, verständigen wir uns mit Händen und Füßen. Er muss dennoch bei einem Einheimischen nachfragen, wo Terminal 1 ist, weil er sich nicht auskennt. Schließlich werden wir vorm korrekten Gebäude abgesetzt und da beginnt auch schon eine neue Diskussion. Für den internationalen Terminal muss man eine Einfahrtsgebühr bezahlen. Da wir dort aber gar nicht hinmussten und er das eigentlich wusste, weil es ihn die Kellnerin zuvor gesagt hat, sehen wir nicht ein, die Gebühr zu bezahlen. Er ruft die Kellnerin an und gibt mir das Telefon. Sie versteht mich und begreift das Problem. Nachdem ich ihm das Telefon zurückgegeben habe, nehmen wir unser Zeug und gehen. Er muss damit klar kommen. Wir sind Schuldenfrei.
Einchecken, Sicherheitscheck und rein in den Vogel. Wir freuen uns, dass Reihe 32 beim Notausgang ist und wir deshalb super Beinfreiheit auf dem kurzen Ein-Stunden-Flug haben. Noch dazu haben wir den 3er-Platz für uns allein.
Kevins Rucksack kommt diesmal sofort. Wir gehen erstmal nach draußen und checken uns ein Taxi, um in die Stadt zu kommen. Eine Londonerin spricht uns an, ob wir uns das Taxi teilen möchten und wir willigen ein. Am Weg in die Stadt merken wir, dass es schon ein etwas westlicheres Stadtbild hier in Zentral-Vietnam ist.
Der Taxler schmeisst uns raus und Google Maps weist uns den Weg zum Hostel. Heute ist Samstag und die Straßen dieses Häuserblocks sind gesperrt. Hier wird für eine Nacht eine Fußgängerzone daraus, wo normal der Verkehr durchsaust. Alter Schwede! Hier steppt der Bär! Lautsprecher, so groß wie ich, sind direkt auf die Straße gerichtet. Elektronische Musik dröhnt von Hauswand zu Hauswand und wir fühlen uns mittendrin wohl. Hier sitzen sogar mehr Einheimische als Touristen vor den Lokalen. Erstmal suchen wir unser Hostel. Dieses liegt direkt auf einer solcher abgesperrten Straßen.
Leider haben wir uns beim Buchen vertan und es wird uns ein Doppelbett-Zimmer gezeigt. Wir wechseln auf ein Dreibettzimmer, das nur einen Pappenstiel mehr kostet. Schere/Stein/Papier entscheidet, wer das Doppelbett und wer das Einzelbett bekommt. Kevin gewinnt durch einen Schnitt in mein Papier mit einem Gesamtergebnis von 2:1. Das große Bett geht an ihn.
Weil wir einen so großen Durst haben, halten wir uns gar nicht lange im Zimmer auf. Wir trinken ein schnelles, lokal gebrautes Bier in unserer Hostel Bar und danach stürzen wir uns ins Getümmel der Straßen rund um uns. Hungrig halten wir Ausschau nach einem Lokal, dass uns den ersten Snack des Abends bescheren soll. Uns spricht ein Lokal an, das eher klein ist und in dem nur Einheimische sitzen. Gleich als wir einen der letzten beiden freien Tische eingenommen haben, werden wir in gebrochenem Englisch von den Vietnamesen am Nachbartisch angesprochen. Sie geben mir die Hand, sind aber bei Kevin skeptisch und zögern sichtlich ihn auch die Hand zu schütteln. Er ist am ganzen Arm tätowiert und das ist für Vietnamese so, wie für unsere Urgroßeltern: der muss was angestellt haben und war bestimmt im Gefängnis oder sonst was stimmt mit dem nicht.
Sie fragen woher wir sind, wie alt wir sind, ob wir hier Urlaub machen und geben uns gleich ein paar Tipps, was wir hier in Hue sehen sollten. Ich lass mir das in mein Handy eintippen und bedanke mich. Mit Kevin sprechen sie nicht. Wir müssen drüber lachen. Es werden uns vom Chef Frühlingsrollen empfohlen und davor wurde uns auch noch sofort ein Bier angeboten. Er hat uns den Wunsch von den Augen abgelesen. Wir essen, trinken, prosten mit den Vietnamesen am Nachbartisch, zahlen und ziehen weiter.
Im nächsten Lokal „Little Owl” essen wir die Hauptspeise. Für Kevin gibts gebratenen Reis mit Gemüse und ich bestelle mir Reisnudeln mit Schweinefleisch. Nach den Tagen mit Besteck am Boot, freue ich mich über die Stäbchen 😍.
Wir verlassen das Lokal und schauen uns noch ein paar Gassen an. Leider drehen hier die meisten Lokale zu Mitternacht zu. Deswegen zieht es uns zurück in die Hostel Bar, wo wir den Abend ausklingen lassen.














Übrigens… eigentlich sollt ich lernen – Unfallchirurgie… aber (achtung kompliment) ises so spannend deinen Tag nachzuverfolgen das ich den gebrochenen Füßen jetzt den Rücken kehre und mich ohne schlechten Gewissen deinem Reisetagebuch widme.
Also Bernie hatte scho recht als sie mir sagte in dir ist ein Schrifsteller verloren gegangen.
Daugt ma 🙂
???