☕️🥚 Hanoi ist dort, wo man Kaffee mit Ei trinkt.

Die erste Nacht mit unseren amerikanischen Freunden war nicht so angenehm. Sie sind ziemliche Ferkel. In unserem Zimmer siehts aus wie in einer Seitenstraße um’s Eck. Klospülung gibt’s in den USA keine. Sie haben gestern reichlich getrunken – Zielwasser war keines dabei. Noch dazu sind sie sehr laut, nehmen kaum Rücksicht, dass vielleicht jemand anders im Raum noch schläft, oder es zumindest mit aller Gewalt versucht.

Aufsteller vorm Hostel

Das Frühstück habe ich ausgelassen und mir stattdessen zwei Kaffee eingeschenkt. Der vietnamesische Kaffee ist echt hervorragend! Er hat mich auch gestern am Anreisetag wieder auf die Spur gebracht. Das Heißgetränk wird hierzulande auch kalt getrunken.

Hier isst man den ganzen Tag Pho Suppe. Am Morgen, zu Mittag oder abends. Egal – Hauptsache heiß und mit viel Einlage. Bei unserem inkludierten Frühstück könnten wir uns auch dafür entscheiden. Ist mir aber ein wenig zu heftig.

Alles wird am Moped transportiert.

Kevin und ich ziehen los und suchen das Hostel, in dem Mimi wohnt. Wir haben uns bei einer Gratis-Tour angehängt, die vom fremden m Hostel aus organisiert wird. Der Tour-Guide heißt „Son D“ (hört sich an wie ein vietnamesischer Rapper), er packt uns zusammen und unsere internationale Gruppe bewegt sich im Gänsemarsch durch‘s Gewusel.

Leider ist die Tour nicht das, was wir uns vorgestellt haben. Unser Guide macht das zum ersten Mal, spricht nicht gut Englisch und das auch noch leise. Im Prinzip haben wir 90 % der Plätze schon gestern gesehen.

Monsterkirche!
Kirche innen

Unsere Tour beinhaltet einen Kaffeestopp, der durch einen Tunnel zwischen Häuser fuhrt und in einen Innenhof führt. Dort bestellen wir die Getränke, steigen dann aber zwei Stöcke höher zu den Tischen auf. Hier haben wir eine bessere Aussicht über den Hoan-Kiem-See (nicht Chiemsee).

Die Kellnerin bringt eine Runde Kaffee mit Ei. Ja, Ei. Das Getränk wurde aus der Not heraus erfunden, als keine Milch mehr im Haus war. Da hat der kreative Hausherr ein Ei bzw. genauer das Eiweiß zu Schnee geschlagen. Wird serviert wie ein Cappuccino, aber kalt, wie es hier üblich ist. Nach einem Schluck sieht man so aus:

Nach dem wir den Kaffeestopp gemacht haben, klinken wir uns wieder aus und schauen zu unserem Hostel zurück, da wir immer noch auf Kevins Rucksack warten. Der ist leider auch jetzt noch nicht angekommen.

Wenn wir schon mal da sind, verewigen wir uns gleich mit einem Hängekärtchen an der großen Weltkarte, die bei unserer Unterkunft an der Wand hängt. Europa ist schon komplett zugehängt. Wir stecken unser Kärtchen irgendwo in den Haufen und hoffen, es wenigstens halbwegs richtig positioniert zu haben.


Landmarke

Wir beschließen in der Zwischenzeit etwas essen zu gehen. Am Weg erzählt Kevin, dass die Ami-Ferkel ausgezogen sind und unser Zimmer wieder einwandfrei zusammengeräumt ist.

In einem Lokal ganz in der Nähe lassen wir uns nieder und essen verschiedenes durcheinander. Jeder kostet von jedem. Es schmeckt uns gut!

Nach dem Essen geht es wieder zurück ins Hostel. Am Weg dorthin werden wir wie immer von organisierten Straßenverbrech.. ähm..-verkäufern vergeblich dazu animiert, Zippos, Hüte, Kappen oder Süßigkeiten zu kaufen.

Ist denn der Rucksack endlich da? JA!! Schaut euch das glückliche Gesicht an:

Gleich danach machen wir uns auf, um auch Mimi glücklich zu machen. Sie sucht eine Kamera und wir begleiten sie in ein Elektronikgeschäft. Dann in noch eins. Dort wird sie fündig. Willkommen in der Sony-Familie ?!

Bei unseren Streifzügen durch die Gassen gibt es an allen Ecken und Enden Streetfood! Es gibt Hühnerbeine, Kakerlakensauce, frittiertes Huhn im Ganzen, Fisch in allen Variationen und heute entdeckt: Entensuppe.

Entensuppe

Als wir gemeinsam zu Mimis Hostel zurückgehen, um die Kamera aufzuladen, bleiben wir klassischerweise picken. Wir beginnen mit einem gemütlichen Bier, das dann in ein Saufspiel mündet. „Kingscup“ eröffnet die Serie. Hier die Regeln:

Gespielt wird mit handelsüblichen Pokerkarten. Es geht darum, einem der Schluckaufträge zu entgehen. Der komplette Kartenstapel liegt in der Mitte. Im Uhrzeigersinn wird abgehoben und aufgedeckt. Folgendes passiert beim jeweiligen Kartenbild, egal welcher Farbe:

2 – „Two for you“ – Jemanden bestimmen, der zwei Schluck trinkt.

3 – „Three for me“ – Drei selbst trinken.

4 – „On the floor“ – Hände am Boden, der letzte muss drei Schluck trinken.

5 – „For the guys“ – Nur die Burschen drei Schluck.

6 – „For the Chicks“ – Nur die Mädls drei Schluck.

7 – „To heaven“ – Hände hoch, der letzte trinkt drei.

8 – „Mate“ – Du kannst jemanden bestimmen, der immer mit dir trinken muss. Und zwar dieselbe Menge.

9 – „Rhyme“ – Du sagst ein Wort oder einen Satz, der am Schluss immer mit einem Reim fortgesetzt werden muss. Der erste, der nichts mehr drauf weiß, muss drei trinken.

10 – „Waterfall“ – Du trinkst und die anderen müssen solange mittrinken, bis du abgesetzt hast.

J – „Rule“ – Man darf eine Regel erstellen, die bis zum nächsten Buben gilt. Z.B. „Pauli darf nicht Lachen, sonst muss er trinken“ oder „immer, wenn in der unmittelbaren Umgebung gehupt wird, müssen alle trinken.” (Die hupen hier ständig!)

Q – „Questionmaster“ – Die Person ist bis zur nächsten gezogenen Dame diejenige am Tisch, der keine Fragen beantwortet werden dürfen. Wenn doch – drei Schluck.

K – „Kingscup“ – Man muss den in der Mitte stehenden Becher trinken.

Nach der ersten Runde wechseln wir die Location; und zwar in die Roof-Top-Bar. Hier spielen wir noch ein anderes Spiel, dass „Asshole“ heißt. Die Regeln lass‘ ich jetzt aus. Auf der kleinen und gemütlichen Terrasse setzt sich Mora aus Israel zu uns. Sie steigt ein und wir wechseln auf Englisch.

Nach dem Spielende tratsche ich ein wenig mit Mora. Ich erzähle ihr, das ich irgendwann mal als Kind gelernt habe, meinen Namen auf hebräisch zu schrieben. Ich scheitere nach ein paar Versuchen kläglich, mich an die genaue Strichführung zu erinnern. Schließlich zeigt mit Mora, wie‘s geht:

Nachher fordern Mimi und Kevin die amtierenden Beer-Pong-Meister heraus. Sie gewinnen mehrmals wie es sich gehört.

Der ganze Tag war wieder ein großer Kennenlernprozess einer uns fernen Kultur, die uns im Westen zwar nicht so fern sein versucht, es aber auf der anderen Seite doch bewusst möchte, um deren Traditionen zu bewahren. Bereits jetzt ist klar: in Vietnam fühlen wir uns wohl!

7 Gedanken zu „☕️🥚 Hanoi ist dort, wo man Kaffee mit Ei trinkt.“

  1. Herzlichen Glückwunsch an Kevin, nachdem der Rucksack angekommen ist, muss er nicht auf Outfit mit Bananen zurückgreifen. Nach wie vielen Runden verliert man wohl den Überblick über die Regeln von Kingscup? ;-)))
    Aber eine Poh Suppe richtet sicher wieder auf.
    ?
    Liebe Grüße
    Pape

  2. Ich finde es einfach toll, wie ihr schnell Anschluss findet, wie jeder eurer Tage so viele neue Eindrücke bringt und wie facettenreich deine Schilderungen uns daran teilhaben lassen
    – lese deine Blogs mehrmals am Tag und kann nicht genug davon kriegen
    Liebe Grüße Pape

  3. Andere Länder andere Sitten ? die Pho Suppen u Eintöpfe klingen sehr interessant ? Die Ami-Gesellschaft weniger ? Amis eben ? „kingscup“ Is scho in meine trinkspiele-sammlung aufgenommen ? danke f d Beschreibung!
    Wünsch euch weiterhin viele interessante Eindrücke!
    Liebe Grüße Pez

  4. Hallo Pauli!! 🙂 Bin a bissl spät eingstieng – joooo i schaum mi eh :´( Auf jedenfoi bin i grod ärger begeistert wos du do mochst. Echt. I wünsch da no a schene Reise und … ah wos red i … i les moi weider und werd da späda sicher no a poa “oida pauli wie leiwand” kommentare da lassen. 😀
    PS: I miassat duad verhungern – die Enten :O
    PPS: der Kevin schaut ziemlich nett aus… is der single? haha
    PPPS: vergiss die Sonnencreme ned – i hob mi gschreckt vo dein Sonnen brand und die Nurse in mir is immer schreit immer no! 😛

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